Politik

Erwin-Lesch als Namensgeber für Förderschulen? Ein Irrsinn: Der Pädagoge hatte während der NS-Zeit die Kriterien für "bildungsunfähige" Kinder entwickelt. Viele von diesen landeten im KZ.

09.08.2013

NS-Größen in Schulnamen: Schluss damit!

Wernher-von-Braun-Gymnasium, Erwin-Lesch- und Hans-Herrmann-Schule: Kultusminister kündigt Umnennung an - den Grünen dauert das Ganze zu lang

Jetzt, im nachhinein, ist das Gymnasium Tegernsee womöglich doch froh, dass es immer noch Gymnasium Tegernsee heißt, und nicht Otto-Beisheim-Gymnasium, obwohl mit der 2005 beinahe schon abgesegneten, in letzter Minute aber abgeblasenen Umbenennung eine Zehn-Millionen-Euro Spende des Namensgebers in spe verbunden gewesen wäre. Denn ein Otto-Beisheim-Gymnasium wäre unweigerlich auf der schwarzen Liste gelandet, die Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) jetzt herausgab: Schulen, deren Name als pädagogisch nicht wirklich wertvoll anzusehen ist und die sich tunlichst einen anderen Namen suchen sollten.
Otto Beisheim, der Metro-Milliardär, der vor einem halben Jahr das Zeitliche segnete, war, wie sich praktisch während der Überreichung der Zehn-Millionen-Spende herausstellte, Mitglied der SS-Leibstandarte Adolf Hitler. Die zehn Millionen blieben daraufhin bei dem Milliardär, die Schule blieb bei ihrem Namen und ersparte sich damit eine Menge Kalamitäten.
Denn 68 Jahre nach der Niederschlagung der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft sollen nun die letzten staatlichen Bildungseinrichtungen, die nach NS-Koryphäen benannt sind, endlich einen demokratiekompatiblen Namen bekommen. Wobei Kultusminister Spaenle vermeiden will, „dass die betroffenen Einrichtungen sich vor gewissermaßen von oben angeordnete, vollendete Tatsachen gestellt sehen.“ Stattdessen soll die Öffentlichkeit „Gelegenheit zu einem umfänglichen Klärungsprozess und Meinungsaustausch“ haben.
Was dem Landtagsabgeordneten Sepp Dürr von den Grünen, der die Sache mit einem Antrag ins Rollen brachte, ein bisschen zu langsam geht: „Es wäre ein ehrgeiziges Ziel, aber auch ein gutes Signal, wenn die betroffenen Schulen nach den Sommerferien bereits unbelastet in das neue Schuljahr starten würden.“
Nordkoreanisch
anmutende Auskunft
Im einzelnen hat Spaenle drei Namensgeber ausgemacht, die ihm zweifelhaft erscheinen: der Physiker Wernher von Braun, nach dem das Gymnasium in Friedberg bei Augsburg benannt ist, der BVP-, NSDAP- und CSU-Politiker Hans Herrmann, dessen Name über einer Grundschule in Regensburg steht, und der NS-Pädagoge Erwin Lesch, der ausgerechnet der Namenspatron dreier Schulen für Sonderpädagogik in Unterhaching, Neumarkt i.d.Opf. und Neuburg a.d. Donau ist ... (Florian Sendtner)

(Lesen Sie den vollständigen Artikel in der gedruckten Ausgabe der Bayerischen Staatszeitung vom 16. August 2013)

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