Politik

Nürnberger Rostbratwurst aus den USA - das kann oder will sich in Bayern kaum jemand vorstellen. (Foto: dpa)

05.01.2015

Nürnberger Rostbratwürste aus Kentucky?

In Bayern regt sich Widerstand gegen Lockerungen beim Schutz regionaler Spezialitäten durch das Freihandelsabkommen TTIP

In Bayern regt sich Widerstand gegen mögliche Lockerungen beim Schutz regionaler Spezialitäten. «Hier gibt es rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen», sagte der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner am Montag und reagierte damit auf eine Äußerung von Bundesagrarminister Christian Schmidt (beide CSU) zum geplanten Freihandelsabkommen TTIP.

«Wenn wir die Chancen eines freien Handels mit dem riesigen amerikanischen Markt nutzen wollen, können wir nicht mehr jede Wurst und jeden Käse als Spezialität schützen», hatte Schmidt dem «Spiegel» gesagt. Brunner warnte jedoch davor, Qualitätsstandards zu opfern: «Das Freihandelsabkommen darf nicht zu einer Aufweichung der hohen Produktions- und Verbraucherschutzstandards in Deutschland und Europa führen.»

CSU gegen CSU

Allgäuer Bergkäse, Schrobenhausener Spargel oder Nürnberger Rostbratwurst aus den USA - das kann oder will sich in Bayern kaum jemand vorstellen. «Save the Nürnberger Bratwurst», forderte Nürnbergs stellvertretender SPD-Chef Thorsten Brehm. Hubert Aiwanger, Vorsitzende der Freien Wähler, kritisierte: «TTIP wird für Deutschland mehr Schaden als Nutzen anrichten». Selbst wenn die Umsätze einiger Großkonzerne mit deutschem Namen steigen sollten, seien Mittelstand und Verbraucher die Leidtragenden.

Auch der Präsident des Bayerischen Handwerkertages, Georg Schlagbauer, äußerte sich skeptisch über eine mögliche Lockerung der Regel: «Handwerklich produzierte regionale Spezialitäten wie die Nürnberger Bratwurst, Bayerische Brezn und Bayerisches Bier sind charakteristisch für unsere Kultur.»

Für die Regionen hätten die Lebensmittel häufig eine besondere Bedeutung, erklärte Brunner. Sie sorgten für regionale Identität und sicherten Arbeitsplätze. «In Bayern macht der Umsatz mit herkunftsgeschützten Produkten mehr als zehn Prozent der Gesamtumsätze der Ernährungswirtschaft aus.» Die Menschen seien zu Recht stolz auf die Spezialitäten ihrer Region.

Schmidt reagierte auf den Proteststurm und stellte klar, dass regionale Spezialitäten weiter geschützt sein sollen. «Mit ihm wird es keine Nürnberger Rostbratwurst made in Kentucky geben», betonte sein Sprecher in Berlin. «Er steht ganz klar dazu, dass die geschützten Herkunftsbezeichnungen bleiben.» Allerdings gebe es in den Verhandlungen mit den Amerikanern gewisse Irritationen über die Vielzahl an Siegeln und geschützten Spezialitäten in der EU. (dpa)

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