Politik

Den 50 Pegida-Anhängern standen in München 1500 Bürger gegenüber. (Foto: dpa)

09.01.2015

Nur ein kleines Häuflein

Die Pegida-Bewegung erreicht den Freistaat – ihre Gegner sind allerdings deutlich in der Überzahl

Während diese Woche in Dresden wieder 18 000 Menschen gegen eine angebliche Islamisierung des Abendlandes protestieren, kommen die Aufmärsche der Pegida-Bewegung in Bayern nicht in Fahrt. Zwar spricht der Münchner Veranstalter Muegida nach dem zweiten Protest-Spaziergang von einer „Verdoppelung der Teilnehmerzahl“. Doch laut Polizeibericht versammelten sich am Montag am Sendlinger Tor lediglich 50 Personen – umringt von 1500 Gegendemonstranten.

Seit dem ersten Aufmarsch von Pegida in Dresden im Oktober haben sich bundesweit islamkritische Gruppierungen gebildet. Sie heißen beispielsweise in Berlin Bärgida, in Braunschweig Bragida, in Düsseldorf Dügida, in Leipzig Legida oder in Bayern Bagida. Danach wird es allerdings kompliziert: In allen Städten im Freistaat mit einem Pegida-Ableger existieren auf Facebook mehrere Fanseiten – und alle erheben den Anspruch, der wahre Vertreter der Dresdener Bewegung zu sein. Insofern wird sich das gesamte Potenzial von Pegida in Bayern wohl erst kommenden Montag zeigen, wenn Bagida zum ersten offiziellen Spaziergang durch München aufruft. 300 Demonstranten sind beim Kreisverwaltungsreferat bereits angemeldet. Die Gruppe Nopegida hofft wie bei den letzten Gegendemonstrationen, wieder mehrere tausend Menschen aus dem bürgerlichen Spektrum mobilisieren zu können.

Auch in anderen bayerischen Städten gab es bereits Gegendemonstrationen. In Würzburg standen die 300 Anhänger der Wügida am Montag 700 Bürgern gegenüber. Wie in Köln entschied sich auch die Universität Würzburg, die Kirchturm-Beleuchtung während der Protestmärsche auszuschalten. Und noch bevor in Neumarkt in der Oberpfalz zu einem Spaziergang eingeladen werden konnte, haben dort 700 Menschen gegen Pegida demonstriert. Auch die Nürnberger wollen Nügida zuvorkommen und planen für den 19. Januar eine Gegendemonstration. Zudem verspotteten zehntausende Nutzer auf Twitter und Facebook die Überfremdungsangst unter dem Hashtag schneegida mit Posts wie „Ich habe nichts gegen Schnee, solange er sich unserem Klima anpasst“.

Seehofer: „Pegida beschäftigt mich jetzt wirklich nicht“

Spätestens seit Angela Merkels „Folgen Sie denen nicht“-Aufruf in ihrer Neujahrsansprache herrscht im Bundestag quer durch die Fraktionen Einigkeit im Umgang mit Pegida. Nur die CSU verzichtete auf einen Aufruf gegen die Anti-Islam-Bewegung. „Das beschäftigt mich jetzt wirklich nicht“, betonte Ministerpräsident Horst Seehofer vor der Klausurtagung in Wildbad Kreuth. „Die pauschale Verurteilung der Bundeskanzlerin in der Neujahrsansprache war zu wenig differenziert“, erklärt Ex-CSU-Chef Erwin Huber der BSZ. Natürlich seien bei den Märschen auch Hassprediger und Rechtsradikale dabei. „Aber doch nicht 15 000!“ Huber verteidigt auch mit dem Blick auf die Ängste der Bürger die CSU-Ankündigung, Asylverfahren und auch Abschiebungen beschleunigen zu wollen. Für Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger löst das die Flüchtlingsproblematik nicht. „Fluchtursachen müssen in den Herkunftsländern wirksamer bekämpft werden“, ist er überzeugt. SPD und Grüne verlangen, weiterhin jeden Einzelfall genau zu prüfen. Sie werfen der CSU vor, das Misstrauen weiter zu schüren. (LOH/AKA)

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