Politik

Norbert Hofer (links) oder Alexander Van der Bellen? Am Sonntag wird in Österreich der neue Bundespräsident gewählt. (Foto: dpa)

01.12.2016

Österreich wählt, die Bayern warten - aber worauf?

Die Suche nach einem neuen Bundespräsidenten in der Alpenrepublik wird auch im Freistaat aufmerksam beobachtet. Denn ein Sieg von FPÖ-Kandidat Hofer könnte Signale auch in Bayern für 2017 und 2018 geben

Stolze 818 Kilometer ist die Grenze zwischen Bayern und Österreich lang. Doch Deutschlands südlichsten Freistaat und die Alpenrepublik verbindet weit mehr als die Grenzziehung. Enge Wirtschaftskontakte, Überschneidungen bei Mundart, Brauchtum und eine jahrhundertelange gemeinsame Geschichte haben hüben wie drüben die Menschen geprägt. "Wenn man Bayern und Österreich googelt, dann vervollständigt Google mit den Worten "Bayern und Österreich gehören zusammen"", umschreibt Anfang November Österreichs Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) das Verhältnis auf dem CSU-Parteitag in München.

Für Österreicher sei Bayern auch deshalb das liebste Ausland, weil sie dort zwar nicht mehr in Österreich, aber noch nicht so "richtig in Deutschland" seien, betont Kurz. Der Applaus der CSU fällt groß aus, auch deshalb, weil wohl auch viele Bayern so empfinden. Nicht nur im Sport beim erfolgsverwöhnten FC Bayern München kulminiert diese bajuwarischen Mentalität im "Mia san Mia".

Wenn am Sonntag in Österreich ein neuer Bundespräsident gewählt wird, hat das Ergebnis logischerweise auch für die Bayern Bedeutung - nicht nur für die laut Kurz rund 100 000 "Auslands-Österreicher", die in Bayern leben. Auch die Bayern, die Jahr für Jahr gen Süden zu ihren Nachbarn in den Urlaub fahren oder Tag für Tag dort arbeiten. Die Achse München/Wien trägt auf allen Ebenen viele Früchte - und Sorgen, denn der drohende Rechtsrutsch in Österreich bereitet auch vielen Bayern Kopfschmerzen, demokratische Wahl hin oder her.

Nicht nur die CSU muss wegen der AfD um Stimmen bangen

Zwar hätte die Wahl des EU-Kritikers und FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer zum Österreichischen Staatsoberhaupt sicher keine direkten Konsequenzen für das alltägliche Miteinander. Doch perspektivisch könnten Erfolge für eine rechtspopulistische FPÖ auch im Freistaat Signale setzen, die zumindest die etablierten Parteien um jeden Preis verhindern wollen. Schon im kommenden Jahr steht die Bundestagswahl an, 2018 folgt die Landtagswahl. Laut CSU-Chef Horst Seehofer zwei existenzielle Urnengänge, bei denen nicht nur die CSU wegen der AfD um Stimmen bangen muss.

Direkt kommentieren will dies aber vor der Wahl natürlich kein Regierungsmitglied. "Es ist doch klar, dass die Wahl in Österreich für uns wichtiger ist als eine Wahl in Portugal", sagt ein Kabinettsmitglied. Offiziell klingt es anders: "Bayern arbeitet mit seinen österreichischen Nachbarn in vielen Bereichen gut, verlässlich und erfolgreich zusammen", sagt Europaministerin Beate Merk (CSU). Beispiele für die vielen engen Kooperationen auf praktisch allen politischen wie gesellschaftlichen Ebenen gebe es viele: bei der Polizei ebenso wie beim Hochwasserschutz und in der Wasserwirtschaft etwa an Donau, Inn und Salzach oder im medizinischen Bereich.

Wie eng Bayern und Österreich agieren, zeigt sich aktuell in der Flüchtlingspolitik. "Derzeit ist die Lage am Brenner ruhig, so dass sich dort die Frage von Grenzkontrollen aktuell nicht stellt", betont Merk. Sollten jedoch wieder Flüchtlinge von Italien nach Österreich kommen, gelte die Zusage Bayerns, Österreich bei Bedarf mit Polizei zu unterstützen. "Denn für uns Bayern ist klar: Als Freunde helfen wir einander, wenn dies notwendig ist", sagt Merk.

Auch Bayerns Gebirgsschützen schauen nach Wien

Auch auf kommunaler Ebene wird mit großem Interesse auf den Wahlsonntag g'schaut, wie es im an die Mozartstadt Salzburg grenzenden Städtchen Freilassing heißt: "Europa steht vor großen Herausforderungen, speziell beim Thema Asyl", sagt Bürgermeister Josef Flatscher (CSU). "Hier wird sich der Bundespräsident einbringen müssen, sowohl nach innen als auch nach außen." Er erwarte, dass der neue Bundespräsident "im Sinne des europäischen Gedankens und der notwendigen Europäischen Gemeinschaft handelt".

Bayerns Gebirgsschützen schauen ebenfalls nach Wien. Traditionell bestehen zwischen den Schützen beider Länder enge Verbindungen. "Es ist wichtig, dass das gute nachbarschaftliche Verhältnis mit unseren Tiroler Freunden weiterhin besteht", sagt der Landeshauptmann der bayerischen Gebirgsschützen-Kompanien, Karl Steininger. "Ich hoffe, dass auch der neue österreichische Bundespräsident zu den Gebirgsschützen steht, egal, wer es wird", so der 77-Jährige. Mit Blick auf die Pannen beim ersten Wahl-Versuch meint Steininger: "Hoffentlich klappt es dieses Mal, so dass die Wahl nicht wieder angefochten werden kann." Auch eine typisch bajuwarische Sicht.
(Marco Hadem, Fabian Nitschmann und Paul Winterer, dpa)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 48 (2016)

Soll die Meisterpflicht wieder eingeführt werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 2. Dezember 2016 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Hans Michelbach, MdB und Vorsitzender der CSU-Mittelstands-Union

(JA)


Jonas Kuckuk, Vorstand im Berufsverband unabhängiger Handwerkerinnen und Handwerker, BUH e.V.

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2016

Nächster Erscheinungstermin:
25. November 2016

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 27 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen
Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.