Politik

13.09.2013

Ois easy, oder was?

Ein Kommentar von Waltraud Taschner

Elektrisiert, so scheint es, sind von der Landtagswahl am kommenden Sonntag vor allem Medien und Politiker. Während das Wahlvolk seit Monaten in seltsamer Lethargie verharrt: Da gibt es zum einen die Läuft-doch-prima-Gruppe, die sich mit Blick auf Bayerns gute Wirtschaftsdaten entspannt zurücklehnt und einfach nur will, dass alles so weitergeht. Landesbank-Debakel, Verwandtenaffäre im Landtag, Dauerbaustelle G8 – zum Dauer-Aufreger hat keines der Themen gereicht. Potenzielle Groß-Konflikte wie den Donauausbau oder die dritte Startbahn hat die Seehofer’sche Ois-easy-CSU beizeiten entschärft. Wofür genau die CSU noch steht, eine Vision für den Freistaat – nur Polit-Fossile und Journalisten fragen danach. Und der anderen großen Gruppe in der Bevölkerung, den Ratlosen und Frustrierten, war der Wahlkampf ohnehin egal.
Geräuschlos zurück zur absoluten Mehrheit: Die Strategie der Christsozialen könnte aufgehen. Wenn die Demoskopen recht haben und nicht noch der große Knaller dazwischenkommt, wird Horst Seehofer als Retter der CSU in die Annalen eingehen. Rein rechnerisch könnten den Schwarzen um die 45 Prozent der Wählerstimmen reichen, um alleine regieren zu können. Was selbst dann möglich sein könnte, wenn die FDP die 5-Prozent-Hürde überspringt und wieder in den Landtag einzieht. Wonach es im Moment nicht aussieht.

Seehofer, der Wohlfühl-Ministerpräsident


Und dann? Die Selbstzufriedenheit der Christsozialen im Fall einer erneuten Alleinregierung mag man sich nicht vorstellen. Selbst eingefleischten CSU-lern graut beim Gedanken an Stoibers Hybris nach der Zweidrittelmehrheit im Jahr 2003 noch heute. Die brachialen Reformen, die der erfolgsberauschte Stoiber damals durchzog, waren es nämlich, die zu desolaten Umfragewerten und schließlich zu seinem Sturz führten. Seehofer dürfte klug genug sein, derlei Parforceritte zu unterlassen. Zumal er ohnehin nicht zu politischem Hyperaktionismus neigt.
Schmerzhafte Reformen werden kaum zu erwarten sein von einem Wohlfühl-Ministerpräsidenten Seehofer. Zum Bürgerschreck wird er nicht mutieren, eher schon zum Verhandlungsalptraum eventueller Koalitionspartner. In München und, nach der Bundestagswahl: in Berlin. Blamiert sich Hessens CDU-Ministerpräsident Bouffier bei der Landtagswahl am 22. September, könnte Seehofer als dann einziger starker Unionsmann eines großen West-Landes nämlich so richtig auftrumpfen.

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