Politik

Der Münchner Hofgarten: kommende Woche einer der Schauplätze der Einheitsfeiern. (Foto: dapd)

28.09.2012

Partyhochburg der Republik

Bayern richtet dieses Jahr die Feiern anlässlich des Tags der deutschen Einheit aus - in München wird es voll, bunt und teuer

München, mit dem Oktoberfest noch eine Woche lang Partyhochburg der Republik, rückt kommende Woche auch bundespolitisch in den Mittelpunkt. Die Landeshauptstadt ist am 2. und 3. Oktober Schauplatz der Feierlichkeiten zur deutschen Einheit.


Rund 500 000 Besucher erwartet die bayerische Staatskanzlei zur zweitägigen Einheitsfeier. Um einen reibungslosen Verlauf der Großveranstaltung kommenden Dientag und Mittwoch zu gewährleisten, sind 2500 Polizisten im Einsatz. Sie sind am Mittwoch, dem eigentlichen Feiertag, besonders gefordert: Dann treffen Spitzen aus Politik und Gesellschaft Deutschlands zum offiziellen Festakt an der Isar ein. Neben Bundespräsident Joachim Gauck, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert wird auch Bundesverfassungsgerichtspräsident Andreas Voßkuhle erwartet. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), als aktueller Bundesratsvorsitzender in der Gastgeberrolle, kann zudem mit Besuch von Regierungschefs anderer Bundesländer rechnen.
Die Feierlichkeiten kosten den Freistaat etwa 2,5 Millionen Euro. Politische Beobachter blicken am Tag der deutschen Einheit mit besonderem Interesse auf die Festrede, die bisweilen Debatten größerer Tragweite entfacht. So brachte der damalige Bundespräsident Christian Wulff (CDU) bei der Einheitsfeier 2010 in Bremen mit der Aussage, der Islam gehöre zu Deutschland, eine breite Diskussion in Gang.

Mammut-Programm


Die diesjährige Rede wird turnusgemäß von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gehalten. Seine Ansprache dürfte ein Werben für den Erhalt der Währungsunion werden. Auf BSZ-Anfrage hieß es, der Bundestagspräsident werde die Rolle Deutschlands in Europa und die wechselseitigen Abhängigkeiten in den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellen. Bevor Lammert beim Festakt in der Staatsoper als Hauptredner vor die rund 1500 geladenen Gäste treten wird, versammeln sich die obersten Repräsentanten des Staates zu einem ökumenischen Festgottesdienst in der Sankt-Michaels-Kirche (Beginn 10 Uhr, live im ZDF). Danach führt Ministerpräsident Seehofer seine Gäste über die Fußgängerzone ins nahe Nationaltheater zum Festakt (12 Uhr, live in der ARD).     Doch die Einheitsfeier ist nicht nur hohe Politik, sondern auch ein zweitägiges Bürgerfest, das mit einem Mammut-Programm rund um die Ludwigstraße und den Hofgarten aufwartet (www.tag-der-deutschen-einheit.de). Bereits am Dienstag wird die Prachtstraße zwischen Siegestor und Feldherrnhalle zur Bundesmeile: Besucher können sich über die Verfassungsorgane und die sechzehn Bundesländer informieren, die sich in großen Zelten präsentieren. Baden-Württemberg etwa will sich als Film-Standort profilieren. Das Zelt der bayerischen Staatsregierung steht unter dem Motto „Aufbruch Bayern“.

Werben für sich selber


Die meisten anderen Länder legen den Schwerpunkt auf ihre touristischen Vorzüge, so dass ein Spaziergang über die Ludwigstraße zu einer „Reise durch ganz Deutschland“ wird, wie es die Staatskanzlei formuliert. Wer leichte Unterhaltung vorzieht, besucht die beiden Bühnen am Siegestor und vor der Feldherrnhalle, wo es Musik, Kabarett und Talk gibt.
Im Zelt des bayerischen Landtags kann man von Karikaturist Dieter Hanitzsch erfahren, was eine gelungene politische Karikatur ausmacht. Weniger humorvoll dürfte es bei Finanzminister Markus Söder, Kultusminister Ludwig Spaenle, Verbraucherschutzministerin Beate Merk, Sozialministerin Christine Haderthauer und Umweltminister Marcel Huber zugehen, die jeweils fachspezifische Themen erörtern. Innenminister Joachim Herrmann stellt sich einem Bürgertalk.
Die Opposition hat im Landtagszelt ebenfalls ihren Auftritt. Jede Fraktion hat ihren eigenen Stand, und an beiden Tagen stehen die Fraktionschefs von SPD, Grünen und Freien Wählern ebenso Rede und Antwort wie jene der Regierungsparteien FDP und CSU. Auch Landtagspräsidentin Barbara Stamm hält sich für Gespräche bereit.
Übrigens verbindet die Landtagspräsidentin mit der Wiedervereinigung sehr bewegende, persönliche Momente: Sie stand im Herbst 1989 in Passau, um jene DDR-Bürger zu empfangen, die damals über Ungarn in den Westen ausreisen durften. Und wenige Tage später war sie am Bahnhof im oberfränkischen Hof, wo die Züge mit den Botschaftsflüchtlingen aus Prag eintrafen. Das Gelingen der Wiedervereinigung sei „vor allem den mutigen Bürgerinnen und Bürgern der ehemaligen DDR zu verdanken“, betont Stamm zum 23. Tag der deutschen Einheit.
Weniger umsichtig zeigte sich der damalige Ministerpräsident Max Streibl anlässlich der ersten Einheitsfeier 1990 in Berlin. Er sagte dem Osten schon bald „blühende Gemeinwesen“ voraus und lag damit ebenso daneben wie der Kanzler der Einheit, Helmut Kohl, mit seiner Formulierung der „blühenden Landschaften“. (Robert Zsolnay)

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