Politik

02.05.2014

Politik ohne Zuschauer

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Ihr Eigenlob rücken ARD und ZDF besonders gern ins Programm. Ein leitendes Gesicht erklärt dann mit fester Stimme, wie unbeirrbar, unermüdlich und unparteiisch beide Anstalten den Auftrag wahrnähmen, die Bevölkerung hochpolitisch aufzuklären. Dieser Selbsteinschätzung folgt wahrscheinlich ein Krimi. Oder Klamauk als Ausweis öffentlich-rechtlichen Humors. Was nicht ausschließt, dass stattdessen eine Schnulze kommt oder ein enorm seriöser Film über einen Tiefseefisch. Eine Debatte mit fünf Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten folgt bestimmt nicht.
Am 15. Mai findet die Debatte aber statt, und zwar ohne Direktübertragung durch eine der beiden großen Anstalten. Die FDP-Europaabgeordnete Nadja Hirsch hält das für entsetzlich und findet, die „Notwendigkeit des öffentlich-rechtlichen Fernsehens“ sei dann wohl „endgültig dahin“. Ein derartiges Verdammungsurteil könnte Frau Hirsch so gut wie jeden Tag fällen. Tausende von Veranstaltungen, deren Wichtigkeit kein öffentlich-rechtliches Sprachrohr je anzweifeln würde, gehen ohne ARD und ZDF über die Bühne. „Phoenix“, das große Alibi, ist auch nicht immer dabei. Selbst auf den Abschiebegleisen der Nachtprogramme steht die Politik selten.

Sollte nicht der europäische Gedanke allen heilig sein?


Tja, deren Unterhaltungswert lässt halt zu wünschen übrig. Die Repräsentanten der Staatssender berücksichtigen das, doch zugeben würde es keiner. Ist nicht wenigstens der europäische Gedanke allen heilig? Aber selbstverständlich, doch wird aus willkommener Gesinnung noch lange kein Programmpunkt. Frau Hirsch geht deshalb unter die Marktschreier und nennt das von ihr aufgespießte Europa-Palaver einen „Schlagabtausch“. Du liebe Zeit, es wird sich doch niemand ernsthaft verletzen? Tatsächlich dürfen alle Sender dieser Erde das Publikum vor Langeweile schützen wollen und alle sich selbst vor niedrigen Einschaltquoten – wirklich alle, nur eben zwei Institutionen nicht, die ARD und das ZDF. Denn die genießen zum Ausgleich ordnungspolitisch haarsträubende Privilegien. Auch wer die beiden verabscheut, muss sie bezahlen. Wenn sie Geld brauchen, schreien sie und kriegen es. So viel Bevorzugung verpflichtet zu volkspädagogischen Rekordleistungen.

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Kommentare (1)

  1. zitrone am 02.05.2014
    Ich kann die Feststellung in dem Kommentar nur unterstützen. Die Öffentlichen übertreffen teilweise die Privaten sogar nach unten. Interessante und gesellschaftskritische oder kritisch politische Sendungen sind oft erst so spät im Programm, dass kein normaler Arbeitnehmer teilhaben kann. Ein großer Teli der Sendungen besteht aus Wiederholungen aus der DM Zeit und sollte deshalb auch nur die Häflte kosten. Zum Glück gibt es noch Bücher. Auch aus Papier.

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