Politik

Auf Druck von CSU-Chef Horst Seehofer hat sich Jakob Kreidl (r.) im Frühjahr 2014 vollständig aus der Politik zurückgezogen. (Foto: dpa)

27.01.2015

Razzia in Sponsoringaffäre der Miesbacher Kreissparkasse

Die Staatsanwälte kamen am Morgen - und sie kamen unangemeldet

Im Zusammenhang mit der Sponsoringaffäre der Miesbacher Kreissparkasse hat es eine groß angelegte Razzia gegeben. Mehr als ein Dutzend Staatsanwälte und 75 Kripobeamte durchsuchten heute 27 Wohnungen und Geschäftsräume hauptsächlich im Landkreis Miesbach, wie die Staatsanwaltschaft und das Landeskriminalamt (LKA) in einer gemeinsamen Erklärung mitteilten. Nicht nur im Landratsamt Miesbach und bei der Kreissparkasse klopften die Ermittler an.
Der Miesbacher Landrat Jakob Kreidl (CSU) war im Frühjahr 2014 vor allem wegen der Finanzierung seiner sündteuren Geburtstagsfeier durch das kommunale Geldinstitut zurückgetreten. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt wegen Untreue gegen den 62-Jährigen, der auch als Präsident des Bayerischen Landkreistages seinen Hut nehmen musste.
Ermittlungsverfahren richten sich in der Sponsoringaffäre neben Ex-Funktionsträgern auch gegen aktive Mitglieder und Verwaltungsräte der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Es geht der Mitteilung zufolge um mehrere Verdachtsfälle von Untreue in den Jahren 2008 bis 2013. Im Raum stehen auch Vorteilsgewährung, Vorteilsannahme, Bestechung und Bestechlichkeit. Die Ermittlungen umfassen zwölf Komplexe mit einem Volumen von zusammen mehr als einer Million Euro.
Auf Antrag der Staatsanwaltschaft München II erließ das zuständige Amtsgericht nun Durchsuchungsbeschlüsse gegen 16 Beschuldigte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur durchsuchten die Ermittler neben Geschäftsräumen auch die Privathäuser Kreidls in Fischbachau und von Ex-Sparkassenchef Georg Bromme in Waakirchen. Details der Aktion nannte die Staatsanwaltschaft nicht.
Das Geldinstitut fordert mehr als sechs Millionen Euro von Kreidl, Bromme sowie weiteren Ex-Vorständen und -Verwaltungsräten zurück. Ihnen wird vorgeworfen, durch Immobilienkäufe, gesponserte Ausflüge von Kommunalpolitikern und teure Renovierungen von Büros ihre Pflichten grob fahrlässig verletzt zu haben.
Kreidl hatte sich auf Druck von CSU-Chef Horst Seehofer im Frühjahr 2014 vollständig aus der Politik zurückgezogen. Er war zudem wegen seines aberkannten Doktortitels und eines privaten Schwarzbaus in die Kritik geraten. Zum Verhängnis wurde ihm jedoch die Finanzierung der Feier zu seinem 60. Geburtstag im Sommer 2012. Das Fest hatte fast 120.000 Euro gekostet und war nahezu vollständig von Sparkasse und Landkreis bezahlt worden. (Paul Winterer, dpa)

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Kommentare (1)

  1. Christian am 28.01.2015
    Mir Verlaub, sieht so aus, dass sich unsere Volksvertreter, wie im Selbstbedienungsladen verhalten, Kontrolle gibts nicht.

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