Politik

Mitarbeiter der Spurensicherung stehen in Vorra vor dem durch einen Brand beschädigtem Gebäude. (Foto: dpa)

12.12.2014

Schlimme Erinnerungen

Nach dem Brand in drei geplanten Flüchtlingsunterkünften in Mittelfranken will Innenminister Herrmann jetzt den Schutz von Flüchtlingsheim verstärken

Was in der Nacht in der Nähe von Nürnberg geschah, ruft schlimme Erinnerungen wach. Schon früher brannten in Deutschland Ausländerwohnheime. In Vorra wurde zwar niemand verletzt oder getötet. Doch die Ermittler sind alarmiert.

Nach dem Brand in drei geplanten Flüchtlingsunterkünften in Mittelfranken ermittelt der Staatsschutz. "Es spricht einiges dafür, dass es sich um Brandstiftung handelt", sagte am Freitag Polizeisprecher Robert Sandmann. An einem der benachbarten Gebäude im Ortskern von Vorra (Kreis Nürnberger Land)
wurden Hakenkreuze und andere fremdenfeindliche Schmierereien entdeckt. Die Ermittler suchen nun nach Spuren und Zeugen. Bisher gebe es keine Hinweise auf den oder die Täter, sagte Sandmann.

Eine leerstehende Gaststätte, eine Scheune und ein leerstehendes Wohnhaus waren gegen 22.45 Uhr in Brand geraten. Sie waren umgebaut und renoviert worden und sollten nach einem Beschluss der Regierung von Mittelfranken demnächst Flüchtlingen als Unterkunft dienen. Eine Anwohnerin hatte den Brand in der Gaststätte entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Aus den Fenstern quoll starker Rauch. Kurze Zeit später wurde bemerkt, dass auch die anderen Gebäude in Flammen standen. Es gelang der Feuerwehr rasch, die Brände zu löschen. Rund 150 Feuerwehrleute waren im Einsatz. Einer von ihnen erlitt leichte Verletzungen. Den Gesamtschaden schätzt die Polizei auf etwa 700 000 Euro. Die Häuser sind unbewohnbar.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat die mutmaßliche Brandstiftung in einem für Asylbewerber vorgesehenen Gebäudeensemble in Vorra als "schändliche Tat" verurteilt. "Braunes Gedankengut hat keinen Platz in unserer freiheitlichen Gesellschaft", betonte Seehofer heute. "Die Menschen in Bayern lassen sich durch die Provokation, den Hass und die Menschenverachtung, die aus
dieser Tat sprechen, nicht beirren." Bayern zeichne sich aus durch die Hilfsbereitschaft und Unterstützung der Bürger "für diejenigen, die im Freistaat Schutz vor Krieg und Verfolgung und Obhut in Frieden suchen". Innenminister Herrmann will jetzt den Schutz von Flüchtlingsheimen verstärken.

Landtagspräsidentin Barbara Stamm zeigt sich angesichts der mutmaßlichen Brandstiftung ebenfalls bestürzt. Sie betont: „Wir dürfen niemals zulassen, dass Hass und Fremdenfeindlichkeit Einzug in Bayern halten. Solche Übergriffe sind grausam und traurig für unser Land. Für Gewalt und Terror ist kein Platz bei uns. Wir müssen alle politischen und gesellschaftlichen Möglichkeiten nutzen, damit wir unsere Willkommenskultur für unsere ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger erhalten und ausbauen. Jeder ist hier gefordert, für seine Mitbürger einzustehen und Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Zugleich muss unser Rechtsstaat all seine Mittel nutzen, um solche schlimmen Taten aufzuklären und die Urheber ihrer gerechten Strafe zuzuführen.“

Der Bayerische Flüchtlingsrat hofft nach dem Brand auf eine schnelle Aufklärung. "Ich wünsche mir, dass möglichst rasch und intensiv und auch wirklich gegen rechts ermittelt wird", sagte der Sprecher Alexander Thal. In Mittelfranken gebe  es - wie im ganzen nordbayerischen Raum - Rechtsextreme. Bei ähnlichen Anschlägen habe es aber oft geheißen, es werde in alle Richtungen ermittelt, weil beispielsweise Hakenkreuz-Schmierereien fehlten. "Jetzt haben wir die", sagte Thal. (dpa/BSZ)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 49 (2017)

Paragraf 219a: Soll das Werbeverbot für Abtreibungen abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 8. Dezember 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Simone Strohmayr, Vize-Vorsitzende der SPD-Fraktion im Landtag

(JA)

Winfried Bausback (CSU), bayerischer Justizminister

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.