Politik

Der Run auf die Mittelstufe Plus erstaunt so manchen. (Foto: dpa)

15.05.2015

Seehofer als prominenter Mitstreiter

Run auf die Mittelstufe Plus: Die Freien Wähler wollen den Zugang zum G9 verbreitern – auch der Ministerpräsident plädiert dafür

Es kam, wie es kommen musste: Nicht maximal 25 Prozent der in Frage kommenden Gymnasiasten haben sich – wie Schulminister Ludwig Spaenle prognostiziert hatte – für die „Mittelstufe plus“ an den 47 bayerischen Modellgymnasien entschieden. Sondern im Durchschnitt mehr als 60 Prozent. Der Vorsitzende des Bayerischen Philologenverbandes, Max Schmidt, sieht sich damit in seiner Einschätzung bestätigt, dass viele Eltern und Schüler „mehr Zeit für gymnasiale Bildung wollen“. Auch Spaenle hätte das mit Blick nach Baden-Württemberg oder Hessen ahnen können. Seit dort zwischen G8 und G9 gewählt werden kann, sprechen sich regelmäßig zwischen 80 und 90 Prozent der Betroffenen für die neunjährige Variante aus. So wie es nun die „Mittelstufe plus“ auch in Bayern ermöglicht.
An manchen bayerischen Modellschulen sind die Anmeldungen dafür so hoch, dass Schüler abgewiesen werden mussten. Schließlich schreibt das Schulgesetz das G8 als Regelform vor, es muss deshalb mindestens eine G8-Klasse gebildet werden. Dessen ungeachtet fordern die Freien Wähler, alle an den Pilotgymnasien interessierten Schüler zu dem Modellversuch zuzulassen. Sie haben dafür einen prominenten Fürsprecher: Ministerpräsident Horst Seehofer. „Wenn die Bevölkerung sich in diesem Ausmaß entscheidet, werden auch die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt“, erklärte der Ende April nach einer Klausur des CSU-Vorstandes. Was das konkret bedeutet, ist auch jetzt noch nicht ganz klar. Plädiert Seehofer in seiner „Koalition mit den Bürgern“ am Ende gar für eine Ausweitung des Modellversuchs?

100 Lehrerstellen mehr wären nötig


Genau das verlangen die Freien Wähler. Der Versuch sollte für sie zunächst um jene 24 Gymnasien erweitert werden, die das Kultusministerium für den Testlauf nicht zugelassen hatte. Daran will man festhalten, weil erstens die Zeit nun zu knapp sei und zweitens die fachliche Begleitung des Modellversuchs bei so vielen Gymnasien nicht mehr gewährleistet werden könne. Die Freien Wähler drücken trotzdem aufs Tempo. Binnen zwei Jahren soll die „Mittelstufe plus“ an allen bayerischen Gymnasien zur Auswahl stehen. „Die Wahlfreiheit ist derzeit das beste Modell für Bayern“, sagt FW-Bildungssprecher Günther Felbinger. Die Kosten hält er für überschaubar. Vier zusätzliche Lehrerwochenstunden habe Spaenle den Modellgymnasien zugesagt, hochgerechnet auf alle bayerischen Gymnasien würde dies in etwa 100 Lehrerstellen entsprechen. Allerdings war Spaenle von deutlich weniger Interessenten ausgegangen, zudem könnte durch das Zusatzjahr an vielen Gymnasien ein Raumproblem entstehen.
Klar ist jedenfalls, dass an den bayerischen Gymnasien noch immer keine Ruhe einkehren wird. Denn in der CSU-Landtagsfraktion gibt es weiterhin starke Beharrungskräfte, die unbeirrt am einst von Edmund Stoiber im Handstreich eingeführten G8 festhalten wollen. In der Opposition ist der weitere Weg umstritten. Die Freien Wähler wollen die G8/G9-Wahlfreiheit, die SPD die grundsätzliche Rückkehr zum G9 und die Grünen pädagogische Reformen mit einer flexiblen Oberstufe. Eines aber betonen alle unisono: Sie wollen nur das Beste für das Wohl der Kinder. (Jürgen Umlauft)

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