Politik

Noch ist er nicht Ministerpräsident: Markus Söder nimmt aber bereits die nächsten 12 Jahre in den Blick. (Foto: dpa)

27.12.2017

Söder plant schon mal bis 2030

Niemand weiß, wann genau Markus Söder Ministerpräsident wird. Doch es kann schnell gehen. Und dann wird nicht nur Seehofers "Bavaria First" Geschichte sein

Die nächsten zwölf Jahre sollen im Fokus des ersten Regierungsprogramms von Markus Söder als Bayerns Ministerpräsident stehen. "Meine Aufgabe ist es, praktische Politik für die Gegenwart zu machen, aber auch längerfristige Strategien für Bayern zu entwickeln", sagte der designierte Regierungschef. Ein realistischer Planungsabschnitt sei daher die Zeit bis 2030. "Ich will Modernität mit konservativen Werten verbinden. Man kann Kosmopolit sein und trotzdem Tracht tragen." Der CSU-Spitzenkandidat Söder soll das Amt von Ministerpräsident Horst Seehofer im ersten Quartal 2018 übernehmen - deutlich vor der Landtagswahl im Herbst.

Söder betonte, dass er ein anderes Motto als Seehofers "Bayern First" verfolgen werde. "Bayern First würde bedeuten, dass sich Bayern über alles andere stellt. Das wäre überheblich", betonte der 50-Jährige. Der Freistaat sei international gut vernetzt und wolle mit Freunden und Partnern gut auskommen. "Deswegen ist nicht "Bayern First" mein Motto, sondern "das Beste für Bayern"."

Als Beispiele für politische Schwerpunkte nannte Söder die Landesentwicklung. "Wir müssen darauf achten, dass in den Ballungszentren die wirtschaftliche Dynamik wieder synchron mit der Lebensqualität verläuft. Ich bin der festen Überzeugung, dass auch bezahlbarer Wohnraum, und bezahlbare Wohneigentumsbildung für junge Familien eine Schlüsselfrage ist." Zudem müsse sich die Politik mehr Gedanken über die Verkehrsentwicklung machen. "Nicht kurzfristig über Fahrverbote streiten, sondern langfristige ÖPNV-Angebote machen, die weit über Stadtgrenzen hinausgehen. Dazu gehört etwa die Vernetzung der Ballungsräume untereinander und mit den ländlichen Regionen."

Söder: Man kann nicht Everybody's Darling sein

Söder betonte, er wolle sich zwar für das Land und die Menschen leidenschaftlich einsetzen, man könne aber nicht "Everybody`s Darling" sein, wie Franz Josef Strauß schon sagte. "Es zählt zuallererst, was für das Land notwendig ist. Stil und Haltungsnoten seien wichtig, aber noch entscheidender seien Ergebnisse. "Ich werde versuchen, authentisch zu bleiben, aber auch dem Anspruch gerecht zu werden, in dem Amt zu reifen."

Wie Seehofer will auch Söder einen engen Draht zu den Bürgern. "So können wir schneller auf Probleme reagieren. Ich bin für direkte Ansprechbarkeit", sagte er. Ein Ministerpräsident solle für alle Bayern da sein, auch wenn er es wohl nicht allen recht machen könne.

Prognosen zu seinem Wahlziel will Söder nicht treffen. "Es wäre überheblich, aus heutiger Sicht über Mehrheitskonstellationen zu sprechen", betonte er. Die Lage in Berlin sei instabil, in den Umfragen habe die CSU noch Luft nach oben, und es gebe neue Parteien im Wettbewerb. "Eines ist klar: die Zersplitterung des bürgerlichen Lagers darf nicht weitergehen. Wenn sich das bürgerliche Lager weiter in kleine Parteien zersplittert, führt das nur zur Instabilität."
(Marco Hadem und Christoph Trost, dpa)

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Kommentare (1)

  1. Bavarian2.0 am 27.12.2017
    Söder ist ein politischer Zögling von Edmund Stoiber. Dem konnte man sicher vieles vorwerfen. Aber nicht, dass er meinungsmässig eine Pappel im politischen Wind war, ein Überzeugungsfähnchen im Zeitgeist. Mir persönlich lieber ist ein MP, der auch mal eine Entscheidung trifft, die ich als Bürher zwar ablehne. Aber der dazu steht. Gut, dass Seehofer endlich geht. Für Bayern haben die 10 Jahre unter ihm nichts gebracht. Wäre Stoiber bis heute geblieben, stünde das Land nicht schlechter da. Dynamischer wirkt der alte Herr sowieso.

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