Politik

Das achtjährige Gymnasium soll bleiben - Spaenle will aber G9-Züge ermöglichen. (Foto: dpa)

15.09.2014

Spaenles Reformideen

Den Segen des Chefs hat er: Kultusminister Ludwig Spaenle will G9-Züge am Gymnasium einführen, aber grundsätzlich beim G8 bleiben

Ministerpräsident Horst Seehofer hat sich voll hinter die Pläne seines Kultusministers Ludwig Spaenle zur Einführung von G9-Zügen am Gymnasium gestellt. "Mir gefällt der Grundansatz gut", sagte der CSU-Chef am Montag vor einer Sitzung des Parteivorstands in München. Das Konzept, bei dem es auch um eine Verbesserung des Lehrplans und eine bessere Vermittlung von Lerninhalten gehe, sei "beachtlich" und habe seine Unterstützung.
Spaenle will grundsätzlich beim achtjährigen Gymnasium bleiben, aber G9-Züge ermöglichen. Konkret sollen Schüler künftig nach der Unterstufe entscheiden können, ob sie das Abitur nach acht Jahren oder erst nach neun Jahren Gymnasium machen wollen. Schüler, die die Mittelstufe um ein Jahr strecken wollen, sollen dafür einen G9-Zug wählen können: Für sie soll es eigene, neue Klassenverbände geben.
Das ist nach Darstellung Seehofers der entscheidende Schritt: dass es für die betreffenden Schüler - anders als beim Flexibilisierungsjahr - eigene Klassen geben soll. Das sei in Gesprächen mit Eltern, Lehrern und Schülern immer gesagt worden: "dass Schüler äußerst ungern einen Klassenverband verlassen - sie wollen das gemeinsam machen".

Die CSU berät nächste Woche im Kloster Banz

Dass sich am Ende möglicherweise mehr als die von Spaenle prognostizierten 20 bis 25 Prozent eines Jahrgangs für G9-Züge entscheiden könnten, schreckt Seehofer nicht. "Das ist doch für eine offene Gesellschaft nicht verkehrt, wenn die Leute mehr mitzureden und zu entscheiden haben. Es geht ja um die Zukunft der Jugend."
Seehofer betonte aber auch, dass er der Diskussion auf der CSU-Fraktionsklausur in der kommenden Woche nicht vorgreifen wolle. Die CSU-Abgeordneten tagen von Montag bis Donnerstag im Kloster Banz.
Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel, begrüßte Spaenles Ideen grundsätzlich. Die Möglichkeit, Schülern in der Mittelstufe mehr Zeit zu geben, wenn sie es wollten, erscheine sinnvoll. "Hier muss allerdings geklärt werden, wie das in der Praxis umzusetzen ist", sagte Wenzel.
Zufrieden äußerte sich auch der Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft, Bertram Brossardt. "Die vbw begrüßt, dass Kultusminister Spaenle sich mit seinen Plänen zur Weiterentwicklung des Gymnasiums klar zum achtjährigen Gymnasium bekennt." Flexible und individuelle Lerngeschwindigkeiten in der Mittelstufe seien aber "ein interessanter und diskussionswürdiger Ansatz", erklärte Brossardt.

Freie Wähler: "Gut abgeschrieben, Herr Spaenle"

Martin Güll (SPD), Vorsitzende des Bildungsausschusses im  Landtag, sieht im Gegensatz zum Ministerpräsidenten keinen Durchbruch in der Frage der Neuaufstellung des bayerischen Gymnasiums: „Die wahlweise Verlängerung der Mittelstufe um ein Jahr bringt gerade in den kleinen ländlichen Gymnasien große organisatorische Probleme und ist nicht geeignet, den notwendigen Schulfrieden herbeizuführen", sagte er. "Mit seinem Lob für den Kultusminister bekommt Seehofer vielleicht Ruhe in seinem Kabinett, den Gymnasien in Bayern hilft er nicht." Wer G9-Klassen zulasse, solle gleich den Mut haben, einen Fehler einzugestehen und ein modernes neunjähriges Gymnasium einführen, erklärte Güll.
"Gut abgeschrieben, Herr Spaenle", frotzelte dagegen der Freie-Wähler-Chef Hubert Aiwanger. „Es ist erfreulich, dass sich jetzt auch die Staatsregierung und die Wirtschaft mit einer Wahlfreiheit zwischen G8 und G9 am Gymnasium anfreunden können, obwohl sie noch vor Kurzem das Volksbegehren der Freien Wähler dazu abgelehnt haben", sagte Aiwanger. Der größte Unterschied zwischen Spaenles Vorschlag und dem der Freien Wähler sei, dass Spaenle erst ab der 8. Klasse den Unterrichtsstoff entzerren wolle, die Freien Wähler bereits ab der 7. Klasse. (dpa/BSZ)

 

 

 

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