Politik

Kartoffeln aus der Oberpfalz: So sieht der aktuelle Entwurf für das Regionalsiegel aus. (Foto: BSZ)

11.01.2013

Transparenz im Supermarkt

Ein neues Qualitätssiegel kennzeichnet ab Ende Januar Produkte aus der Region

Ein neuer Aufkleber ziert bald so manches Supermarktprodukt: das bayerische Regionalsiegel. Die Einführung ist für Ende Januar geplant. Und der Neue kommt nicht alleine, sondern in Verbindung mit dem weiß-blaueen Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“, das es schon seit zehn Jahren gibt. Und er trägt die Farben der Flagge der Region, aus der das jeweilige Produkt kommt.
Schon in seiner Regierungserklärung vom April 2012 kündigte Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) ein bayerisches Regionalsiegel an. Verbraucher sollen damit nachvollziehen können, aus welcher Region ihre Lebensmittel stammen. Üblicherweise ist derzeit der Ort der Verpackung oder Verarbeitung auf den Produkten im Supermarkt angegeben. „Das Siegel verleiht den Produkten aus unserer Region ein Gesicht“, sagt Brunner. Und: „Wir werden durch staatliche Kontrolle sicherstellen, dass es sich um echte Qualitätsprodukte aus der angegebenen Region handelt.“
Der neue Aufkleber erscheint nicht nur in Verbindung mit dem bereits etablierten Siegel „Geprüfte Qualität Bayern“ (GQ), er wird auch nach denselben Kriterien vom Landwirtschaftsministerium vergeben: Die Rohstoffe für das Produkt müssen aus der angegebenen Region kommen, beziehungsweise die Tiere dort gezüchtet  und das Fleisch dort verarbeitet worden sein. Fleisch bekommt also zum Beispiel nur dann das Siegel „GQ-Bayern – Franken“, wenn die Tiere in den fränkischen Regierungsbezirken geboren, aufgezogen, gemästet und geschlachtet werden.

Das erste Siegel für Käse aus den Ammergauer Alpen


Das GQ-Siegel gibt es schon seit zehn Jahren, knapp 30 000 Landwirte und Verarbeiter führen es, mehr als 400 Edeka-Märkte und etwa 200 Bäckereien bieten Produkte mit dem Siegel an. Wie beim GQ-Siegel müssen zunächst die Landwirte mit ausführlicher Dokumentation nachweisen, dass die Rohstoffe aus der Region kommen und dort verarbeitet werden. Regelmäßig kommt außerdem ein Prüfer einer Kontrollstelle, die bei der zentralen Deutschen Akkreditierungsstelle zugelassen sein muss, zum Beispiel von der landwirtschaftlichen Qualitätssicherung Bayern. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft überprüft außerdem sporadisch sowohl die Betriebe wie auch die Kontrollstellen. Jene Betriebe, die bereits das „Geprüfte Qualität Bayern“-Siegel bekommen haben, müssen für das Regionalsiegel keine 50 Euro bezahlen. Wer sich ganz neu um das Siegel bewirbt, muss zusätzlich zur Bearbeitungsgebühr in die Kontrollen und die Dokumentation investieren.
Das erste bayerische Regionalsiegel darf die Schaukäserei Ettal benutzen, deren Produkte schon seit Jahren den Aufkleber „GQ Bayern“ tragen. Auf dem Etikett der Genossenschaft steht in ein paar Wochen der Zusatz „Ammergauer Alpen“. Denn die Milch stammt von Kühen aus den Ammergauer Alpen und wird in der Region zu Käse verarbeitet.
Mit der Einführung des Regionalsiegels glaubt Brunner die Wünsche der Verbraucher zu erfüllen. Denn gemäß einer im Auftrag des Bundesverbraucherministeriums durchgeführten Emnid-Umfrage achtet die Hälfte aller Verbraucher beim Einkauf auf Lebensmittel aus der Region. 79 Prozent der befragten Verbraucher sind demnach sogar bereit, mehr Geld für regionale Lebensmittel auszugeben. Und etwa genau so viele klagen, dass sie bisher beim Einkauf nicht genau nachvollziehen können, welche Produkte tatsächlich aus der Region kommen.
Die Biobranche findet das neue Gütesiegel gut. Konkurrenz macht der neue Aufkleber Bio-Siegeln  nicht, denn er steht nicht für biologische oder besonders umweltfreundliche Lebensmittel. Wie auch bei der Vergabe des GQ-Bayern-Aufklebers gelten die in Deutschland üblichen Richtlinien für Landwirtschaft und Verarbeitung. Nur wenige Kriterien sind strenger, als es das Gesetz verlangt. So dürfen Landwirte, die das Siegel führen, zum Beispiel Klärschlamm nicht als Dünger verwenden. Der Verband Bioland hofft nun, dass Hersteller von Lebensmitteln das Siegel in Verbindung mit Biosiegeln nutzen, um Verbrauchern regionale Bioqualität zu bieten.


Grüne kritisieren die Kriterien als zu lasch


Das bayerische Regionalsiegel ist bisher das einzige seiner Art, das in Deutschland vergeben wird. Zwar kündigte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) vor einem Jahr an, ein regionales Gütesiegel auf Bundesebene einzuführen. Doch bisher sind ihren Worten keine Taten gefolgt. Auf europäischer Ebene gibt es bereits seit Jahren die Regionalsiegel „geschützte Herkunftsangabe“ und „geschützte Ursprungskennzeichnung“.
 Freie Wähler und SPD freuen sich über das bayerische Regionalsiegel, da sie damit Forderungen der Verbraucher erfüllt sehen. Die SPD fürchtet allerdings, dass der Mehrwert, den das Regionalsiegel schafft, nur dem Handel zufällt. Sie fordert, dass auch die Landwirte davon profitieren, wenn ein Produkt mit dem Siegel teurer verkauft wird. Die Grünen üben indes harte Kritik: „Dieses Regionalsiegel ist aus Sicht der Bauern das Faltblatt nicht wert, auf dem es angepriesen wird“, erklärt die verbraucherschutzpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Anne Franke. „Weder wurde im Zuge der Etablierung des Siegels die von uns seit Langem geforderte Garantie für Gentechnikfreiheit in das Siegel aufgenommen, noch wurden Landwirte bei der Erarbeitung der Siegelkriterien mit einbezogen.“ Es fehlten Auflagen und Angaben zu artgerechter Tierhaltung. Viele Verbraucher legten schließlich auch großen Wert auf Tierschutz.
Franke hielte es für ausreichend, würden die vorhandenen europäischen Siegel besser genutzt. Die Grünen wollen außerdem, dass die Landwirtschaftsämter die Direktvermarktung in Dorf-, Hof- und Regionalläden stärker unterstützen. „Damit gute, frische Produkte  möglichst ohne große Umwege zu den Kunden gelangen und so die Wertschöpfung der bayerischen Bauern wieder steigt“, so  Franke. Denn noch vor 50 Jahren kamen 75 Prozent aller Produkte aus der Region. Heute sind es nur noch fünf Prozent. (Veronica Frenzel)

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