Politik

05.07.2013

Traurige Heldengeschichte

Ein Kommentar von Tobias Lill

Edward Snowden ist ein Held. Wer gerne E-Mails schreibt, ohne dass der große Bruder in Übersee mitliest, muss ihm dankbar sein. In Zukunft wird mancher Internetnutzer hierzulande wohl genau darauf achten, wie er seine digitalen Nachrichten bestmöglich verschlüsseln kann. Und auch für manchen Unternehmer könnten die Enthüllungen des Dissidenten ein Weckruf sein. Denn Snowden brachte Erschreckendes ans Licht: Täglich speichert der US-Geheimdienst NSA die Verbindungsdaten von bis zu 20 Millionen Telefonaten und etwa zehn Millionen Internetdatensätze aus Deutschland. Besonders aktiv sind die Schnüffler dabei in Süddeutschland. Experten gehen davon aus, dass die NSA gezielt Konkurrenten amerikanischer Konzerne ins Visier nimmt.
Doch die Abwehrmaßnahmen vieler deutscher Firmen gegen Hacker- und Lauschangriffe sind noch immer mangelhaft. Mindestens ein Fünftel aller Mittelständler wurde einer Studie zufolge schon einmal Opfer von Industriespionage. Dabei leben gerade exportorientierte Unternehmen, von denen es in Bayern besonders viele gibt, davon, dass teure Innovationen nicht einfach anderenorts auf der Welt zum Nulltarif kopiert werden.

Ausgerechnet Diktaturen sollen Snowden nun schützen


Um Bayerns Wirtschaft besser vor Spähattacken zu schützen, hat der Freistaat nun ein „Cyber-Allianz-Zentrum“ ins Leben gerufen. Die Bundesregierung ist dagegen noch immer nicht aus ihrem Tiefschlaf in Sachen Datenschutz erwacht. Die Reaktionen auf die US-Attacke fallen so schwach aus, dass nicht nur die Opposition mutmaßt, Berlin sei selbst in den Skandal verwickelt. Ein klares Zeichen in Richtung Washington, wie das Aussetzen der Verhandlungen über eine Freihandelszone, blieb bislang aus. Dabei bezeichnet die NSA Deutschland explizit als „Angriffsziel“. Doch wie dankt unser Land dem Mann, der die US-Attacke öffentlich gemacht hat? Snowdens Asylgesuch wird im Eiltempo abgelehnt. Dabei wäre es aus übergeordnetem nationalen Interesse juristisch durchaus möglich, ihm ein Bleiberecht zu gewähren. Nun muss Snowden, dem in den USA die Todesstrafe droht, in Diktaturen wie China um Asyl betteln. Ein trauriges Ende einer Heldengeschichte.

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