Politik

13.03.2015

Umzug ins Funkloch

Ein Kommentar von André Paul

Dank Internet und E-Mail ist es heute egal, ob in einem Amt zwei Kollegen Tür an Tür sitzen oder mehrere hundert Kilometer voneinander entfernt, sagt Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder. Und rechtfertigt so die von ihm geplante Behördenverlagerung in den ländlichen Raum.
Das klingt einleuchtend – und stimmt doch nur in der Theorie. Denn das setzt voraus, dass man Computer vorzugsweise im Umkreis der Metropolen München oder Nürnberg benutzt, also dort, wo das schnelle Internet in der Regel funktioniert. Doch große Teile Bayerns, gerade im Norden und Osten, sind noch weit davon entfernt, digitale Autobahnen anzubieten. Dort surft man häufig noch gemächlich im Landstraßentempo mittels Kupfer- statt Glasfaserkabel. Und auch LTE für mobiles Internet deckt derzeit bestenfalls zwei Drittel des Freistaats ab.

Wie soll man bitteschön riesige Datenmengen übermitteln via alter Kupfer-Leitung?


Wer schon einmal hochauflösende Fotos gemailt hat, weiß: Gerade in den Nachmittagsstunden, wenn viele Mitbürger im Ort ebenfalls surfen, braucht es dafür eine Menge Geduld. Unterwegs wiederum stören häufig Funklöcher den Empfang. Am besten schickt man jedes Foto einzeln.
Wie mühsam muss da also erst die Übermittlung von riesigen Landkarten sein, die ein Vielfaches der Rechenleistung eines normalen Fotos benötigen? Doch genau das ist die Aufgabe der mit immerhin 60 Beschäftigten nach Windischeschenbach im Landkreis Neustadt a. d. Waldnaab verlagerten Abteilung digitale Landkarten des Landesamtes für Digitalisierung. Sportlich werden dürfte das Streamen von tausenden Aktenseiten auch für die 100 Beschäftigten des Landesamtes für Steuern, die sich demnächst in Zwiesel im Bayerischen Wald wiederfinden werden.
Zwar hat Markus Söder als auch für die Digitalisierung zuständiger Minister eine Mindestgeschwindigkeit von 50 Mbit/s bis zum Ende des Jahrzehnts in allen Regionen des Freistaats versprochen. Doch ist fraglich, ob diese Rechenkapazitäten langfristig reichen werden. Verwaltungsexperten halten auf längere Sicht mindestens 100 Mbit/s, besser sogar 200 Mbit/s für erforderlich. Schließlich wollen Kollegen, die künftig nicht mehr Tür an Tür sitzen, einander nicht nur Daten senden, sondern auch mal miteinander skypen.

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Kommentare (1)

  1. Stefan am 15.03.2015
    Ich kann den Kommentar von Herrn Paul nicht nachvollziehen!

    Ich bin Inhaber einer mittelständischen Schreinerei im Herzen des Bayerischen Waldes.
    Wir haben Kunden in ganz Europa, mit denen wir schnell und zuverlässig kommunizieren müssen, und auch große Datenmengen wie Pläne und Fotos übermitteln.

    Wir sind zu einem regionalen Anbieter gewechselt und haben einen 100Mbit/s Anschluß - trotz alter Kupferkabel - aber mit anderer Technik als von der Telekom verwendet.
    Auf Wunsch könnten wir sogar 200Mbit/s erwerben (Kostenfrage).

    Ich weiß aus Kundengesprächen, dass diese Geschwindigkeit selbst in Ballungszentren (z.B. München und Nürnberg) nur in Ausnahmefällen erreicht wird.

    Ich würde Sie bitten, sich vorab zu Informieren und gerade die Regionen Bayerischer und Oberpfälzer Wald nicht immer sofort abwertend zu behandeln.
    Diese sind nämlich teilweise innovatiever und leistungsfähiger als manches Ballungzentrum.

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