Politik

10.06.2011

Unnötige Turbulenzen ums G8

Ein Kommentar von Anke Sauter

Das G8 – ein Mammutprojekt, in dem von Anfang an der Wurm war. Per Handstreich eingeführt, ging es ohne ausgereiftes Konzept an den Start. Kein Wunder, dass das achtstufige Gymnasium nur wenige echte Fans hat. Und nun findet auch noch der Abschluss des ersten G8-Abijahrgangs unter heftigem politischen Streit statt. Weil Kultusminister Spaenle die Vorgaben für ein bestandenes G8-Abi nachträglich änderte und so dazu beitrug, dass weniger Schüler durchs Abi rasselten, erregten sich sowohl Opposition als auch Lehrerverbände heftigst.
Doch abgesehen davon, dass den Lehrern nun etliche mündliche Nachprüfungen erspart bleiben, ist Spaenles Gnadenakt vor allem ein Lichtblick für die Schüler. Deren von allerlei Turbulenzen geprägte G8-Zeit endet nun eben nicht mit einem Scheitern, auch wenn ihr Notenschnitt durch die Änderung nicht besser wird – die ministerielle Weisung betraf nur die Zahl der so genannten Grundlagenfächer, in denen eine Mindestpunktzahl erreicht werden musste.

Vermurkste Einführung

Insgesamt sind die Noten im G8 keineswegs schlechter als im G9. Im Gegenteil: Deutlich mehr Schüler gehen mit einem Einserschnitt aus der Abiprüfung. Auch dies hat schon zu Verwerfungen geführt: Trotz Verdoppelung stehen offenbar nicht genügend Plätze im Hochbegabtenförderprogramm zur Verfügung. Die größere Spreizung bei den Ergebnissen liegt wohl an der neuen Gewichtung der Noten: Mündliches und Schriftliches zählen nun 1:1.
Jetzt einmal mehr über die vermurkste Einführung des G8 zu klagen, hilft den Schülern indes wenig. Natürlich fragt man sich, warum die Hürden nicht gleich tiefer gehängt wurden – was rechtlich durchaus möglich gewesen wäre. Und natürlich wirkt die kurzfristige Änderung ungeschickt und dilettantisch. Diese nun aber als „Skandal“ und „Manipulation“ zu bezeichnen, ist übertrieben.
Das Vertrauen in die bayerische Schulpolitik wird durch derartige Schnellschüsse jedenfalls nicht gestärkt. Besser wäre es, wenn die Politik ihre Versprechen wahr machen würde – indem sie etwa ausreichend Mittel und Personal für kleinere Klassen zur Verfügung stellt. Damit auch im G8 möglichst viele Schüler mitkommen und nicht nachträglich an der Bewertung herumgeschraubt werden muss.

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