Politik

Das Leben auf dem Land kann idyllisch sein - doch für Ältere ist es nicht immer praktisch. (Foto: dpa)

24.03.2016

Unser Dorf soll digitaler werden

Ein neues Projekt will ab 2017 die Nachteile der Landbevölkerung durch vernetzte Internetangebote ausgleichen

Diane Ahrens von der Technischen Hochschule Deggendorf (THD) kennt das Problem: Seit ihrem Umzug von München in den Landkreis Passau sind die Wege zum Arzt, Supermarkt oder Arbeitgeber deutlich länger geworden. Um einerseits das Dorfsterben zu bremsen und andererseits der immer älter werdenden Landbevölkerung gerecht zu werden, entwickelte die Professorin ein Digitalisierungskonzept für den ländlichen Raum. Letzte Woche wurde es vom bayerischen Kabinett beschlossen.

Zentraler Anlaufpunkt in den so genannten E-Dörfern soll ein Gemeindehaus werden, in dem verschiedene digitale Services angeboten werden. „Als mögliche konkrete Anwendung ist zum Beispiel das E-Learning denkbar“, erklärt Ahrens der Staatszeitung. Dabei erhalten Kinder Hausaufgabenhilfe per Videochat. Beim E-Living ist angedacht, in die Wohnstuben von Senioren Sensoren einzubauen, die bei einem Sturz Alarm schlagen. Da laut der Professorin vor allem bei der medizinischen Versorgung der Schuh drückt, sollen durch E-Care die Pflegedienste besser koordiniert werden und durch E-Medicine die Telemedizin auf dem Land Einzug halten.

Die Kosten: erst 10, dann 4 Millionen Euro - pro Kommune

Ein weiteres Problem im ländlichen Raum ist der eingeschränkte öffentliche Personennahverkehr. Durch E-Mobility sollen über ein digitales Schwarzes Brett leichter Fahrgemeinschaften gebildet werden können. Das gleiche Konzept steckt hinter E-Services: Senioren können dabei etwa ihre Einkaufsliste ins Internet stellen, die von anderen Dorfbewohnern bei deren Einkauf miterledigt wird. Und beim E-Working denkt Ahrens an ein gut ausgestattetes Großraumbüro, in dem Arbeitnehmer mehrerer Firmen in einer Art gemeinschaftlichem Home-Office arbeiten.

„Es ist höchste Zeit, dass wir die Chancen, die sich durch die Digitalisierung eröffnen, in all ihren Facetten in einem Dorf der Zukunft ressortübergreifend umsetzen“, sagt Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) der BSZ. Nachdem andere Bundesländer bereits ein ähnliches Konzept vorgelegt haben, will Bayern bereits nächstes Jahr mit der Realisierung des ersten Modelldorfs beginnen. „Die am besten geeigneten Ideen und Standorte werden wir im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens ermitteln und dann fördern“, ergänzt Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU). Die Kosten veranschlagt Brunner anfänglich auf zehn, später auf vier Millionen Euro pro Kommune.

Der Präsident der Akademie Ländlicher Raum, Holger Magel, nennt das Konzept „hochaktuell“: „So können partizipative Methoden und kommunalfreundliche Instrumente der Dorferneuerung und ländlichen Entwicklung mit den Ansätzen der regionalen Wirtschaftförderung und Digitalisierung verbunden werden.“
Der Vizechef der Enquete-Kommission „Gleichwertige Lebensverhältnisse in ganz Bayern“ im Landtag, Christoph Rabenstein (SPD), ist skeptischer: Zwar würden sich einige Gemeinden sicher freuen, wenn sie endlich das „schnelle Internet“ erleben dürften, spottet er. „Ein ,digitaler Arzt’ ist aber sicher nicht das elektronische Allheilmittel für das Ärztesterben auf dem Land.“ (David Lohmann)

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