Politik

07.12.2012

Vater Staat und Mutti Merkel

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Unbeliebt ist nur, was sie tut. Sie persönlich ist es ganz und gar nicht. Dasselbe Volk, das Angela Merkels Euro-Politik mehrheitlich verflucht, vertraut der Bundeskanzlerin. Die dazu nötige politische Artistik wäre schon Grund genug gewesen für ein fulminantes Abstimmungsergebnis auf dem CDU-Parteitag. Doch ist da außerdem die Energiewende, die blitzschnell durchgeführte Drehung um 180 Grad. Vorerst klappt es damit zwar nicht ganz, doch ficht das die Urheberin nur ein klein wenig an. Außerdem lobte sie in Hannover die Marktwirtschaft über den grünen Klee – ein weiterer Beweis ihrer Geschmeidigkeit, ist doch die geplante Energiewende Planwirtschaft in Reinkultur.
Angela Merkel unterschätzen wird fortan so schnell niemand mehr. Wer diesen Fehler früher beging, also auf die rhetorische Unschärfe, das ausdruckslose Gesicht oder die Fransenfrisur hereinfiel, wird jetzt geneigt sein, zur Buße besonders große Stücke auf die große Vorsitzende zu halten. In der CDU steht sie allein auf weiter Flur, denn die gesamte Eventualkonkurrenz ist von ihr rechtzeitig niedergemacht worden. Außerdem ist den meisten Deutschen die Welt viel zu kompliziert. Deshalb brauchen sie zwei verlässliche Größen: Vater Staat und Mutti Merkel. Diese ist eine begnadete Taktikerin, und dazu gehört nun einmal, dass sie so dreinschaut, als sei sie keine. Und wie vergesslich die Leute gottlob sind! Das sagt sie zwar nie, beherzigt es aber dauernd.

Männer, die wie Kätzchen schnurren


Seehofer und Dobrindt, zwei ihr unterlegene Männer, schnurren wie Kätzchen und bekennen sich dazu. Sie lernen sogar von der Meisterin, indem sie zum Beispiel beteuern, nie und nimmer werde es einen Schuldenschnitt mit Griechenland geben. Dabei gab es erst kürzlich einen (Volumen: etwa 100 Milliarden Euro). Der Trick ist, den zweiten Schnitt anders zu etikettieren, mit Zinssenkung, Zahlungsaufschub oder Forderungsverzicht. Verbal funktioniert der Schwindel auch bei der Haftungsunion, die glatt geleugnet wird, obwohl schon längst einige für alle haften. Und die Rettungsschirme sollten laut Merkel nur für eine Weile aufgespannt werden. Jetzt sind sie ewig.

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