Politik

Die Gefährte der bayerischen Nobelmarke bleiben begehrt. (Foto: dpa)

14.03.2014

Weiß-blaues Jobwunder

Bayerns Autobauer Audi und BMW schaffen neben vielen Zeitarbeitsjobs auch tausende reguläre Stellen

Es ist noch nicht lange her, da herrschte im Zuge der Finanzkrise in der bayerischen Autoindustrie die nackte Panik. Inzwischen hat sich das Rad gedreht: Statt Kurzarbeit und Jobkahlschlag prägen jetzt Jubelmeldungen das Bild der Branche. So verkaufte BMW im vergangenen Jahr weltweit knapp zwei Millionen Wagen. Dabei war bereits 2012 ein Rekordjahr. Als Folge stockte der Konzern nach Informationen der Staatszeitung auch seinen Personalstamm im Inland massiv auf. BMW-Sprecher Jochen Frey zufolge stieg die Zahl der fest angestellten Mitarbeiter des Unternehmens in Deutschland von gut 76 900 Ende 2012 auf 79 000 Ende vergangenen Jahres.

BMW hat nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr mehr als 4700 Mitarbeiter fest eingestellt. Zum Teil handelt es sich dabei laut Frey um durch die natürliche Fluktuation frei gewordene Stellen. Damit schuf BMW hier in einer Zeit, in der nicht wenige Industrieunternehmen Jobs vor allem im Ausland aufbauen, immerhin 2100 neue Arbeitsplätze. Bereits 2012 hatte der Premiumhersteller 3200 neue Stellen in Deutschland geschaffen – viele davon in Bayern. Hinzu kamen in beiden Jahren noch tausende Leiharbeiterstellen.

Von den etwa 4700 Menschen, die der Autobauer im vergangenen Jahr fest angestellt hat, waren dem BMW-Sprecher zufolge mit etwa 1700 mehr als ein Drittel zuvor bei BMW als Leiharbeiter beschäftigt. Doch trotz dieser Übernahmen tut sich der Konzern weiterhin schwer, die Zahl der Zeitarbeiter wie angepeilt zu reduzieren (die BSZ berichtete): Allein an den vier größten BMW-Standorten, München, Dingolfing, Leipzig und Regensburg (samt seines Wackersdorfer Ablegers) waren Arbeitnehmervertretern zufolge zuletzt insgesamt etwa 15 000 Leiharbeiter beschäftigt. Im Berliner Werk sind laut örtlichem Betriebsrat beinahe drei von zehn der fast 2600 Mitarbeiter Zeitarbeitskräfte. Hinzu kommen noch Leiharbeiter in den Werken in Landshut und Eisenach sowie den Niederlassungen des Konzerns.

Der Fahrzeugbauer selbst ließ eine Anfrage der Staatszeitung zur Gesamtzahl seiner Leiharbeiter unbeantwortet. Noch im Herbst 2012 hatte die IG Metall die Zahl der bundesweit tätigen BMW-Leiharbeiter mit 11 000 bis 12 000 angegeben. Ihnen standen Ende vergangenen Jahres nach BMW-Angaben deutschlandweit etwas mehr als 75 000 Festangestellte sowie knapp 3800 Auszubildende gegenüber. Die Leiharbeitsquote dürfte demnach bei mindestens 16 Prozent liegen.

Audi hat die Nase vorn

Der Konzern hat auf Drängen des Gesamtbetriebsrats und der IG Metall in einer Vereinbarung 2012 erklärt, die Quote 2015 im Jahresdurchschnitt auf 8 Prozent zu senken. Bei einer wirtschaftlichen Notwendigkeit gilt eine Grenze von 12 Prozent.

Der BMW-Gesamtbetriebsrat (GBR) verhandelt deshalb gerade intensiv mit dem Unternehmen. Es gehe darum, die Zielwerte der Betriebsvereinbarung zum vereinbarten Zeitpunkt bis 2015 umzusetzen, sagt GBR-Vorsitzender Manfred Schoch: „Es darf keine Zweiklassengesellschaft in den Betrieben entstehen, das gilt auch für Werkverträge.“ Schoch findet aber auch lobende Worte für die Unternehmensspitze: Kein DAX-Unternehmen habe 2013 mehr ehemalige Leiharbeiter fest angestellt als BMW.

Ein gutes Stück weiter beim Abbau der Leiharbeit ist allerdings der Ingolstädter Konkurrent Audi. „An den beiden deutschen Audi Standorten sind derzeit weniger als 5 Prozent der Gesamtbelegschaft in Zeitarbeitsverhältnissen beschäftigt“, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Schnellhardt der Staatszeitung. Zum Vergleich: Bei Daimler gilt derzeit eine maximale Leiharbeitsquote von 8 Prozent.

Autobauer fahren Traumgewinne ein

 

Die Zahl der Festangestellten bei den Ingolstädtern wuchs der Sprecherin zufolge 2013 um mehr als 2400. Mit 52 563 Mitarbeitern in Deutschland war die Belegschaft des Ingolstädter Konzerns Ende Dezember so groß wie nie zuvor. Hierzulande hat das Unternehmen im vergangenen Jahr fast 3100 Menschen eingestellt, gut 1300 davon, also rund 42 Prozent, waren zuvor Leiharbeiter. Audi wolle den Anteil der Leiharbeiter weiter senken, sagt Schnellhardt. So sei für dieses Jahr die Übernahme von 750 Fachkräften aus Zeitarbeitsverhältnissen in die Stammbelegschaft geplant. Neue Jobs entstanden vor allem für Fachkräfte, etwa im Leichtbau oder der Elektromobilität. Die Mitarbeiterzahl des Ingolstädter Luxuswagenherstellers war bereits 2012 um knapp 2200 angewachsen.

Von den Gewinnen, die die beiden großen bayerischen Fahrzeugbauer zuletzt eingefahren haben, können viele Mittelständler nur träumen. Bei 10,1 Prozent lag die Umsatzrendite bei Audi im vergangenen Jahr. „2013 war ein außergewöhnliches Jahr und wir bleiben auch 2014 auf Erfolgskurs“, kommentiert Audi-Boss Rupert Stadler die Entwicklung. Vier Milliarden Euro nach Steuern verdiente der Konzern. 2012 war der Gewinn sogar noch etwas höher ausgefallen. Dabei verkaufte Audi 2013 rund 1,57 Millionen Autos, gut 8 Prozent mehr als 2012 und mehr als je zuvor in der Firmengeschichte. Allerdings investierte der Konzern etwa 3,6 Milliarden Euro sofort wieder, etwa in den Ausbau der Produktion, weshalb der Gewinn minimal schrumpfte.

Audi möchte bis 2020 an BMW vorbeiziehen und die Nummer eins unter den Luxuswagenherstellern werden. „Der Wettbewerb im Premiumbereich ist intensiver denn je“, sagt Stadler. Bisher liegt im Dreikampf der Unternehmen BMW vorn. Die Münchner stellen am kommenden Dienstag ihre Bilanz vor. Die Münchner machten im vergangenen Jahr 5,3 Milliarden Euro Gewinn – ein neuer Rekord. 2014 peilt Konzernchef Norbert Reithofer einen neuen Absatzrekord an.

Von den Rekordergebnissen profitiert bei Audi und BMW auch die Stammbelegschaft, etwa dank Gewinnbeteiligungen. Leer ausgehen werden in diesem Jahr dagegen wohl wieder die Leiharbeiter sowie tausende Werkverträgler. (Tobias Lill)

 

 

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