Politik

23.11.2012

Wenig Gegenliebe

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Wäre Barack Obama nicht von den Amerikanern, sondern von den Deutschen gewählt worden, hätte er nicht nur eindeutig, sondern auch haushoch gewonnen. Hierzu ein Umfrageergebnis aus der Bundesrepublik: 92 Prozent. Obwohl das eine rein hypothetische Willensbekundung war, darf Horst Seehofer vor Neid erblassen. Ebenso Angela Merkel, die den im Amt bestätigten Kollegen schon nach Berlin einlud, als in Florida noch Stimmen gezählt wurden. Vor der Bundestagswahl bedarf die Kanzlerin der Unterstützung durch einen Sympathieträger.
Für den deutschen Geschmack ist Obama herrlich idealistisch. Vor vier Jahren, als er an der Berliner Siegessäule amerikanischen Wahlkampf machte, verkündete er einem jauchzenden Publikum, er werde auf dem Erdenrund allen Feinden und Quertreibern die Hand entgegenstrecken und somit den Weltfrieden heraufbeschwören. Dieser lässt zwar noch auf sich warten, doch für die wunderschönen Absichten danken die meisten Deutschen dem US-Präsidenten nach wie vor. Es stört sie nicht einmal, dass ihre politische Liebe kaum auf Gegenliebe stößt.

Kein Wort über Deutschland


Als gewählter Chef einer Weltmacht war Obama noch nie in Berlin. Selbst als er das einstige Konzentrationslager Buchenwald mit seiner Anwesenheit beehrte, schien ihm ein Abstecher zur deutschen Regierung nicht der Mühe wert. Dabei waren die deutsch-amerikanischen Beziehungen früher einmal sehr gut bis herzlich. Doch in Obamas außenpolitischen Erwägungen kommt Deutschland selten vor. In den TV-Duellen mit Romney fiel über das Kernland Europas kein Wort.
Dafür kümmerte sich um unsere Regierung all die Jahre hindurch Timothy Geithner. Der war hier weithin unbekannt, aber trotzdem Obamas Finanzminister. Stets fand er, für Europa zahle Deutschland viel zu wenig. Jetzt soll Geithner abgelöst werden, doch wird auch sein Nachfolger der Meinung sein, zum Wohl der Welt und nicht zuletzt Amerikas sei noch mancher deutsche Euro überfällig. Und Auslandseinsätze der Bundeswehr sehen die Amerikaner viel lieber als die ewigen Hilfsaktionen der eigenen Boys. Es ist bemerkenswert, dass viele Deutsche eine bestimmte US-Politik verabscheuen, jedoch denjenigen bewundern, der sie betreibt.

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