Politik

26.09.2014

Wer zahlt, schafft nicht an

Ein Kommentar von Roswin Finkenzeller

Das wäre ein Thema, genau das richtige für die größte politische Jugendorganisation in Deutschland: das Alter. Die Gesellschaft wird älter, damit auch kränker, doch wer die einschlägigen Rechnungen bezahlen soll, sind die jüngeren Generationen. Auch die Junge Union hat sich angewöhnt, um den heißen Brei herumzureden, seit ihr früherer Vorsitzender Mißfelder mit dem Vorschlag, alte Leute sollten für ihre neuen Hüftgelenke gefälligst selber aufkommen, allseits unangenehm aufgefallen war. Obwohl es zehn Jahre her ist, dass die Bemerkung fiel, wurde sie jetzt noch dem jungen Volk unter die Nase gerieben – von der Mutterparteivorsitzenden Merkel auf dem JU-Kongress in Inzell.

Merkels Antenne für Verdrängungsprozesse


Dabei hatte niemand anderer als die Kanzlerin, ebenfalls vor sehr vielen Jahren, die Renten und alles, was damit zusammenhängt, zu ihrem Hauptbetätigungsfeld auserkoren. Doch mit ihrer Antenne für Verdrängungsprozesse in der Bevölkerung verdrängte auch sie das Thema, dessen Aktualität in der Zukunft liegt, wenn auch in einer beklemmend nahen. Die Deutschen träumen derweil von einer Lösung des Problems durch qualifizierte Einwanderer, durch Neubürger vom Schlag Paul Ziemiaks. Der ist gebürtiger Pole und verfügt nicht nur über den deutschen Wortschatz, sondern auch über den deutschen Tonfall und Parteitagsjargon. In Inzell wählte ihn die Junge Union zu ihrem neuen Vorsitzenden, nachdem er in freier Rede zur Pflege einer „klaren Sprache“ aufgerufen hatte. Das heißt: zu einer klareren als der in der Union üblichen.
Doch seltsamerweise fand für das, was in der deutschen Beschwichtigungsrhetorik „demographischer Wandel“ heißt, die klarsten Worte ein Veteran der CSU. In der Demokratie, dozierte Edmund Stoiber als Gast, entscheide die Mehrheit, weshalb fortan die Älteren stets mehr zu sagen hätten als die Jüngeren. Das war brutal, wenn nicht ätzend, verdeutlichte aber die doppelte Misere des Nachwuchses: Er wird alles bezahlen müssen und dauernd in Gefahr sein, überstimmt zu werden. „Gratulation, junger Freund, du hast eine schwere Aufgabe“, ließe sich zu Ziemiak sagen, vorausgesetzt natürlich, dass er demnächst aufgreift, was er bisher nur diplomatisch berührt hat.

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Kommentare (1)

  1. gauni2002 am 28.09.2014
    In der Politik ist es doch Gang und Gäbe, alte Probleme wegen schierer Unlösbarkeit zu verdrängen, weil man immer neue Probleme schafft, die es erst zu festigen gilt.
    Nur leider kommen wir mit der derzeitigen Schnapsideenpolitik nicht weiter, weil eine Vernunftspolitik nicht nur an den finanziellen Mitteln scheitern würde, sondern auch am ideologischen selbstzerstörerischen Wahnsinn, welches sich heutzutage politische Korrekktness nennt.
    Das pielt es auch keine Rolle, ob die Seehoferpartei oder die Opposition an der Macht sind, die derzeitige Politik entfernt sich imner mehr von der Realität, dass man schon den Tellerrand mit einer mauer umgab, damit niemand darpber schauen darf.
    Von einer geistigen Horizonterweiterung der Politiker will ich lieber schweigen, denn mir rosaroten Brillen und Scheuklappen haben diese sich selber in die geistige Umnachtung gestürzt.
    Greetings Uwe Ostertag Ochesnfurt

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