Politik

05.09.2015

"Willkommen in München!"

Sehnsuchtsort München: Am Samstagnachmittag nimmt für Hunderte Flüchtlinge eine endlos scheinende Irrfahrt ihr glückliches Ende. Und sie werden freundlich empfangen

"Ladies and Gentlemen, we welcome you in Munich": Die Willkommens-Ansage in holprigem Englisch ist das erste, was die rund 250 Flüchtlinge hören, als sie am Samstagmittag deutschen Boden betreten. Kurz zuvor war der Sonderzug aus Salzburg auf Gleis 27 des Münchner Hauptbahnhofs eingefahren. Die Flüchtlinge, hauptsächlich aus Syrien, Pakistan und Afghanistan, waren zuvor tagelang am Budapester Ostbahnhof festgehalten worden. Nun gehören sie zu den ersten, die Deutschland erreichen. Viele von ihnen strahlen über das ganze Gesicht, als sie aus dem Zug aussteigen.

Von Ungarn aus waren sie über Österreich nach Deutschland gekommen. Im schönen Salzburg, wo der Zug zuletzt Halt machte, wollte niemand von ihnen aussteigen. Ihr Sehnsuchtsort ist an diesem frühherbstlichen Samstag die bayerische Landeshauptstadt. Mit weiteren Zügen kommen im Laufe des Tages mehr und mehr Flüchtlinge in München an. Die Regierung von Oberbayern rechnet mit insgesamt bis zu 7000 - an nur einem Tag. Nicht alle werden unbedingt am Hauptbahnhof ankommen, sondern gleich auf Einrichtungen verteilt, unter anderem auch in anderen Bundesländern.

Ehemalige Bahn-Lagerhalle dient als Verteilungs-Drehscheibe

Direkt auf dem gegenüber von Gleis 27 hat die S-Bahn München einen Sonderzug bereitgestellt. Mit diesem werden die Neuankömmlinge zum S-Bahnhof Donnersbergerbrücke in der westlichen Münchner Innenstadtgebracht. Dort hat die Regierung von Oberbayern eine ehemalige Bahn-Lagerhalle zur provisorischen Verteilungs-Drehscheibe umgerüstet. Die Flüchtlinge werden dort medizinisch untersucht und mit Essen und Trinken versorgt, bevor sie mit Bussen weiterfahren.Unter anderem hatte die Regierung auch kurzfristig zwei Hallen der Münchner Messe zu Notunterkünften gemacht.

Die Stimmung am Münchner Hauptbahnhof ist konzentriert und ruhig. Einsatzkräfte von Polizei, Katastrophenschutz und Deutscher Bahn kooperieren mit zahlreichen ehrenamtlichen Helfern. Die Stimmung unter den Ehrenamtlichen sei "elektrisiert", sagt Colin Turner. Der 35-Jährige in der orangefarbenen Warnweste ist so etwas wie der provisorische Pressesprecher der Helfer. "Wir haben Kapazitäten, ihnen zu helfen und freuen uns, jetzt loslegen zu können", sagt er.

Ehrenamtliche und bis zu hundert weitere Münchner sind gekommen, um zu helfen

Zusätzlich zu den Ehrenamtlichen stehen zeitweise bis zu hundert Münchner Bürger an der Absperrung zu dem Teil des Bahnhofs, in dem die Flüchtlinge betreut werden. Studenten sind ebenso darunter wie Rentner. Viele von ihnen haben Sachspenden dabei oder tragen sich in Listen ein, um freiwillig zu helfen. Der Andrang ist zeitweise so groß, dass die Ehrenamtlichen Sachspenden zurückweisen müssen. "Meine Eltern waren selber Flüchtlinge nach dem Krieg", sagt Waltraud Vogler. Die 63-Jährige hatte Kleidung und Süßigkeiten zusammengepackt und war zum Bahnhof gekommen. Jetzt, wo nicht jede Spende angenommen werden kann, sei sie "fast enttäuscht, dass so viele Leute helfenwollen".

München wird mehr und mehr zur ersten Anlaufstelle für Flüchtlinge in ganz Deutschland. In der bayerischen Landeshauptstadt wurden am Samstag bis zu 7000 Asylbewerber erwartet, die auf ihrer Flucht in Ungarn festsaßen und nun weiterreisen durften. (Bastian Benrath, dpa)

Foto: Die Freude, es nach München geschafft zu haben, steht diesen Flüchtlingen ins Gesicht geschrieben; dpa

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Kommentare (2)

  1. Alexander am 06.09.2015
    Naja, die Frau Merkel wird wohl für die Kosten aufkommen!
    Nach meiner Rechnung, werden es innerhalb des nächsten
    Jahres über 1,5 Millionen Asybewerber.
    Das sind die Schattenseiten der Willkommenskultur!
    Für mich ist die CDU/CSU als Partei gestorben.
    Es kann nicht angehen, dass sich Deutschland erpressen
    lässt und alle Asylbewerber aus Syrien aufnimmt, wo
    bleibt hier der Europäische Gedanke.
    Ich denke mal diese Blase wird bald platzen und
    Deutschland wird zum Dexit Nr.1 oder der Bürger (Pack, Wähler)
    geht wieder auf die Straße.
    Der Sozialstaat, ist für einen solchen Massenanstrum
    nicht vorgesehen und der Wähler ist damit nicht einverstanden.
    Auch wenn bekundet wird, dass es zu keiner Steuereröhung kommt,
    dann bleibt halt die Mautrückvergütung bei der KFZ Steuer.
    Ganz so dumm sind die Wähler nicht.
  2. Bernd am 07.09.2015
    """Ehrenamtliche und bis zu hundert weitere Münchner sind gekommen, um zu helfen""""

    Jeder Ehrenamtliche bekommt ab nächster Woche eine Familie zugewiesen, die darf
    er dann bei sich zu Hause aufnehmen!
    Wohnungen auf dem Wohnungsmark sind so gut wie nicht vorhanden!!!

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