Politik

Die Garmischer Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer im Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen mit den Organisatoren York Runte (l.) und Wuck Linhardt. (Foto: dpa)

08.06.2015

"Wir erwarten einen Marketingerfolg"

Nicht eine kaputte Scheibe - Garmisch-Partenkirchen habe vom G7-Gipfel profitiert, glaubt Bürgermeisterin Meierhofer

Die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen hat den G7-Gipfel auf Schloss Elmau als gelungene Tourismuswerbung beurteilt. Weil negative Bilder bisher ausblieben, glaubt Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer (SPD) daran, dass der Kurort langfristig von dem Großereignis profitieren wird. Im Interview verteidigt sie ihre Kehrtwende bei der Duldung des Protestcamps und im Umgang mit den Gipfelgegnern.

Frage: Welche Schäden verzeichnen Sie bisher in der Gemeinde?
Meierhofer: Es ist nur eine Zwischenbilanz. Demnach ging keine einzige Fensterscheibe zu Bruch. Bisher wurden lediglich zwei Schäden gemeldet - eine zertrampelte Wiese und ein zerstörter Aufsteller vor einem Geschäft.

Frage: Sie wollten das Protestcamp der Gipfelgegner in Ihrer Gemeinde erst nicht genehmigen. Nach der Niederlage vor Gericht gingen Sie auf Kuschelkurs zu den Demonstranten. Wieso die Kehrtwende?
Meierhofer: Die Erfahrungen waren, dass von derartigen Camps Gewalt ausgeht. Wir haben aber nach der Entscheidung des Verwaltungsgerichts die Flucht nach vorne angetreten. Ich habe den direkten Kontakt zum Bündnis "Stop G7 Elmau" gesucht und dem Pächter der Wiese persönlich gratuliert. Danach habe ich eine Vereinbarung mit dem Aktionsbündnis getroffen, an die sich die Gipfelgegner und die Polizei gehalten haben. Dafür bin ich beiden Seiten wirklich dankbar.

Frage: Wird der G7-Gipfel der Gemeinde langfristig etwas bringen?
Meierhofer: Das ist unsere Hoffnung. Wir erwarten uns schon einen Marketingerfolg. Ich habe immer gesagt: Wir wollen gute Gastgeber sein, übrigens auch für die friedlichen Demonstranten. Die Bilder, die bisher vom G7-Gipfel um die Welt gehen, stehen im Kontrast zu denen vom G8-Gipfel 2007 in Heiligendamm. Deshalb kann ich mir durchaus vorstellen, dass uns der Gipfel etwas bringen wird.

Frage: Wie besänftigen Sie den Einzelhandel, der über Umsatzeinbußen klagt?
Meierhofer: Ich hatte vor dem Gipfel versucht, alle Geschäftsleute davon zu überzeugen, ihre Läden offenzulassen. Das ist mir nicht gelungen. Oft war der Grund, die Läden zu schließen, dass von außerhalb kommende Mitarbeiter wegen der Verkehrsbeschränkungen nicht an ihren Arbeitsplatz kommen könnten. Es war aber trotzdem etwas los im Ort. Vom bayerischen Wirtschaftsministerium bekommt der Einzelhandel bis zu 60 000 Euro als Marketingmaßnahme. Wir sind im Gespräch, wie das Geld verteilt wird. Wahrscheinlich kümmert sich die Industrie- und Handelskammer darum.

Frage:
Und was ist mit den fehlenden Kurbeiträgen, weil die in den Hotels und Gästehäusern wohnenden Polizisten, Regierungsbeamten und Journalisten davon befreit sind?
Meierhofer: Wir haben die Zahlen auf dem Tisch. Ich bin zuversichtlich, dass der Freistaat Bayern den Ausfall in irgendeiner Form ausgleicht. (Interview: Paul Winterer, dpa)

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