Politik

06.03.2015

Wissen, was der Kollege verdient

Ein Kommentar von Ralph Schweinfurth

Gleicher Lohn für gleiche Leistung sollte eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. In Deutschland beträgt die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen 22 Prozent, in Bayern sogar 25 Prozent. Der europäische Durchschnitt liegt bei 16 Prozent. Insofern ist der Vorstoß von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD), per Gesetz mehr Lohntransparenz zu erreichen, durchaus erfreulich.
In den für viele Bereiche als Vorbild dienenden Ländern Norwegen und Schweden ist diese Transparenz längst Alltag. So hat Schweden 1980 über das Steuerrecht für maximale Transparenz gesorgt. Die Verantwortlichen wollten damit unter anderem das Bewusstsein für Ungerechtigkeiten schärfen. Das würde auch mit Schwesigs Gesetzesvorhaben erreicht. Denn dann gälte in den Firmen nicht mehr das Prinzip, dass derjenige mehr verdient, der am geschicktesten verhandelt. Sondern gleiche Entlohnung für gleiche Leistung wäre die Folge, wenn im Zuge neuer Transparenzregeln Einkommensschieflagen zumindest betriebsintern öffentlich würden. Das schmeckt aber Teilen der Wirtschaft gar nicht, da deren Gewinnspanne gerade durch ungleiche Entlohnung vergrößert wird.

Die Wirtschaft ist nicht begeistert  - ungleiche Löhne vergrößern deren Gewinnspanne


Doch nicht nur die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen wäre im Fall größerer Transparenz schwerer vermittelbar. Auch die seit 1991 immer stärker auseinanderklaffende Einkommenssituation in Deutschland würde stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken. Dass Spitzenverdiener immer mehr erhalten und der Rest mit stagnierenden oder leicht sinkenden Reallöhnen bei steigenden Lebenshaltungskosten klarkommen muss, wäre dann ein permanentes Thema. Dadurch könnte man zumindest wieder etwas mehr soziale Gerechtigkeit schaffen.
Im öffentlichen Dienst ist Lohntransparenz seit Jahren Normalzustand. Das sollte auch in der freien Wirtschaft zu schaffen sein – und zwar ohne allzu großen Bürokratiewahn.

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