Politik

15.10.2010

XXL-Lastwagen rollen bald durch den Freistaat

Bayern will die 25 Meter langen Gigaliner erlauben

In wenigen Wochen wird Heinrich Doll seine Lastwagen aufrüsten. Der Geschäftsführer des Garchinger Speditionsunternehmens LTG Doll und Präsident des Landesverbands bayerischer Spediteure (LBS) will aus normalen Lastern 25-Meter lange Fahrzeuge machen, so genannte Gigaliner. Im kommenden Jahr werden sie dann über die bayerischen Autobahnen rollen. Für Doll sind die langen Laster eine Riesenchance.
Das jedoch sehen nicht alle so. Nur sieben Bundesländer haben bei der Verkehrsministerkonferenz vergangene Woche beschlossen, im kommenden Jahr die so genannten Gigaliner probeweise fahren zu lassen. Acht Länder stimmten bei der Konferenz dagegen, Sachsen-Anhalt enthielt sich. Bayern gehört zu den Befürwortern der langen Lastwagen und deshalb sollen sie im Jahr 2011 hierzulande unterwegs sein. Doch auch in Bayern ist die Stimmung gespalten: Die Regierung ist dafür, die Opposition dagegen. Spediteure und CSU/ FDP sehen nur Vorteile. „Wir können Sprit sparen, denn zwei lange Lastwagen können die Waren laden, die normalerweise drei transportieren“, erklärt Unternehmer Doll.
Doll rechnet fest damit, dass die XXL-Laster bald zum deutschen Straßenbild gehören. Fünf seiner 90 Wagen wird er aufrüsten. Mehr sollen es nicht werden – auch dann nicht, wenn Lastwagen per Gesetz bis zu 25 Meter lang sein dürfen. „Die langen Laster kann ich nur einsetzen, wenn eine Ladung von einem Lager an der Autobahn zum nächsten gehen soll“, sagt er. Er rechnet deshalb damit, dass höchstens zehn Prozent aller Laster Gigaliner sein werden. „Nur etwa 50 von rund 500 Speditionen in unserem Verband sind überhaupt an den langen Lastern interessiert.“

"Keine Riesenlaster, die Geranien zerstören"


Die Gigaliner sollen laut Protokoll der Verkehrsministerkonferenz nur auf bestimmten Straßen fahren. „Es werden keine Riesen-Lastwagen in einen Kreisverkehr einfahren und Geranien zerstören“, sagt der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Andreas Scheuer. Und sie sollen nicht mehr als 40 Tonnen wiegen dürfen. Im Koalitionsvertrag hieß es hingegen noch, die Laster dürfen bis zu 60 Tonnen wiegen.
Die bayerische SPD bleibt dennoch ablehnend. „Die Laster sind immer noch viel zu lang, und ihre Überholmanöver brauchen sehr lang. Außerdem ist ihr Gewicht eine extreme Belastung für den Straßenbelag“, sagt Florian Pronold, Bayern-SPD-Vorsitzender und stellvertretender Fraktionsvorsitzender im Bundestag. „Brücken und Tunnels müssten an die neuen Lastwagen angepasst werden.“
Auch ADAC-Verkehrssprecher Andreas Hölzel warnt vor den langen LKW: „Es dauert noch länger, einen Gigaliner zu überholen als einen normalen Lastwagen.“ Das Bundesverkehrsministerium plant deshalb ein Überholverbot für die XXL-Laster.
Umweltschützer fürchten jedoch noch ganz andere Folgen: Die Maxilaster verringerten Anreize, den Warenverkehr weiter auf die Schiene zu verlegen, warnt Greenpeace.
(Veronica Frenzel)

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