Politik

Das Mahnmal erinnert an das Oktoberfest-Attentat von 1980, bei dem damals 13 Menschen getötet und 210 zum Teil schwer verletzt wurden. (Foto: dpa)

22.06.2015

Zweite Bombe bei Wiesn-Attentat?

Seit der Wiederaufnahme der Ermittlungen mehren sich die Hinweise: Das Oktoberfest-Attentat vor 35 Jahren war möglicherweise doch nicht die Tat eines Einzelnen

Beim Oktoberfest-Attentat von 1980 gab es möglicherweise einen zweiten Sprengsatz, der aber nicht richtig explodierte. Ein Mann, der von der Bombe in einem Papierkorb hinter ihm schwer verletzt wurde, berichtete in der "Süddeutschen Zeitung" (Montagausgabe) über eine Stichflamme, die knapp zehn Meter von ihm entfernt 80 Zentimeter hoch aus einem Gully geschlagen sei. Warum es eine Stichflamme gegeben haben soll, ohne dass die Bombe vollständig explodierte, blieb offen. Ein Rechtsextremer hatte bereits kurz nach dem Attentat von einer zweiten Bombe gesprochen, dies aber später dementiert. 

Opferanwalt Werner Dietrich bestätigte, der Zeuge, der sich nach einer Einzelkämpferausbildung bei der Bundeswehr und als Jäger mit Waffen und Sprengstoff auskennt, habe über seine Beobachtung sofort nach dem Attentat gesprochen. "Das hat er seiner Frau erzählt und er war auch gleich am Krankenbett vernommen worden." Die Vernehmung habe sich aber weder in den Haupt-noch in den Spurenakten befunden.

Gab es eine zweite Bombe, dann gab es wohl auch einen Mittäter 

"Die Frage ist: Gibt es eine weitere Sammlung von Unterlagen und Akten, die der Bundesanwaltschaft vorenthalten wurde?", sagte Dietrich. Denn im Zuge der neuen Ermittlungen sei der Mann im Mai vernommen worden - und dabei sei ihm die damalige Vernehmung vorgehalten worden. "Wo lagerte die bisher, wer hatte den Zugriff -und warum ist sie nicht in die Hauptakten eingegangen?"

Opfervertreter hatten den Ermittlern von damals Vertuschung vorgeworfen. Die Ermittlungen endeten einst mit dem Schluss, der Student Gundolf Köhler habe die Tat alleine und aus privatem Frust begangen. Sollte es eine zweite Bombe gegeben haben, würde das die Vermutung untermauern, dass es Mittäter gab. 

Bei dem Terroranschlag starben 13 Menschen, unter ihnen Köhler. Über 200 wurden verletzt. Immer wieder hatten Zeugen berichtet, dass Köhler vor der Tat nicht alleine gewesen sei. Vor gut einem halben Jahr hatte die Bundesanwaltschaft die Ermittlungen wieder aufgenommen - und spricht nun selbst vom schwersten rechtsextremistischen Attentat in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.

Von einer zweiten Bombe hatte kurz nach dem Anschlag auch ein Mitglied der rechtsgerichteten Wehrsportgruppe Hoffmann gesprochen. Der Mann erzählte einem Barmann in Damaskus von seiner Beteiligung an dem Attentat und einem weiteren Sprengsatz. Der Barmann war damals geschockt zur Deutschen Botschaft gegangen und hatte die Darstellung zu Protokoll gegeben. Der Rechtsradikale bestritt sie aber, als er dazu vernommen wurde. (dpa)

Foto: 13 Menschen starben bei dem Terroranschlag; dpa

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Kommentare (1)

  1. Rainer am 23.06.2015
    Möglicherweise war sogar die NSU beteiligt?

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