Politik

Peter Gauweiler: Der Unberechenbare. (Foto: Getty)

16.09.2011

Zwischen Euphorie und Entsetzen

CSU-Rebell Peter Gauweiler will Stellvertreter von Parteichef Horst Seehofer werden - die CSU reagiert gespalten

Das hatte sich Horst Seehofer vermutlich anders vorgestellt. Beim CSU-Parteitag Anfang Oktober gedachte er, mit formidablem Ergebnis im Amt bestätigt zu werden – gehuldigt von Parteifreunden, gehätschelt von der Presse. Und jetzt also das: Ein anderes CSU-Alphatier, der eigenwillige Charismatiker Peter Gauweiler, stiehlt dem Parteichef die Schau. Er will kandidieren. Als stellvertretender Vorsitzender. Obwohl Seehofer bereits wissen ließ, dass Verteidigungsstaatssekretär Christian Schmidt den Posten bekommen soll, der frei wird, weil Ingo Friedrich nicht mehr antritt. Gauweiler hatte es nicht der Mühe wert erachtet, seine Pläne vorab mit Seehofer zu erörtern. Vielmehr hatte er kühl abgewartet, bis der Parteichef sein Kandidatentableau im Vorstand präsentierte, um Seehofer Stunden später – schriftlich, per Boten – über seinen Plan zu informieren.
Die Neuigkeit katapultierte den schillernden Kandidaten sogleich ins Zentrum des medialen Interesses. Im Fokus wird er auch beim Parteitag stehen. Dass Gauweiler gewählt wird, bezweifelt ohnehin kaum ein CSUler.

Endlich mischt mal einer die CSU auf


Zu klären ist noch, wie die Wahl ablaufen soll. Üblicherweise werden die stellvertretenden Parteichefs in Einzelabstimmungen gekürt. In diesem Fall müsste Gauweiler sich entscheiden, gegen wen er antritt. Wegen der Frauenquote gelten Landtagspräsidentin Barbara Stamm und Justizministerin Beate Merk als gesetzt. Möglich wäre auch eine Sammelabstimmung. Dabei flöge der Kandidat mit dem schlechtesten Ergebnis raus: vermutlich Peter Ramsauer, der schon in der Vergangenheit nur mäßige Wahlergebnisse einfuhr. Ramsauer, sagt ein CSU-Vorständler, wäre mit der Blamage einer Abwahl in Berlin „praktisch geköpft“.
Während sich Seehofer müht, die Kandidatur Gauweilers als demokratische Normalität darzustellen, reagiert die Partei gespalten: Vor allem die Europapolitiker sind wenig begeistert von der Aussicht, den Euro-Skeptiker Gauweiler in eine führende Position zu hieven. Gauweiler, lautet die Klage, habe sich „nie einbinden lassen“, sei an Gremienarbeit nicht interessiert und zuvörderst auf die Pflege des eigenen Egos erpicht.
Dass ein Parteivize Gauweiler die CSU auf einen veränderten Europakurs einschwören würde, glaubt indes niemand. Dessen Positionen „sind in der CSU nicht mehrheitsfähig“, betonen Markus Ferber, Chef der CSU-Europagruppe in Brüssel, und die Vorsitzende des Europaausschusses im Landtag, Ursula Männle. Die Stammtische jedoch dürfte Gauweiler mit seinem Euro-Gepolter durchaus bedienen. Die Frage sei, sorgt sich ein erfahrener CSUler, „ob wir das als Europapartei aushalten“.
Doch es gibt auch andere Stimmen: Endlich, jubelt ein Landtagsinsider, mische mal jemand die CSU auf: „Unsere Partei schläft ja noch ein, wenn wir so weitermachen.“ Und noch etwas elektrisiert die Landtags-CSU: Ein Parteivize Gauweiler könne „disziplinierend“ auf den eigenwilligen Seehofer wirken, heißt es. Sehnsüchtig entsinnt man sich der Zeiten, da Karl-Theodor zu Guttenberg als Hoffnungsträger gehandelt wurde. „Da hat der Seehofer die Fraktion umgarnt“, stöhnt einer und hofft: Mit dem streitbaren Gauweiler im Vorstand wäre Seehofer wieder stärker bemüht, die Landtagfraktion zu einen und hinter sich zu bringen. Seehofer, spekulieren manche, „kann dann nämlich keine zweite Stress-Front brauchen“.
(Waltraud Taschner)

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