Reisen

Trotz aller Strapazen war das Naturerlebnis grandios. (Foto: Hettler)

12.07.2013

66 Kilometer auf Schusters Rappen

Das Wanderkultevent "24 Stunden von Bayern" - ein Erfahrungsbereicht

Heuer feierte das Wanderkultevent „24 Stunden von Bayern“ fünfjähriges Jubiläum – ins Leben gerufen von der Bayern Tourismus Marketing GmbH. Ausgangspunkt der diesjährigen „24 Stunden von Bayern“ war Füssen. Früher Schnittpunkt historischer Handelsrouten, ist Bayerns höchstgelegene Stadt unterhalb der Alpen heute Drehscheibe für einige der beliebtesten Fernwanderwege wie dem König-Ludwig-Weg, der Via Augusta und der Wanderroute Romantische Straße.
Auf rund 66 Kilometer beliefen sich in diesem Jahr die beiden Hauptstrecken, die Tagesroute „Alpenschlösser“ und die Nacht-strecke „Logenplätze“. Daneben gab es noch, für ganz flotte Wanderer, die acht Kilometer lange Vitalstrecke und die 13 Kilometer lange Fitnessrunde.
Um Punkt acht Uhr am Morgen gaben die Füssener Böllerschützen bei strömenden Regen den „Startschuss“ für die offiziell 444 Teilnehmer zur Tagestour, die über mehr als 28 Kilometer und insgesamt 1528 Höhenmeter über den Tegelberg sowie rund um die Königsschlösser Hohenschwangau und Neuschwanstein führte.
Die ersten rund zehn Kilometer gestalteten sich bei nachlassendem Regen entspannt und locker. Vorbei am Schwansee, durch den Schlosshof von Hohenschwangau zog der Wandertross zum Bergsportzentrum Tegelberg, wo – zumindest für die Schnellsten – ein kleines Bergsteigerfrühstück wartete. Wer nicht das Tempo eines Gewaltmarsches eingeschlagen hatte, musste sich mit den „Resten“ begnügen. Ein Manko während der gesamten „24 Stunden von Bayern“. Aber wie sagt schon das Sprichwort: „Den letzten beißen die Hunde.“ Das Murren der Teilnehmer war dennoch unüberhörbar.
Es war ganz gut, dass an diesem Tag nur gemäßigte Temperaturen um die 15 bis 20 Grad Celsius herrschten, ansonsten wäre der Anstieg zum Tegelbergplateau für viele wohl kaum zu bewältigen gewesen. Teilweise ging es die 900 Höhenmeter in der Falllinie steil nach oben. Warum die Ausrichter für eine Wanderveranstaltung, die über 24 Stunden geht und eigentlich doch Spaß und Freude machen soll, eine solch schwierige Tour wählten, bleibt wohl ihr Geheimnis. Ob man sich mit einer solch anspruchsvollen Strecke für Wanderer und die Betonung liegt auf Wanderer, nicht auf Bergsteiger, einen Gefallen tut, darf bezweifelt werden.
Die Ausrichter der nächsten „24 Stunden von Bayern“ sollten sich das zu Herzen nehmen. Nach einem kleinem Mittagessen und der Talfahrt mit der Tegelbergbahn führte die Route das nunmehr weit auseinandergezogene Teilnehmerfeld die wilde Pöllatschlucht hinauf zur Marienbrücke, von der aus man einen sensationellen Blick auf König Ludwigs II. Traumschloss Neuschwanstein hat.
Die letzten der gut 28 Kilometer der Tagestour führten dann vorbei am Alpsee, auf einem herrlichen Wanderpfad zum Walderlebniszentrum Ziegelwies, wo sich die Teilnehmer mit Heu-Limo, Heu-Schnaps und/oder Heu-Likör stärken konnten. Von dort ging es zum und über den 480 Meter langen und bis zu 21 Meter hohen Baumkronenweg – eine grazile, nur von vier Stützen getragene Holzkonstruktion – zum Lechfall und weiter zu Füssens mittelalterlichem Stadtkern, den Schrannenplatz, wo bereits das Abendessen wartete.
Die Nachtstrecke unter dem Namen „Logenplätze“ wartete mit einem Novum auf, denn die „24 Stunden von Bayern“ gingen erstmals aufs Wasser. Mit zwei Schiffen schipperten die Teilnehmer vom Bootshafen Füssen über den Forggensee zum Wanderstart an der alten Römerstraße Via Claudia Augusta bei Dietringen. Die Abenddämmerung bot ein grandioses Bergpanorama und mittendrin Schloss Neuschwanstein. Allein diese Kulisse entschädigte beziehungsweise machte die enormen Anstrengungen des Vormittags fast vergessen.
Mit einer Stirnlampe ausgerüstet ging es in die Nacht hinein auf sanft ansteigenden beziehungsweise abfallenden Wegen oder auch nur geradeaus bis zum Aufstieg zum Senkele, der letzten großen Herausforderung der diesjährigen „24 Stunden von Bayern“. Wie Vormittags die Strecke auf den Tegelberg, wurde den Wanderern auch hier alles, auf dem rund zwei Kilometer langen mörderischen Anstieg, abverlangt. Schließlich hatte man schon genügend Kilometer in den müden Beinen. Gott sei Dank flachte nach Erreichen der Senkele Alp von da an das Streckenprofil doch deutlich ab.

Mit Lampions und
Lichtern herrlich illuminiert


Nach einer Mitternachtssuppe auf der Alpe Beichelstein ging es über den Pestfriedhof Rieden, wo es eine mystische Lichtinszenierung gab zum Hopfensee. In diesem Zusammenhang sei noch darauf hingewiesen, dass der Weg nach dem Aufstieg zum Senkele vielfach mit Lampen, Lichtern, Kerzen oder Lampions romantisch illuminiert war und der Vollmond das Übrige dazu tat, zumindest die Müdigkeit zu vergessen.
Den ersten Kaffee gab es dann am Hopfensee. Nachdem dieser in südlicher Richtung umrundet war, führte der Weg zum Galgenbichl und von dort zum Ziel, dem Wandermarktplatz in Füssen.
Ziel der „24 Stunden von Bayern“ sollte schon sein, durchzuhalten, den inneren „Schweinhund“ zu überwinden, an die eigenen Grenzen zu gehen und die Strecken mit der Natur sowie den Erlebnisstationen zu geniesen. Allerdings sollte man sich nicht von „Extrem-Wanderern“ hetzen lassen, sondern sein Tempo und seinen Rhythmus finden. Ansonsten werden die „24 Stunden“ nur zur Qual und man schmeißt das Handtuch. Rund 65 Prozent der Teilnehmer sind laut Veranstalter Angaben dieses Jahr mindestens die Tag- und Nachstrecke gelaufen. Das waren mehr als jemals zuvor.
Trotz einiger kleinerer Kritikpunkte sind die „24 Stunden von Bayern“ eine großartige und faszinierende Geschichte, die man sich nicht entgehen lassen und unbedingt einmal mitmachen sollte. (Friedrich H. Hettler)

(Wanderer, wie an einer Perlenschnur aufgereiht; die Füssener Böllerschützen geben den Startschuss; der Lechfall bei Füssen und ein herrliches Bergpanorama - Fotos: Hettler)

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