Reisen

St. Anton am Arlberg ist auch ein Dorado für Skifahren im freien Gelände. (Foto: Tourismusverband St. Anton am Arlberg)

09.12.2015

Wo der moderne alpine Skilauf entstand

St. Anton: Winterparadies am Arlberg

Man möchte es gar nicht für möglich halten, aber trotz der derzeit herrschenden relativ milden Temperaturen kann in St. Anton am Arlberg Skigefahren werden. Zwar sind noch nicht alle Abfahrten offen, aber ein Großteil der rund 350 Kilometer an markierten und präparierten Pisten stehen den Skifreunden zur Verfügung. Wo momentan bei herrlichstem Sonnenschein gefahren werden kann, sind die Strecken bestens hergerichtet, der Schnee ideal und griffig. Es ist eine schiere Freude, seine Schwünge ins scheeweiße Band zu ziehen.
Seit dem 4. Dezember heißt es in St. Anton am Arlberg aufs Neue: Ski und Boards raus. Sein großes Saison-Opening feierte der Tiroler Wintersportort dieses Jahr mit der deutschen Gruppe Sportfreunde Stiller. Special Guest am 5. Dezember aber war Kim Wilde. Die Popikone der 1980er Jahre heizte den knapp 5000 Konzertbesuchern mit ihren Hits wie Cambodia, Chequered Love, View from a Bridge und Kids in America in den Abendstunden dann so richtig ein.
Im Skigebiet Arlberg gibt es neben den 350 Kilometern markierte Skiabfahren noch 200 Kilometer Varianten im freien Gelände. Ach ja, und noch etwas: Es gibt übrigens keinen Berg, der Arlberg heißt. Der Name rührt von den Arlen, den Latschenkiefern, her, die die Berghänge dicht bewachsen.
In St. Anton am Arflberg, St. Christoph und Stuben stehen 185 Propellerkanonen und 109 Lanzen für die Schneeerzeugung bereit, die für Schneesicherheit sorgen. Insgesamt beträgt die beschneibare Pistenfläche 80 Prozent. Außerdem werden Hänge mit starker Sonneneinwirkung nachbeschneit. Der Aufwand für die Erstbeschneiung konnte stark reduziert werden. Grund hierfür ist eine große Menge Schmelzwasser, die aus dem riesigen Speicher des St. Antoner Kraftwerks in die Rosana abfließt. Von dort wird das Flusswasser direkt zu den Schneekanonen und -lanzen im Skigebiet gepumpt. Und diese beschneien die Abfahrten. Bei optimalen Temperaturen schaffen sie innerhalb von 100 Stunden eine bis zu 50 Zentimeter dicke Schneeschicht.
Es war einmal ein norwegischer Ingenieur am Arlberg… So beginnt 1880 die Skigeschichte von St. Anton am Arlberg, als ein Norweger mit zwei Brettern unter den Füßen zur Arbeitsstätte am Arlbergtunnel glitt. Zu dieser Zeit war das kleine Dorf auf 1300 Metern Höhe weit davon entfernt, zu einem der beliebtesten und bekanntesten Wintersportorte der Welt zu werden. Der harte Alltag als Bergbauer prägte das Leben der Menschen damals. Allerdings änderten sich die Zeiten in St. Anton schnell. Plötzlich waren es nicht mehr die Fremden aus den nordischen Ländern, die im Telemark-Stil die Bergwelt eroberten, sondern die St. Antoner selbst.
Am 3. Januar 1901 schrieben sportliche Einwohner Geschichte. Sechs Freunde marschierten an diesem Tag von St. Anton nach St. Christoph und wurden am Ziel ihrer Skitour vom dortigen Hospizwirt Oswald Trojer und seiner Tochter Liesl empfangen. Eine Rast, die sich zu einer fröhlichen Feier entwickelte und mit der Gründung des Ski-Clubs Arlberg endete. Heute zählt der Ski-Club weltweit rund 8000 Mitglieder aus 61 Ländern. Bereits drei Jahre später wurde die nächste Vision realisiert, die damals in der Bergwelt einmalig war, das „1. Allgemeine Skirennen“. Aus diesem Wettlauf im Januar 1904 entwickelte sich eine Renntradition, die bis heute ihre Fortsetzung findet.
Die aktiven St. Antoner beließen es jedoch nicht bei ihrem Ski-Club und dem spektakulären Rennen. Mit der Gründung der ersten Skischule setzte Hannes Schneider im Winter 1921/1922 einen Meilenstein der Skigeschichte, indem er den Skikurs „erfand“. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keinen Skiort, in dem die Urlauber entsprechend ihres Könnens in Gruppen eingeteilt und nach festgelegten Richtlinien unterrichtet wurden. Noch dazu galt Hannes Schneider als Skiheld, hatte er schon als 13-jähriger sein erstes Rennen gewonnen und einen ganz eigenen Fahrstil geprägt. Schussfahrten legte er als Erster in der Hocke zurück, eine Haltung, die bis heute die schnellste und sicherste ist. Auch für die Kurven entwickelte er eine ganz neue Technik – er verlagerte zum Kurvenfahren sein Gewicht, um dann die Ski herumzureißen.

Schneeschuhwandern


Hannes Schneider zog immer mehr Gäste an, die seine Technik erlernen wollten. Damit wurde der Fremdenverkehr kräftig angekurbelt, denn jetzt war es „in“, den Winter in den Bergen und vor allem auf den Pisten zu verbringen. Die Menschen wollten auf die Gipfel, die Ansprüche stiegen. 1937 entstand in St. Anton mit der Galzigbahn eine der ersten Gondeln im Alpenraum. 210 Personen konnten damit pro Stunde in das Herz des Skigebiets fahren.
St. Anton ist aber noch mehr als Alpin-Skifahren, auch wenn die Pisten des Arlbergs Weltruhm genießen. So umfasst das Langlaufangebot rund 40 Kilometer Traumloipen. Schlitten mit sich fahren lassen Besucher am Gampen, von dem eine 4,3 Kilometer lange Rodelbahn hinunter nach Nasserein führt. Darüber hinaus gibt es auch noch 70 Kilometer Winterwanderwege. Mit Guides können Urlauber auch abseits der geräumten Pfade mit Schneeschuhen durch die Winterlandschaft wandern. Pferdekutschen-Fahren, Eisstockschießen und Eislaufen runden das St. Antoner Wintersportangebot für Jung und Alt ab.
St. Anton setzt aber auch neue Maßstäbe für alpenländische Architektur. Die baulichen Veränderungen der vergangenen Jahre unterstreichen die kosmopolitische Kultur der Ferienregion sowie deren Anspruch auf Qualität. Die in jüngster Zeit hinzugekommenen Bauten setzen zwar richtungweisende Maßstäbe, fügen sich aber stilvoll ins Ortsbild ein.
Bereits in der Wintersaison 2006/2007 sorgte die Inbetriebnahme der neuen Galzigbahn, eine Bergbahn mit Riesenrad-Technik, für Aufsehen. 22 Millionen Euro investierten die Arlberger Bergbahnen in den spektakulären Bau. Die innovative Technik des renommierten österreichischen Architekten Georg Driendl ist immer noch ein optischer Anziehungspunkt. Das Gebäude der Talstation ist verglast und gibt dadurch den Blick auf die vier Riesenräder frei.
Hinauf in das Skigebiet Rendl geht es seit der Wintersaison 2009/2010 mit der modernen Rendl-Bahn. Das transparente Gebäude der Talstation rückte näher an das Dorfzentrum in St. Anton heran und wurde ebenfalls von dem Architekten Georg Driendl entworfen. Mussten die Wintersportler früher noch den Bus nehmen, um vom Skigebiet am Galzig zur alten Rendl-Bahn zu gelangen, ist der Weg heute nur noch ein Katzensprung in Skischuhen. Die 8er-Einseilumlaufbahn mit Sitzheizung befördert bis zu 2000 Personen pro Stunde und das in einer Fahrzeit von nur noch siebeneinhalb Minuten.
Die extravagante Architektur des multifunktionalen Sport- und Kletterzentrums arl.rock mit dem 18 Meter hohen Turm ist ein Blickfang und weist auf das erklärte Aushängeschild des Sportzentrums hin: Klettern, Bouldern, – bis zu 100 unterschiedliche Kletterrouten verschiedenster Schwierigkeitsgrade bietet das arl.rock an, indoor wie outdoor. Ein Klettersteig führt sogar auf das Dach des Aktiv-Zentrums.
In St. Anton fügen sich puristische Funktionalität und bestehende Natur harmonisch zusammen. Die Gebäude erscheinen nicht als futuristische Kontrapunkte in einem traditionellen Umfeld, vielmehr bekräftigen sie die Verbindung zur Moderne, indem sie Entwicklung und Fortschritt im alpenländischen Raum symbolisieren. „Bei aller Tradition sind wir modern, weltoffen und lebendig“, so Tourismusdirektor Martin Ebster. „Und genau das bringt auch das neue Gesicht von St. Anton am Arlberg zum Ausdruck.“
Besonders viel Beachtung findet nach wie vor der moderne Bahnhof, den die Architekten Gerhard Manzl, Johann Ritsch und Manfred Sandner mit einem feinmaschigen Edelstahlgewebe eingefasst haben. Der Bau schmiegt sich an den Schienenverlauf und setzt die permanente Verlangsamung und Beschleunigung ein- und ausfahrenmder Züge perspektivisch um. Stationsgebäude, Böschung und Lärmschutzwand zusammen bilden die Form einer großen Scheibe, vom Vorplatz aus führt eine leichte und transparent wirkende Fußgängerbrücke in den Ort hinein.
Selbst im kleineren Maßstab zeigt der Ort richtungweisende Architektur, die Vorbild für viele private Bauvorhaben ist und für den Aufbruch in eine neue Zeit der alpenländischen Gemütlichkeit steht: Nicht nur die Talstationen Rendl und Galzig sind mit viel Glas gebaut, auch die neuen Hotels zeigen überall schnörkellose feine Holz-Glas-Fassaden, die den Blick auf die wunderschöne Bergwelt freigeben. Dank großer Fensterfronten wird Licht hier zum prägenden Eindruck für die Gäste. Selbstverständlich kommt das gute alte Holz in der Architektur nicht zu kurz und wird ebenfalls reichlich verbaut – Tradition und Moderne widersprechen sich in St. Anton in keinster Weise.
So präsentiert sich St. Anton insgesamt nach wie vor traditionsverbunden, doch das Tiroler Bergdorf ist alles andere als hinterwäldlerisch. Man traut sich, auch neue Wege zu beschreiten – denn: „Unsere Gäste suchen Authentizität und Lebendigkeit. Und genau das würde ein Museumsdorf von anno dazumal nicht bieten“, erklärt Tourismusdirektor Ebster. „Wir gehen mit der Zeit und sprechen neben der traditionellen auch die urban-moderne Zielgruppe an.“
Eins dieser traditionellen, aber dennoch modernen Häuser ist das Valluga Hotel. Dieses kleine, aber überaus feine 4-Sterne-Haus mit dem gewissen Extra ist ein Geheimtipp. Johanna und Mikael Landström, ein Hotelierehepaar aus Schweden, haben sich in das traditionsreiche Valluga aus dem Jahr 1952 im Zentrum von St. Anton verliebt und es mit Bedacht, viel Geschmack und Sinn für modernes Design renoviert. Der ursprüngliche Charme des kleinen Hauses blieb erhalten und die Landströms haben ihm geschickt einen modernen, komfortablen Twist verliehen.
Es ist die ruhige, freundliche Urlaubsatmosphäre, die das Valluga Hotel zu einer besonderen Adresse macht. Genießer fühlen sich fast wie zu Hause in den großzügigen und gut geplanten Zimmern mit ihren überaus bequemen Betten und modernen Badezimmern. Wie ein Wohnzimmer präsentiert sich die einladende und geräumige Lounge und Cocktailbar für gemütliche Mußestunden. Ein fantastischer Spa-, Fitness- und Wellnessbereich und ein Feinschmecker-Restaurant werden anspruchsvollen Gästen gerecht. Für jedes Zimmer steht im Skikeller ein separater, abschließbarer Spind – mit Skischuhtrockner und viel Platz für diverse Skiutensilien – zur Verfügung.
Nur zehn Suiten, 14 Doppelzimmer und ein Einzelzimmer wurden im Valluga eingerichtet – klein und fein ist eben die Devise der Landströms, die mit ihrem Haus, benannt nach dem höchsten Berg im Skigebiet von St. Anton, Individualisten und Genießer ganz spezieller Urlaubsadressen ansprechen. Und eins muss noch hervorgehoben werden: die überaus freundliche, herzliche und zuvorkommende Belegschaft des Hotels aus aller Herren Länder. Denn so international das Publikum in St. Anton ist, so international ist das Personal des Valluga. (Friedrich. H. Hettler)

(Langlaufden und Rodeln machen Spaß; ein architektonisches und technisches Highlight ist die Galzigbahn. Der Haupteingang ins Valluga. Die einladende Lounge. Blick in ein Zimmer und der Wellnessbereich mit dem Pool - Fotos: Tourismusverband St. Anton Am Arlberg/Valluga Hotel)

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