Unser Bayern

16.12.2011

Bamberg, ein Nährboden fürs große Geistliche nach Noten

Anlässlich seines 300. Geburtstages erlebt der fürstbischöfliche Hofkapellmeister Joseph Umstatt eine verdiente Renaissance


In den zurückliegenden Jahrzehnten hat die Musikwissenschaft so zahlreiche Werke von Tonsetzern minderen oder nur lokal begrenzten Ranges wiederentdeckt, dass man sich bisweilen fragen durfte, ob der Mantel des Vergessens, den das musikgeschichtliche Gedächtnis über diese Kleinmeister ausgebreitet hatte, nicht wohlverdient war. Noten bis zum Überdruss gab es da – aber hatten diese eine über den bloß dokumentarischen Rang hinausweisende Bedeutung? Zu den neueren Wiederentdeckungen, auf die abseits fragwürdiger Jubiläumsarithmetik ein Blick zu werfen sich unbedingt lohnt, gehört zweifelsohne der vor etwa 250 Jahren am fürstbischöflichen Hof Bambergs wirkende Hofkapellmeister Joseph Umstatt. Die 300. Wiederkehr von dessen Geburtstag hat die Musica Canterey, Bambergs Verein für Alte Musik, zu einer umfassenden Würdigung in Form eines Veranstaltungszyklus angeregt. Dessen Ertrag deutet im Ergebnis darauf hin, dass die zehn Jahre von Umstatts Wirken an Bambergs Hof als Glücksfall für die gesamte Region gewertet werden können.

Freilich muss verdiensthalber und um der Gerechtigkeit willen darauf hingewiesen werden, dass schon 1951 der Bamberger Musikforscher Hanns Dennerlein nach Kenntnisnahme der Ebracher Musikalienbestände die Meinung vertrat, dass Joseph Umstatt „kein Kleinmeister" gewesen sei. Später kam die amerikanische Musikwissenschaftlerin Carla Pollack in ihrer Dissertation Viennese Solo Keyboard Music 1740 -1770 zu dem Ergebnis, dass der Komponist in seinem Clavierschaffen einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der klassischen Sonate geleistet habe. Schließlich bezeichnet der slowakische Musikforscher Ladislav Kacic aufgrund detaillierter Untersuchungen Umstatt als einen der bedeutendsten Komponisten des süddeutsch-österreichischen Raumes in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Joseph Umstatt wurde 1711 als Sohn eines Hofmalers in Wien geboren und wuchs im Einflussbereich des Kaiserhofes auf, wo Johann Joseph Fux und Antonio Caldara zu den Leitsternen seiner musikalischen Entwicklung wurden. Nach Studien am Jesuitenkolleg in Tyrnau (heute Trnava/Slowakei) war er als Komponist, Interpret und Pädagoge im mährisch-ungarischen Raum tätig, unter anderem (1723 bis 1738) in der ausgezeichneten Kapelle des Erzbischofs Emericus Esterhazy in Preßburg sowie als Kapellmeister und hochgeschätzter Organist in Diensten des Grafen Johann Leopold von Dietrichstein in Brünn (1741 bis 1748). 1749 holte ihn der sächsische Premierminister Graf Heinrich von Brühl an den kurfürstlichen Hof in Dresden. Dort bekleidete er neben dem berühmten Komponisten Johann Adolf Hasse eine herausragende Stellung. Die Schwerpunkte seines Schaffens lagen in diesen Jahren im konzertant-instrumentalen Bereich.

Sich als Schöpfer großer geistlicher Werke bewähren zu können, spielte für Umstatt wohl eine entscheidende Rolle bei seinem Wechsel nach Bamberg im Jahre 1752. Von Fürstbischof Johann Philipp Anton von Franckenstein wurde er zu höchst favorablen Bedingungen als Kapellmeister und Komponist an die Spitze der Hofkapelle gestellt. (Martin Köhl)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Dezemberausgabe von Unser Bayern.

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