Unser Bayern

31.12.2010

Bei mir steht's tot, bei Eaha wird's lebendig

Reich illustrierte Volksliedsammlung: Wie das 100 Jahre alte Steyrische Rasplwerk nach Bayern kam


Es ist schon ein ungewöhnliches Werk, das der Wiener Industriellensohn Konrad Mautner im Jahre 1910 herausbrachte. Er nannte es Steyrisches Rasplwerk. Es enthielt Vierzeiler, Lieder und Gasslreime aus Goessl am Grundlsee – „in Wort und Weise gesammelt, aufgeschrieben und mit Bildern versehen von Konrad Mautner", wie es im Untertitel hieß. Das Buch ist 372 Seiten stark, hat das Format 16 auf 12 cm, und ist damals in einer Auflage von 400 Exemplaren erschienen.

Konrad Mautner (1880 bis 1924) verbrachte schon als Kind seine Ferien in Goessl am Grundlsee im österreichischen Salzkammergut und alljährlich zog es ihn auch später immer wieder in diesen abgeschiedenen Ort. Er lebte mit den Einheimischen, feierte ihre Feste mit und sammelte dabei Gasslreime, Lieder und Tänze. Es war dem volksnah verbundenen Erzherzog Johann zu verdanken, dass sich am Grundlsee das Althergebrachte länger bewahrt hatte als anderswo; der Habsburger war zudem mit der Postmeisterstocher Anna PLochl aus dem nahen Aussee verheiratet..

Wilfried Feldhütter, einer der Pioniere des Bayerischen Rundfunks, schreibt einmal: „Das Raspelwerk wurde zwar am Grundlsee geschaffen, aber lebendig geworden ist es am Tegernsee durch den Kiem Pauli.

Es war am Weihnachtsabend 1919, der Kiem Pauli war bei Ludwig Thoma auf der Tuften zum Kaffee eingeladen. Als die Jäger und Dienstboten zur Bescherung kamen, wollte sich der Kiem Pauli verabschieden. Da sagte Thoma: „Bleibens nur da, für eahne hots Christkindl a was untern Baam glegt." Es war das Steirische Raspelwerk! „Wissens", sagte Thoma, „bei mir steht‘s tot, bei Eahna wird’s lebendig"

Als der Kiem Pauli an diesem Abend von der Tuften heim ging sagte er: „Da sah ich den Weg, den ich gehen musste." Der Kiem Pauli brach mit dem Radl zu seinen Sammelreisen auf, um die alten Volkslieder aufzuschreiben und sie vor dem Vergessenwerden zu retten. Die Lieder aus dem Steirischen Raspelwerk wurden von den bayerischen Gruppen, den Riederingern, Waakirchner, Fischbachauerinnen, Roanerinnen, den Röpfeln und anderen gerne gesungen, genauso wie von Nachwuchsgruppen heute noch. (Benno Eisenburg)

Lesen Sie den vollständigen Artikel in der Dezember-Ausgabe von Unser Bayern.

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