Unser Bayern

Das Signum hat Moritz von Schwind entworfen. (Foto: Musikalische Akademie)

25.11.2011

Der starke Magnet, der Maestri nach München zieht

200 Jahre Musikalische Akademie: Berühmte Dirigenten am Pult – doch die „Marke“ wird vom Staatsorchester zunehmend überdeckt


Einhundertvier Symphonien hatte Haydn um 1800 schon komponiert, Mozarts bedeutendste Werke waren gedruckt, Beethoven hatte das Schicksal in c-Moll an die Pforte klopfen lassen. Bis ins erzkatholische Bayern hatte sich herumgesprochen, dass ein Lutheraner aus Halle in England sein Glück mit Oratorien gemacht habe. Die Musikfreunde wollten es hören. Wer konnte so Anspruchsvolles aufführen?

Das öffentliche Konzertwesen im Sinne der Vermittlung von Musik etablierten in München im Herbst 1811 Kapellmeister Peter von Winter und weitere zehn Musiker der damals 65 Instrumentalisten und 20 Sänger zählenden Königlichen Bayerischen Hofkapelle. Sie überreichten Seiner Majestät eine Bittschrift, „eine Anzahl abonnirter Concerte im Kgl. Redouten-Saal geben zu dürfen". Die Musiker verhehlten in ihrem Gesuch nicht die Absicht, sich „eine wiederholende kleine Einnahme zu sichern", um das damals jämmerliche Salär eines Berufsmusikers aufzubessern. Am 9. November 1811 wurde den „gesammten Hofmusik-Individuen"gestattet, „Concerte aufzuführen", „jedoch nicht anders als mit ausdrücklicher Aufsicht und Leitung Unserer Hofmusik-Intendanz". Am 18. November 1811 wurde das Publikum über die Errichtung einer Musikalischen Akademie informiert.

Die Kabinettsordre vom 9. November und das Statut vom 9. Dezember 1811 sollten mit der Auflage „unter Aufsicht und Leitung unserer Hofmusik-Intendanz" gravierende Folgen für die Zukunft haben. Sie sicherten der Musikalischen Akademie zwar weitgehende Selbstständigkeit zu, doch keine vollkommene Unabhängigkeit. Die Mitglieder der „Musikalischen Akademie" sind die Musiker des bayerischen Staatsorchesters, der jeweilige Generalmusikdirektor ist Chefdirigent der Konzerte. Die Freiheit des Orchesters, mit wem es musizieren wollte, war beschnitten, Einladungen bedurften der Zustimmung.

Mit Amtsantritt Wolfgang Sawallischs als GMD der Oper 1971 scheint die Musikalische Akademie (nach wie vor ein Eingetragener Verein), lediglich ein Teil der Bayerischen Staatsoper zu sein. Selbst die Konzerte, vordem in eigenen Prospekten angekündigt, werden im Almanach der Oper nur noch als „Akademiekonzerte des Bayerischen Staatsorchesters" aufgelistet, das Signum, das Moritz von Schwind für die Musikalische Akademie entwarf, darf nur noch die Programmhefte zieren, von den Plakaten, auch aus dem Almanach ist dies Logo verbannt.

Das erste Konzert am 9. Dezember 1811 mit Beethovens D-Dur Simphonie eröffnete vermutlich Peter von Winter – es sollten Jahrzehnte vergehen, bis der Programmzettel den Dirigenten erwähnte. Vor der abschließenden Ouvertüre zu Cherubinis Anacréon ou l’amour fugitif waren auch ein Violin- und ein Oboenkonzert zu hören – Auftakt zu einer nie abbrechenden Tradition, herausragende Musiker mit solistischen Aufgaben zu betrauen.

Das Orchester erspielte sich von Anfang an höchste Anerkennung. Carl Maria von Weber rühmte 1811, es habe „mit einer Liebe und Aufmerksamkeit accompagniert, die einzig war", der 21jährige Giacomo Meyerbeer war von „Energie, Präzision-Ensemble, Crescendo und Piano, alles auf dem höchsten Grad der Vollendung" so begeistert, dass er in dem Benefizkonert des Orchesters an Silvester 1812 „zum Besten der verwundeten bairischen Krieger" seine Es-Dur Variationen spielte. „Es applaudierte sogar die Königin", trug er stolz in sein Tagebuch ein.

Peter von Winter, Ferdinand Fraenzel und ab 1824 die Herren Stuntz und Moralt setzten regelmäßig zu kontemporärem Kleinkram Haydn, Mozart und Beethoven an, die nach 1816 ausbrechende Rossini-Euphorie ließ mit Arien, Duetten, ganzen Ensembles die schwere Kost der Wiener Klassiker leichter ertragen, sogar Teil I des Händel‘schen Oratorium Samson. Am 24. Februar 1823 durfte man eine bis heute nicht wieder aufgefrischte Bekanntschaft mit Monteverdis Madrigale für 5 Singstimmen machen, nach Beethovens A-Dur Symphonie beruhigten „Bairische Volksgesänge mit Musik von Spontini" die Gemüter.

Die erste Virtuosenhysterie bemächtigte sich Münchens im Oktober 1823. „Der elfjährige Knabe Franz Liszt ... wird sein in der österreichischen Kaiserstadt Wien allgemein anerkanntes Musik-Talent am Piano-Forte hören lassen ..." Vater Liszt ließ seines Sohnes Lehrer Paul Cerny wissen: „Das Orchester ist ausgezeichnet und ich hab nie Besseres gehört".

Die Cassa im Cuvilliestheater, wohin das Orchester nach dem Brand des Nationaltheaters interimistisch übersiedelt war, konnte nicht immer „Ausverkauft" wie bei Liszt anzeigen. Trotzdem beauftragte König Ludwig I. den Ritter von Klenze, „ein Gebäude zu einem Concertsaal – Odeon genannt – aufzuführen, dessen Benützung und Verwaltung aber der Kgl. Hoftheater-Intendanz zuteil ist". Auch hier also eine Distanzierung von der Institution Musikalische Akademie.

Der Prachtsaal des Odeon wurde am 10. März 1828 eröffnet, probehalber legte man ein Abonnement für vier Konzerte auf, aber schon 1829 mussten drei mangels Nachfrage abgesagt werden. Die Allgemeine musikalische Zeitung gab 1829 u.a. als Grund „die weite Entfernung des Odeons von der eigentlichen Altstadt" an. Vor dem Amtsantritt Franz Lachners 1836 waren es wohl Paganini, Chopin und Mendelssohn, die das Publikum aus seiner Gleichgültigkeit rissen. Letzterer stellte sein Klavierkonzert vor, das er binnen dreier Herbstwochen in München komponiert hatte. Es brachte ihm einen leider nicht ausgeführten Opernauftrag ein und das Angebot, die Opernintendanz zu übernehmen. Doch er zog das Gewandhausorchester in Leipzig vor. (Klaus Adam)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Novemberausgabe von Unser Bayern.

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 33 (2017)

Soll die elektronische Gesundheitskarte abgeschafft werden?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 18. August 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:


Wieland Dietrich,
Vorsitzender der Freien Ärzteschaft e.V.

(JA)


Melanie Huml (CSU), bayerische Gesundheitsministerin

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen

Nur für Abonnenten

Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.