Unser Bayern

In der Bayernhymne bitten wir bis heute um den Erhalt des weißblauen Himmels und dass „die Herzen freudig eine unser Banner, weiß und blau“.

19.11.2010

Ein Lied aufs Weißblaue

Zum 150. Geburtstag der Bayernhymne

Am 15. Dezember 1860 wurde es das erste Mal gesungen: das Lied der Bayern. Bei einem geselligen Abend der Münchner Bürger- und Sängerzunft im Gasthaus „Zum Orlando di Lasso" am Münchner Platzl hörte man „Gott mit dir, du Land der Bayern…" aus voller Männerbrust erschallen. Endlich hatte Bayern sein eigenes Nationallied! Wenn bei offiziellen Veranstaltungen eine Hymne von Nöten war, war bis dato „Heil unserm König, Heil" erklungen. Doch diese Königshymne war nur entliehen – ausgerechnet aus Österreich. Zudem wurde sie nach der Melodie der englischen Hymne „God save the King" gesungen.

Verständlicherweise wollten die Bayern ihr eigenes Lied. Seit 1806, seit Bayern Königreich geworden war, suchte man danach. Viele Vorschläge wurden gemacht – und verworfen. Erst als der Lehrer Michael Öchsner (1816 bis 1893) aus München den Text verfasst und der Oberpfälzer Konrad Maximilian Kunz (1812 bis 1875), der als Chordirigent am Hof- und Nationaltheater wirkte, schließlich das Gedicht vertont hatten, war eine passable Alternative zur alten Königshymne gefunden.

Eigentlich hatten die beiden nur ein neues Zunftlied kreieren wollen. Doch das Lied fand allgemein großen Anklang, und weil König Max II. noch immer auf der Suche nach einer „originalbayerischen Hymne" war, avancierte das Lied „Für Bayern" – so der Originaltitel – dazu. 1861 erschien das Gemeinschaftswerk von Kunz und Öchsner erstmals im Druck. Das Lied fand Eingang in Schulliederbücher. Über die Gesangsvereine wurde es als Volkslied populär und man sang es immer häufiger bei feierlichen Anlässen.

Nach einem nahezu gänzlichen Verschwinden in der NS-Zeit, feierte das Lied nach dem Zweiten Weltkrieg seine Auferstehung in der Überarbeitung des Textes durch den aus Pfaffenhofen a. d. Ilm stammenden Dichter Joseph Maria Lutz. Der Bayerische Rundfunk übernahm das Bayernlied als Schlusspunkt seiner Sendezeit. Und als die dritte Strophe des Deutschlandliedes 1952 zur Nationalhymne der Bundesrepublik geworden war, setzte der Bayerische Landtag auch das Bayernlied auf die Lehrpläne der Schulen. Seit 1964 heißt es offiziell „Bayernhymne".

So ist aus einem einstigen Zunftlied in geselliger Runde die offizielle bayerische Hymne geworden, auch wenn die Königsstrophe seit dem Ende der Monarchie überholt war und durch allgemeine Verse ersetzt wurde. So wird heute nicht mehr „Gott mit ihm, dem Bayern-König, Vater Max aus Wittelsbach!", sondern sehr viel republikanischer „Gott mit uns und Gott mit allen" gesungen sowie „Gott erhalte uns den Herrscher" durch „Frohe Arbeit, frohes Feiern" ersetzt. Aus „Deutschlands Bruderstämme" wurde vom „Alpenland bis zum Maine" und die Kultusbürokratie verfügte schließlich, dass anstatt der ursprünglichen Version „einig uns der Gegner schau" nun „einig uns ein jeder schau" zu singen ist.

Der Wortlaut der zweiten Zeile ist sogar fast ein Politikum: Heißt es „deutsche Erde, Vaterland" (wie in der Urfassung) oder „Heimaterde, Vaterland" (wie von Lutz ersonnen)? Man ist bis heute nicht einig. Und dies, obwohl Franz Josef Strauß bereits 1980 das Deutsche mittels Bekanntmachung im Bayerischen Staatsanzeiger wieder in die Hymne zurückgeholt hatte. Dennoch ist immer wieder einmal die „Heimaterde" deutlich zu vernehmen, nicht nur aus dem Munde Papst Benedikts XVI. anlässlich seines Besuchs anno 2006 an der Münchner Mariensäule.

Aus vollem Herzen jedoch bitten bis heute alle um den Erhalt unseres weißblauen Himmels und dass „die Herzen freudig eine unser Banner, weiß und blau"!  (Cornelia Oelwein)

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