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Die Kapelle auf der Zell. (Foto: Bäumel)

30.04.2010

Glasmuseum und Kapelle

Frauenau - ein lohnendes Ausflugsziel mit diversen Sehenswürdigkeiten

Ein Abstecher in das kleine Bayerwald-Dorf Frauenau lohnt sich. Neben einer malerischen Spazierstrecke um die Trinkwassertalsperre, gelegen oberhalb der Ortschaft, bietet die Gemeinde im Landkreis Regen auch diverse Sehenswürdigkeiten, darunter das neu errichtete Glasmuseum. In einem architektonisch interessanten Gebäude dreht sich alles um den im Bayerwald so wichtigen Rohstoff. Die Besucher können sich anschaulich und teilweise auch interaktiv schlau machen über die Geschichte des Glases und über verschiedene Herstellungstechniken, aber auch ganz besondere Exponate aus den verschiedensten Epochen bewundern. Ergänzt wird die Ausstellung durch wechselnde Sonderschauen, die sich nicht nur um das durchsichtige Material drehen, sondern zum Beispiel auch regionalen Künstlern gewidmet sind. Aber das ist nicht alles, was Frauenau zu bieten hat. Hoch über der Ortschaft mit ihren Glashütten steht ein ganz besonderer Bau, die Kapelle Sankt Hermann, auch genannt Kapelle auf der Zell oder, nach dem Namen ihres Schöpfers, Eisch-Kapelle. Es ist ein einzigartiges sakrales Bauwerk mit einer dramatischen Hintergrundgeschichte und einem Innenleben der besonderen Art. Der Turm der gelben Kapelle besteht aus einem VW-Bully-Bus. Zu Maiandachten und zum Patrozinium pilgern hier die Gläubigen von Frauenau hoch auf den Berg bei der Ortschaft Zell, aber auch die Touristen strömen zu dem 1972 erbauten architektonischen Wunderwerk, das eng mit den Namen Erwin Eisch und Helmut Koller verbunden ist. Letzterer erlebte die Fertigstellung seines 1967/68 erdachten Werks nicht mehr. Die Kapelle des Heiligen Hermann ist daher auch eine Gedenkstätte für den jung gestorbenen Architekten geworden. Zugleich ist die kleine Kirche eines der wenigen Bauwerke, das Koller schaffen konnte. Kollers Baueingabeplan für die Kapelle auf der Zell sieht noch weitgehend einen herkömmlichen Kapellenbau vor. Der Grundriss zeigt einen quadratischen Zentralbau, die leichte Bauchung der Wände und die Sockelstreben an den Ecken nehmen bereits Gestaltungselemente des später realisierten Baus vorweg. Die Baugenehmigung des Landratsamtes datiert auf den 10. Oktober 1967. Ob Künstler und Architekt bereits bei der Antragstellung die Absicht hatten, beim Bau vom Plan abzuweichen, ist unwesentlich. Entscheidend ist: Sie taten es. Plan und Ausführung stimmen einzig in dem Ort überein, der etwas außerhalb von Frauenau am Saum einer in Kurven steil ansteigenden Gemeindestraße liegt. Durch einen Zufall hat die Kapelle auf der Zell ihr ganz spezielles Innenleben bekommen: Chassis und Karosserie eines Volkswagen-Kleinbusses wurden zum statischen, äußere Gestalt und Innenraum prägenden Element des ausgeführten Baus. Zunächst ist das „Auf-die-Schnauze“-Stellen eines Kraftwagens nicht viel mehr als ein Happening, 1968 durchaus en vogue, in dem Dörfchen Frauenau, fern den Metropolen der Kunstwelt, aber ganz unerhört. So kam es, dass der weit gereiste VW-Bus in Frauenau an das Ende seiner Reise gelangt war, wie Jahrhunderte davor der Gründer Frauenaus, der Mönch Hermann, der es gewagt hatte, aus der Sicherheit der Rinchnacher Klostergemeinschaft auszubrechen, und der den Berichten nach „auf der Zell ob Frauenau“ im Jahr 1324 seine Zelle erbaute. Eine pfiffige Erinnerung an den Mönch und auch an Hermann Koller. Nicht nur für Kulturinteressierte, die sich in Frauenau aufhalten, durchaus einen Besuch wert.

(Melanie Bäumel)

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