Unser Bayern

Die Befreiungshalle auf dem Michelsberg oberhalb der Stadt Kelheim in Niederbayern. (Foto: dpa)

26.07.2013

Im Zeichen der 18

Ein neuer Multimedia-Guide führt durch die Geschichte der Befreiungshalle in Kelheim

Während seiner Griechenlandreise im Jahr 1836 besuchte König Ludwig I. die Ruinen des antiken Tiryns. Wenige Jahre zuvor hatte sein Sohn Otto nach dem Unabhängigkeitskampf der Griechen gegen das türkische Joch seine vom Vater lancierte Mission als König von Griechenland im nahegelegenen Nauplia begonnen. Nun stand Ludwig, der bekennende Philhellene und Franzosenhasser, in Tiryns und verglich das Schicksal des griechischen und des deutschen Volkes. In diesem Moment soll ihm erstmals der Gedanke gekommen sein, ein Denkmal zu errichten, das an die Kämpfe Deutschlands gegen die französischen Unterdrücker, an „Teutschlands Errettung", erinnern sollte. Die Idee zur Befreiungshalle war geboren. Sogleich beauftragte der König den Architekten Friedrich von Gärnter, der dem königlichen Tross in Griechenland angehörte, einen geeigneten Bauplatz ausfindig zu machen.

Im Frühjahr 1838 war dann ein wahrlich sensationeller Standort gefunden: Der Michelsberg bei Kelheim. Seit 150 Jahren ragt nun der imposante Rundbau der Befreiungshalle über das Land – in beherrschender Lage auf einem Felsplateau in 126 Metern über dem Donaudurchbruch platziert. Sehr bewusst hatten Bauherr und Architekt diesen Ort gewählt. Abgesehen von seiner spektakulären Lage war er auch praktisch, weil er unweit des Main-Donau-Kanals lag, auf dem sich Baumaterial transportieren ließ.

Der schon in prähistorischer Zeit besiedelte Michelsberg war aber auch ein geschichtsträchtiger Ort. Dort befand sich einst die größte keltische Stadtanlage Europas, später in unmittelbarer Nähe der Limes. Die Nachbarschaft zur nur 30 Kilometer entfernten Walhalla, dieses ebenfalls von Ludwig I. errichteten Nationaldenkmals, kam zudem gelegen.

Der König wünschte sich im Inneren des Monuments einen Kreis von Siegesgöttinnen – damit war für den Architekten ein Rund- oder Zentralbau vorgegeben. Gärtner lieferte verschiedene Entwürfe. Zur Ausführung kam schließlich ein 18-eckiges Polygon. Damit entsprach Gärtner einem weiteren Anliegen des Königs, der an dem Bau die Zahl 18 bzw. ihr Vielfaches als Symbol für die Befreiung Deutschlands verwirklicht sehen wollte. Denn am 18. Oktober 1813 hatten die verbündeten Armeen von Preußen, Russland, Österreich, England und auch Bayern in der Völkerschlacht von Leipzig gegen die Franzosen gesiegt, am 18. Juni 1815 war Napoleon bei Waterloo endgültig geschlagen worden. Am 18. Oktober 1842 wurde die Walhalla feierlich eröffnet, einen Tag später fand die Grundsteinlegung für die Befreiungshalle statt. Der König, zahlreiche Mitglieder der königlichen Familie, Vertreter des Hochadels, Ehrengäste, Bürger und 200 Veteranen der Feldzüge gegen Napoleon waren zugegen.

Um mit dem Bau beginnen zu können, musste zunächst eine Straße gebaut und das Gelände eingeebnet werden. Im Frühjahr 1843 konnte dann im felsigen Untergrund mit den komplizierten Fundierungsarbeiten begonnen werden. Massive Gewölbe mussten errichtet werden, um die starken Mauern des fast 52 Meter hohen Baus zu tragen. Die drei Sockelstufen und der Unterbau waren so gut wie fertig, als das Baugeschehen wegen des unerwarteten Todes von Friedrich von Gärtner am 21. April 1847 ins Stocken geriet. Doch wenig später kam sein Konkurrent zum Zug: Ludwig berief Leo von Klenze zum Nachfolger des Verstorbenen. Klenze lieferte neue Varianten zu den Entwürfen Gärtners und diskutierte sie mit dem König. Der Bau der Grundmauern schritt zügig voran, bis Ludwig I. infolge der Märzunruhen und wegen seiner Beziehung zu Lola Montez am 20. März 1848 auf den Thron verzichten musste. Die Arbeiten an der Befreiungshalle wurden eingestellt.

Doch Ludwig wollte sein Projekt nicht aufgeben: „Ich will es vollenden, habe bereits die Weisung dazu ertheilt, freylich in längerer Zeit und minder kostbar, doch großartig und würdig wird es." Klenze durfte weiterbauen. Die Bedingung war freilich, dass der Architekt die Kosten von 3,5 auf 1,5 Millionen Gulden verringern musste. Aus seiner Privatschatulle steuerte der König jährlich 100 000 Gulden bei. Klenze verhandelte geschickt und kaufte günstig ein. Marmor orderte er nicht mehr in Südtirol, sondern in Carrara. Dies war wesentlich kostengünstiger, weil der Carrara-Marmor von Livorno auf dem Seeweg nach Holland, dann auf dem Rhein, dem Main und dem neuen Kanal direkt nach Kelheim verschifft werden konnte. Der Hauptbau wurde nicht wie vorgesehen aus Kalkstein, sondern aus Ziegelsteinen gebaut, die verputzt und in verschiedenen Schattierungen bemalt wurden... (Eva Meier)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Juli/August-Ausgabe von Unser Bayern!

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