Unser Bayern

Mit ihren bizarren Felstürmen ist die Fränksiche Schweiz eine besondere Herausforderung für Kletterer. (Foto: dpa)

25.07.2014

Kraxeln im Team

Im 19. Jahrhundert begannen die Eroberungszüge der Wander- und Klettervereine durch den Frankenjura

Die Kletterfelsen im Frankenjura sind heute ein Paradies der Kletterer. Aus aller Welt kommen sie hierher, um an den Dolomitfelsen des Frankenjura herumzuturnen. Sportlich geklettert wird hier seit mehr als 100 Jahren, und seit dieser Zeit gibt es auch Vereine, die sich das Felsklettern auf ihre Fahnen geschrieben haben.

Bevor fränkische Naturfreunde und Kletterer diesen Sport betreiben konnten, mussten einige Voraussetzungen erfüllt sein: Die Naturfreunde benötigten, um ihrem kräftezehrenden Sport nachgehen zu können mehr Freizeit und mehr, also kürzere Arbeitszeiten und höhere Arbeitslöhne. Und außerdem ein Gefährt, das sie in die Fränkische Schweiz beförderte. Diese Voraussetzungen erfüllten sich bald nach 1880.

Der Frankenjura liegt östlich der Nord-Süd-Linie Bamberg-Forchheim-Erlangen-Nürnberg. Wie kamen die Kletterer am Sonntag dort hinaus? In erster Linie mit der Eisenbahn, erst sie erschloss ihnen diese Ziele. Die große Verbindung Nürnberg-Bamberg kam 1844 zustande. Seit 1859 konnte man von Nürnberg über Hersbruck nach Hartmannshof fahren, seit 1877 bestand eine Verbindung über Hersbruck und weiter durchs obere Pegnitztal. Da ergaben sich für Wanderer und Kletterer viele Möglichkeiten. Seit 1894 konnte man von Nürnberg oder Erlangen nach Gräfenberg reisen, von dort war das Trubachtal leicht zu Fuß zu erreichen. Die Bahnverbindung von Forchheim nach Kirchehrenbach und Ebermannstadt entstand jedoch erst 1891. Von dort ergaben sich Wandertouren zu den Felsen auf der Ehrenbürg. Die Fortsetzung von Ebermannstadt nach Behringersmühle ließ dann allerdings noch viele Jahre auf sich warten.

Um diese Zeit begann eine neue Erfindung sich bei der arbeitenden Bevölkerung rasch durchzusetzen: das Fahrrad – und zwar weniger als Fortbewegungsmittel, sondern als Sportgerät. Obendrein ein recht teures: Um 1900 kostete ein gutes Rad noch immer um die 170 Mark, weit mehr als einen Monatslohn.

In den fränkischen Städten entstanden in den letzten Jahren vor und nach der Jahrhundertwende Klettervereine, in denen aber nur eine Minderheit regelmäßig zum Klettern ging. Es gab viele andere Sportvereine, in denen Einzelne zumindest gelegentlich kletterten. Der Verein „Die Naturfreunde" gehörte mit dazu, die Nürnberger Sektion zählte 1914 fast 700 Mitglieder.

Es folgten später weitere Alpenvereinssektionen und eine Vielzahl von kleineren Vereinen, die sich dem Bergsport verschrieben hatten. Anlässlich der Gründung der Sektion Mittelfranken des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins Anfang Juni 1902 fanden sich in Nürnberg „16 bergfrohe Männer" zusammen. In diesen Vereinen versammelten sich zunächst Menschen aus derselben sozialen Schicht. Aus der Mitgliederliste dieses Vereins (1906) ergaben sich folgende Berufe: Kaufmann, Baumeister, Fotograf, Tapezier-Meister, Schneider; es gab unter ihnen mehrere Kaufleute und Beamte, also allesamt Angehörige von bürgerlichen Berufen. Einer aus ihrer Mitte fand im August 1913 den Bergtod am Predigtstuhl im Wilden Kaiser.

Nach 1900 bildete sich eine Vielzahl von Touristenclubs, die sich das Wandern und Klettern ausdrücklich in ihre Satzungen geschrieben hatten. Viele dieser Wander- und Klettervereine führten die Abkürzung TC für Touristen-Club, in ihrem Namen. Der Begriff „Tourist" bezog sich damals nicht auf einen Urlaubsreisenden, sondern auf einen Wanderer oder Bergsteiger.

Viele Vereinssatzungen sind erhalten, sie ähneln einander inhaltlich stark. Als ihre Bestimmungen wurden festgehalten, die Mitglieder zu gemeinsamen „Sektionsausflüge mit Kletterübungen" zu führen. Dabei sollte „den Freunden dieses Sportes Gelegenheit geboten [werden], ihre Kräfte für Alpenreisen zu stählen und das in der Heimat Geübte in den Alpen nutzbringend zu verwerten", hieß es zum Beispiel bei der Sektion Turnverein des DAV. Einige der größeren Vereine besaßen eigene Berghütten im Frankenjura und in den Alpen.

Die meisten dieser Vereine waren klein. Mehrere hundert Mitglieder, oder sogar mehr als tausend, hatten allerdings die verschiedenen Sektionen des Alpenvereins; die anderen Tourenclubs hingegen zählten selten mehr als 20 Mitglieder. Einige dieser frühen Wander- und Klettervereine gaben sich ulkige Namen: T. C. Schwindelfrei, T. C. Alpenrose und T. C. Pfeilgrod, T. C. Almbrüder. In den Statuten des Touristen-Klub „Schwindelfrei Nürnberg" aus dem Jahr 1906 – gegründet wurde der Verein zwei Jahre früher – heißt es: „Zweck, den Wander- und Klettersport zu pflegen, sowie durch geselliges Beisammensein an Sonntagen den Mitgliedern Unterhaltung zu bieten". Der Mitgliedsbeitrag wurde auf monatlich 50 Pfennige festgesetzt; andere Vereine verlangten einen Monatsbeitrag von 40 Pfennig, Frauen zahlten in vielen Vereinen nur die Hälfte. Die Satzungen des Touristen-Clubs „D’ Bergfex’n Nürnberg", gegründet 1912, bekannten sich in § 1 zu ihrem Interesse für Natur und Geselligkeit. § 2 nennt als künftige Mitglieder „Herr und Dame" ab 18 Jahren. Der Touristenclub „T.C. Enzian", zuvor einfach die „Kraxler" genannt, bezeichnete es als den Zweck dieses Vereins, „die Touristik, sowie den Kletter- und Wintersport zu pflegen" (§ 2).

Aufschlussreich sind die Tourenbücher einiger dieser Vereine: Im „Touren-Bilderbuch T.C. D’ Gipfelstürmer Nürnberg" heißt es, dieser Verein wurde am 1. November 1908 von zehn Personen gegründet. Genau zehn Teilnehmer hatte auch die Osterwanderung, vom 10. bis 12. April 1909. Weiter liest man von einer sonntäglichen Tour, zu der die Wandergruppe um 5.17 Uhr von Nürnberg nach Hersbruck fuhr und sich dann zu Fuß nach Kleedorf aufmachte, dann weiter zog über das „Alte Schloß" – eine Felspartie, wo einige hinaufkletterten – weiter ins Pegnitztal zu den Rifflerfelsen, auch sie wurden erstiegen, vermutlich von der Bergseite her. Bei ihrer 21. Tour (23. Mai 1909) fuhren die Mitglieder dieses Vereins mit der Bahn um 5.35 Uhr von Nürnberg ab, wanderten zum Glatzenstein und weiter zum Bolzenstein unterhalb des Hohensteins. Auf der 35. Tour (26. Juni 1909) fuhren sie in Nürnberg um 5.26 Uhr Richtung Gräfenberg ab, einige von ihnen erstiegen den „Fürther Turm", einige den „Mönch". Die 34. Tour des Jahres 1913 (11. bis 13. September) führte sie in die Sächsische Schweiz... (Manfred Vasold)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Juli/August-Ausgabe von Unser Bayern (BSZ Nr. 30 vom 25. Juli 2014)

Abbildung (Foto: Stadtarchiv Nürnberg)

Der Bolzenstein im Sittenbachtal ist mit 15 Metern zwar nicht sehr hoch, gehört aber wegen seiner Form zu den beeindruckendsten Türme des Frankenjuras. Erstmals wurde er 1905 erklommen, die Aufnahme stammt von 1909.

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