Unser Bayern

Konstantin Fritz mit einem der Gemälde seines Großvaters und einem Enkel des porträtierten Maharajas.

04.01.2013

Märchenhafter Job

Ein Dokumentarfilm über Hannes Fritz-München, der einst Maharajas porträtierte

Ein bisschen wurde dieses Klischee von 1001 Nacht für Hannes Fritz-München Wirklichkeit, als er zwischen 1932 und 1937 in Indien den Hofmaler der Maharajas gab: Er durfte in Palästen fürstlich-verwöhnt wohnen, die sich oft gottgleich gebärdenden Maharajas tanzten nach seiner Pfeife, wenn er sie vor der Staffelei dirigierte. Ihm gingen die Augen schier über in dieser Welt aus Gold, Silber und Edelsteinen. Diesen Prunk trugen die Fürsten gerne auch an ihrer Gewandung zur Schau – Fritz-München malte sie, und zwar in einer unaufdringlichen, geradezu selbstverständlichen, würdevollen Eleganz. Die Porträtierten mussten bei Fritz-München auch nicht fürchten, neumodisch interpretiert zu werden. Der Maler erledigte Auftrag um Auftrag und wurde dafür silbersackweise entlohnt.
Einige der Gemälde hängen noch in den Palästen, Enkel Konstantin Fritz hat sie ausfindig gemacht – er kannte sie bis dahin nur von Schwarzweiß-Filmen her. Diese hatte auch sein Großvater gedreht – und sie sind im Vergleich zu den „Staatsporträts“ die viel spannenderen Dokumente, die diese anachronistisch elitäre Lebenswelt am Vorabend der Unabhängigkeit Indiens von Großbritannien erahnen lassen. Dazu Fotografien, schriftliche Erinnerungen, obendrein aktuelle Reiseimpressionen von Orten, an denen sein Großvater wirkte sowie Gespräche mit Nachfahren der Maharajas ebenso wie mit den Söhnen des Malers: Konstantin Fritz hat das mit Walter Steffen (Buch, Regie, Produktion) und Christoph Ißmayer (Kamera) zu einem Dokumentarfilm mit Roadmovie-Zügen verwoben (90 Minuten).
Angesichts der sehr persönlichen Motivation zum Film München in Indien, der mit der aufsatzhaften Quintessenz „was ich aus dem Leben meines Großvaters lernen kann“ endet, ist kein historisch-kritisches Panorama Indiens entstanden: der filmische Fokus wiederholt den engen Blick von Hannes Fritz-München in dessen eigenen Streifen. Fritz fühlte sich in der kleinen Clique Privilegierter wohl, von der er allerdings auch kaum mehr als den schönen Schein erlebte – durfte oder wollte er gar nicht hinter die Kulissen schauen? Und die Impressionen von Überlandfahrten haben allesamt die Ästhetik des zauberhaft Pittoresken. Der Maler machte keinen Hehl aus seiner Motivation: er wollte Geld verdienen – und da verbot sich die Infragestellung der Geldgeber.
Eine einträgliche „Brotkunst“ war ihm das – der Stadt München legte er das Geld für eine Villa am Starnberger See bar auf den Tisch. Dann endeten die Aufträge abrupt, weil es Indiens Fürsten nicht mehr schicklich fanden, einen Maler aus Nazi-Deutschland zu engagieren. Mit dem kam Hannes Fritz-München nach seiner Rückkehr trotz strategischer NSDAP-Mitgliedschaft nicht groß ins Geschäft. Da waren erst die amerikanischen Besatzungssoldaten nach 1945 wieder empfänglich für den Geschäftssinn des ehemaligen Bankangestellten, der erst als Endzwanziger zum Künstlerberuf gefunden hatte: Bilder barbusiger Pinup-Girls ließen sich in der Nachkriegszeit gut eintauschen und verkaufen.
Das märchenhafte Indien aber bewahrte sich der letztlich unbekannt gebliebene Maler auch am Starnberger See: In einem „indischen Raum“ konnte er Erinnerungen nachhängen. Zeitlebens verfolgte ihn obendrein, was ihm ein „heiliger Mann“ Indiens prophezeit hatte: Er werde nicht älter als 60 Jahre. Der 1896 Geborene starb 1981. (Karin Dütsch)

Einen Online-Kommentar verfassen - so geht's

Scrollen Sie einfach ans Ende des Artikels, den Sie kommentieren wollen und geben Sie Ihre E-Mail-Adresse und einen nickname an. Die Nennung Ihres Namens ist freiwillig. Für die Nutzer sichtbar ist in jedem Fall NUR der nickname. Sie müssen sich auch nicht auf unserer Homepage anmelden. Aber unsere Netiquette akzeptieren. Und schon können Sie loslegen!

Kommentare (0)

Es sind noch keine Kommentare vorhanden!

Neuen Kommentar schreiben

Die Frage der Woche

Frage der Woche KW 3 (2017)

 Soll für Fleisch und Milch ein höherer Mehrwertsteuersatz gelten?

Umfrage Bild
 

Lesen Sie dazu in der Bayerischen ­Staatszeitung vom 20. Januar 2017 auch die Standpunkte unserer Diskutanten:

Maria Krautzberger, Präsidentin des Umweltbundesamts

(JA)


Helmut Brunner (CSU), bayerischer Umweltminister

(NEIN)

arrow
Facebook
Vergabeplattform
Vergabeplattform

Staatsanzeiger eServices
die Vergabeplattform für öffentliche
Ausschreibungen und Aufträge Ausschreiber Bewerber

Jahresbeilage 2016

Ausgabe vom
25. November 2016

Weitere Infos unter Tel. 089/290142-65 oder
per Mail an anzeigen@bsz.de

Download (PDF, 27 MB)

E-Paper
Unser Bayern

Die kunst- und kulturhistorische Beilage der Bayerischen Staatszeitung

Unser Bayern

LesenNachbestellen
Shopping
Anzeigen Mediadaten
eaper
E-Paper
ePaper
zum ePaper
Abo Anmeldung

Benutzername

Kennwort

Bei Problemen: Tel. 089 – 290142-59 und -69 oder vertrieb@bsz.de.