Unser Bayern

Johann Lucas Schönlein gilt als Mitbegründer der Inneren Medizin. (Foto: Staatsbibliothek Bamberg/Gerald Raab)

20.12.2013

Scharfsinniger Beobachter

2014 jährt sich der 150. Todestag von Johann Lucas Schönlein, einem Mitbegründer der Inneren Medizin

In der Umbruchszeit um 1800 lebten oder weilten in Bamberg nicht nur herausragende Geister aus dem Bereich der Literatur, wie E.T.A. Hoffmann, Hölderlin, August Wilhelm und Caroline Schlegel, oder der Philosophie, wie Hegel und Schelling – sondern auch der Naturwissenschaften, insbesondere der Medizin, wie Adalbert Friedrich Marcus. Der wohl Bedeutendste unter den Medizinern war Johann Lucas Schönlein, der lange Zeiten seines Lebens in der Stadt verbrachte. Er sollte noch Leiter der Medizinischen Klinik am Juliusspital in Würzburg werden, Professor und Klinikchef in Zürich und Berlin sowie Leibarzt von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen. Er behandelte unter anderen Georg Büchner sowie Alexander von Humboldt, mit dem er befreundet war. Schönlein begründete mit Kollegen die Innere Medizin. Und er war es, der das Krankheitsbild der Tuberkulose wissenschaftlich festschrieb.

Nach den Erwartungen seines Vaters, des Hofseilermeisters Thomas Schönlein, hätte der am 30. November 1793 in Bamberg geborene Johann – der sich 1816 anlässlich seiner Promotion den zweiten Vornamen Lucas zulegte, nach dem Evangelisten und „legendären" Arzt – einmal die väterliche Seilerwerkstatt in der Bamberger Königstraße übernehmen sollen. Aber die Mutter Margarethe war dagegen, litten doch die Mitglieder dieser Zunft häufig am sogenannten Seilerhusten, ausgelöst durch den Staub in ihren Werkstätten. Davor wollte sie ihr einziges Kind bewahren. Der Vater und der Großvater Johanns sind an dieser Berufskrankheit gestorben. Daher unterstützte die Mutter das Streben ihres Sohnes nach höherer Bildung und befürwortete seine häufigen Aufenthalte auf dem Land, nämlich bei ihren Verwandten in Lohndorf im Ellertal, 14 Kilometer westlich von Bamberg. So wurde Johann Schönlein von Kind an zur Auseinandersetzung mit gegensätzlichen Parametern herausgefordert: Stadt und Land, geistige und handwerkliche Tätigkeit.

Bereits in den ersten Schuljahren soll die Begabung des Schülers positiv aufgefallen sein. Er besuchte die traditionsreiche Lehranstalt in der Bamberger Theuerstadt, wo einst ein unvergessener Pädagoge und Dichter des Mittelalters, Hugo von Trimberg, gewirkt hatte. Einen Erstdruck seiner Schrift Der Renner aus dem Jahr 1549 erwarb Schönlein, der sich im späteren Ruhestand heimatkundlichen Themen zuwandte, für seine umfangreiche Bibliothek.

Als Schüler wurde Johann von seinem Lehrer Rudolf Metzner maßgeblich geprägt: Dieser begeisterte ihn dafür, vor allem in der Umgebung von Lohndorf seltene Steine, Fossilien, Pflanzen und Insekten zu sammeln. Schönlein tat dies an Stellen, die heute noch Wissenschaftler und Laien faszinieren: an Wiesenterrassen, Waldhängen, Höhlen und Bachläufen. Bei Tiefenellern wurde in den 1950er Jahren sogar eine Höhle mit Resten aus der Jungsteinzeit gefunden. Die von Fachleuten als Kalksinterbäche bezeichneten Formationen zwischen Lohndorf und Tiefenellern sollen demnächst sogar in das Netz europäischer Naturschutzgebiete „Natura 2000" aufgenommen werden; denn über die Zeiten hinweg haben die Bäche dieses Tals Kalkbecken auf Tuffsteinterrassen wachsen lassen, welche pittoreske sowie geologisch und biologisch wertvolle Kaskaden bilden.

Anscheinend konnte Schönlein auch den Lohndorfer Pfarrer für die Sammlungen begeistern, denn er bekam dafür im Pfarrhaus zeitweise ein eigenes Zimmer zur Verfügung gestellt.

Johann Schönleins Gymnasium befand sich in den Gebäuden der 1803 gerade erst säkularisierten fürstbischöflichen Akademie bzw. Universität in der heutigen Straße „An der Universität" (Hausnummern 5 und 7). An dieser früheren Universität wurde 1749 durch Anstellung des Professors Christian Wilhelm Schwarz der Grundstein zu einer medizinischen Fakultät gelegt. Vier weitere Kollegen kamen bis 1774 dazu. Der Unterricht dort blieb aber zu theoretisch und verbesserte die medizinische Versorgung der Bevölkerung kaum. Der „Genius Loci" schien immerhin weiterzuwirken; denn mit Schönlein ging ja ein viel beachteter, praktisch orientierter Arzt aus der gymnasialen Bildungsanstalt hervor ... (Stefan Fröhling/ Andreas Reuß)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Dezemberausgabe von Unser Bayern ! (BSZ Nr. 51/52 vom 20. Dezember)

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