Unser Bayern

Herzstück der Sammlung ist der Römerschatz. (Foto: Kohl)

24.02.2012

Schatzgräberstimmung

Viele Abteilungen des Straubinger Gäubodenmuseum wurden umorganisiert, die Exponate sind neu präsentiert


Im alten Straubinger Stadtkern, nicht weit vom Stadtturm der niederbayerischen Metropole, findet man das Gäubodenmuseum, das sich im Laufe der Jahre über drei Häuser erstreckt – den Haupteingang markiert eine Römermaske. Früher residierte an dieser Adresse in der Fraunhoferstraße „Likör-Fischer", in den 1960er Jahren betrieb dort Hans-Jürgen Buchner alias Haindling seine Töpferwerkstatt, er ist nicht nur Musiker, sondern auch ein mit dem bayerischen Staatspreis augezeichneter Keramiker.

Die Idee zum Museum geht auf Eduard Wimmer zurück. Er war Hauptmann der Bayerischen Armee und von 1878 bis 1888 in Straubing stationiert. Er begeisterte sich für die historischen Bestände im Stadtturm, die vor allem aus dem ehemaligen Zeughaus stammten, weshalb Militärisches den Schwerpunkt bildete. Wimmer gelang es, die Gegenstände unter konservatorisch besseren Bedingungen in einem Anbau des Stadtturms neu zu präsentieren, er gab sogar einen Katalog dazu heraus. An Wochenenden und Festagen war der Raum für Publikum geöffnet.

Aber das Bemühen um eine wissenschaftlich greifbare „historische Sammlung" dümpelte vor sich hin – vor allem nachdem Wimmer Straubing verlassen hatte. Erst die Gründung des Historischen Vereins für Straubing und Umgebung im Jahr 1898 setzte ein entsprechendes Engagement wieder in Gang. Durch die Tätigkeit des Vereins, dessen Vorstände durchwegs ehrenamtlich bis 1982 das Museum leiteten, wurden die vorgeschichtlichen und römischen Bestände erweitert, die archäologische Lokalforschung wurde schwerpunktmäßig ausgebaut. Nach 1900 kamen neue Sammlungsgebiete hinzu, wie Volkskunst und religiöses Brauchtum.

1908 zog das Museum wegen des zunehmenden Platzbedarfs in das ehemalige Patrizierhaus Fraunhoferstrasse 9 um. Schon damals wurde die Sammlung vom Generalkonservatorium in München, dem Vorläufer des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, als kunst- und kulturgeschichtlich hochkarätig eingestuft. Dabei war der sensationelle Römerschatz noch nicht gefunden, das sollte erst 1950 geschehen.

1921 wurden unter Vereinsvorsitz und Museumsleitung von Josef Keim die Räumlichkeiten wiederum erweitert und neu geordnet. Mit insgesamt 25 Räumen, teils chronologisch, teil thematisch organisiert, eröffnete das Museum am 14. August 1938 unter der neuen Bezeichnung Gäubodenmuseum. Krieg und Nachkriegszeit ließen den weiteren Museumsausbau stagnieren. Bis in die 1960er Jahre änderte sich nichts daran, lediglich für den1950 gefundenen Römerschatz wurde ein eigener Raum eingerichtet.

Unter Keims Nachfolger Adalbert Scherl (ab 1971) wurde ein Gesamtkonzept für das Museum erarbeitet. Motivierend war die erfolgreiche Sonderausstellung Sorviodurum – Strupinga – Straubing. Entwicklung einer Stadt, die der Historische Verein 1973 anlässlich seines 75-jährigen Bestehens erarbeitete. In der Folge machte man sich an die Modernisierung und Neuordnung des Museums. Zunächst kam 1974 die volkskundliche Abteilung dran.

1977 erfolgte die vorläufig letzte Erweiterung. Die Umbaumaßnahmen und museumstechnischen Erneuerungen im Museum dauerten viele Jahre – erst im Mai 2011 wurden sie weitgehend abgeschlossen. Das Museum ist nun in den meisten Bereichen auf dem neuesten Stand. Es wurde für den barrierefreien Zugang gesorgt und der Besucher kann nun einen „bremsfreien" Rundgang durch das ganze Museum machen. Es wird ein museumspädagogisches Konzept erarbeitet, abhängig von den finanziellen Möglichkeiten soll das Angebot des Museums kontinuierlich weiter entwickelt werden. Dank des aktiven Historischen Vereins verfügt das Gäubodenmuseum über eine hervorragende archäologische Sammlung, die seit 1978 vom Stadtarchäologen Johannes Prammer geführt wird; Prammer leitet seit 1982 das Gäubodenmuseum – und zwar nicht mehr ehrenamtlich wie seine Vorgänger. Dem Wissensschaftler geht es seither um die Aktualisierung der Museumspräsentation, dabei liegt ihm vor allem die Rezeption am Herzen.

Schmuckstück des Museums ist heute die Römerabteilung. Durch den Römerschatz, den Sensationsfund des Jahres 1952, verfügt das Museum über einen einzigartigen Bestand an Exponaten aus dieser Epoche. Der Bericht seiner Entdeckung liest sich wie ein Schatzgräberabenteuer: Im Herbst 1950 fanden Bauarbeiter auf dem Gelände eines Landguts am Rande Straubings eisernes Werkzeug und einen umgestülpt im Boden liegenden schlichten Kupferkessel. Ungeduld siegte über archäologische Umsicht: Mit Spitzhacke und Blechschere wurde der Kessel aufgerissen und der Inhalt herausgeholt; das ging nicht schadensfrei ab.   (Ines Kohl)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Februar-Ausgabe von Unser Bayern.

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