Unser Bayern

Vor allem in Freilichtmuseen, wie hier auf der Glentleiten, kann man nicht nur anhand historischer Fotografien, sondern oft auch „live“ verfolgen, wie Meiler aufgebaut werden. Was heute jedoch idyllisch anmutet, war früher ein „schmutziges“ und überaus gesundheitsschädliches Metier. Obendrein gehörten die Köhler zu den „unehrenhaften“ Leuten. (Foto: Freilichtmuseum Glentleiten)

25.10.2013

Schwarzes Handwerk

Serie "Aktenkundig": Bis zum 18. Jahrhundert war Holzkohle unentbehrlich, die Köhler waren aber wenig geschätzte Außenseiter

Im Jahr 1568 sah sich der bayerische Herzog Albrecht gezwungen, in der „Bayerischen Vorstordnung" die Nutzung der Wälder seines Herzogtums zu regeln. Dabei wurde auch die Anweisung von Stammholz für die Erzeugung von Holzkohle reglementiert. Denn ohne Holz ging bis zum Ende des 18. Jahrhundert nichts. Energieintensive, holzfressende Gewerbe wie Salinen, Glashütten, Ziegeleien oder Bäckereien, Brauereien und Färbereien benötigten riesige Mengen an Brennholz. Zur Verhüttung von Erzen und zur Verarbeitung von Eisen war Holzkohle unverzichtbar. In der Summe führte dies bereits zu Beginn der Frühen Neuzeit zu einem ersten regionalen Holzmangel. Um der drohenden Holznot entgegenzuwirken, wurden landesherrliche Ordnungen erlassen und die Nutzung der Wälder strikt geregelt.

Mit dem Passus über die Köhlerei erschwerte der bayerische Landesherr das harte und entbehrungsreiche Leben der Köhler zusätzlich. Die Forstordnung legte nämlich fest, welches Holz die Köhler als Kohlholz verwenden sollten: „… wiewol man das Kollen nit abschaffen kan, inn bedenckung, das die Handwerchsleut bey Stetten und Märckten dessen gar nicht manglen können, sol doch den Vorstern und Knechten, hiemit ernstlich und bey unnachläßlicher straff bevolhen sein, das sie den Kollern nur wintwürff, abgestanden und dergleichen holtz, dardurch den Wälden und Gehültzen am wenigisten schaden geschehen mag, umb ein gebürlich gelt abgeben, damit von des Kholens wegen des stehenden schönen holtz, so mit mehrerm nutz gebraucht werden kan, verschont, und nit wie bißher one underschied unnd abscheuch beschehen, abgeschwendt, auch das gelt, so durch die Vorster von den Kolern eingenommen, uns trewlich verrechnet werd".

Die Köhler sollten das Holz verwenden, das als Bau- oder Werkholz unbrauchbar war. Gute Holzkohle ließ sich aber nur aus guten, luftgetrockneten Holzscheiten herstellen. Die landesherrliche Vorschrift blieb daher auch weitestgehend Theorie.

Für die Gewinnung von Holzkohle wurden, vor allem in den Bergbaugebieten oder in den Schmiedezentren, wie in Dießen am Ammersee, wo hauptsächlich der Klosterforst schwer unter der Köhlerei litt, ganze Wälder abgeholzt und Meiler um Meiler zu Holzkohle gebrannt. Die Holzkohle, die heute für einen Großteil der Bevölkerung nur mehr als Grillkohle oder als Kohletabletten Bedeutung hat, war tatsächlich auch in Bayern bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Brennstoff bei der Erzverhüttung unentbehrlich. Steinkohle wurde zwar bereits abgebaut, ließ sich aber in der Metallurgie nicht einsetzen, da der Schwefel der Steinkohle die Schmelze verdarb.

Man sollte meinen, dass die Köhlerei, die ein unentbehrliches, in riesigen Mengen benötigtes Produkt hervorbrachte, ein angesehenes und ehrenwertes Gewerbe gewesen sein müsste. Genau das Gegenteil war der Fall. Die Köhler gehörten wegen ihres schmutzigen, rußigen Gewerbes, wegen ihrer oft nicht sesshaften Lebensweise fernab der bäuerlich-dörflichen Bevölkerung zu den „unehrlichen" Leuten.

Das Gewerbe war in Bayern nicht organisiert, es gab keine regelrechte Ausbildung. Das Können und die Erfahrung der Köhler wurden daher in den Familien von Generation zu Generation direkt weitergegeben. In einigen Fällen haftete das Gewerbe an einer Hofstelle und wurde im Nebenerwerb ausgeübt. Das Weißenbachgütl aus Rottau im Landkreis Traunstein ist ein typisches Beispiel. Die Köhlerei leistete dort vom ausgehenden 17. bis Ende des 19. Jahrhunderts einen wichtigen Beitrag zum Lebensunterhalt. 100 Klafter (etwa 300 Ster) Holz wurden dort jährlich verkohlt. Das Forstamt Marquartstein wies genau an, welches Holz verwendet werden durfte. Die Kohlen mussten an das Berg- und Hüttenamt Bergen verkauft werden. Im Durchschnitt brannte der Weißenbacher Köhler zwei Meiler pro Saison. Heute gibt das Weißenbachgütl im Freilichtmuseum Glentleiten Auskunft über die Köhlerei als bäuerlichen Nebenerwerb. Die meisten Köhler ernährten sich jedoch ausschließlich von dieser Tätigkeit... (Elisabeth Weinberger)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Oktober-Ausgabe von Unser Bayern (BSZ Nr. 43 vom 25. Oktober 2013)

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