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Ausschnitt aus dem Plan von Wallensteins Lager bei Zirndorf. Gesamtansicht im Beitrag. (Foto: Staatsarchiv Nürnberg/bavarikon)

24.02.2017

Showdown der Feldherrn

Serie Bavarikon-Schätze: Ein Plan von Wallensteins Lager bei Zirndorf

Im Sommer 1632 trafen die beiden wohl bekanntesten Protagonisten und fähigsten Feldherren des Dreißigjährigen Kriegs vor Nürnberg zum ersten Mal aufeinander: Der schwedische König Gustav Adolf II. und Albrecht von Wallenstein. Gustav Adolf hatte durch seine Invasion in Norddeutschland zwei Jahre zuvor die beinahe aussichtslos erscheinende Sache der Protestanten im Reich vorerst gerettet. Sein Siegeszug durch Deutschland kam allerdings im Gebiet der fränkischen Reichsstadt ins Stocken. Verantwortlich hierfür war der zwischenzeitlich in Ungnade gefallene, aufgrund der schwedischen Erfolge aber reaktivierte kaiserliche Generalissimus Wallenstein.

Gustav Adolf quartierte sich Anfang Juli mit seiner 45 000 Mann starken Armee in der protestantischen Reichsstadt Nürnberg und einem befestigten Lager davor ein, um sich dem von Prag anrückenden Wallenstein entgegenzustellen. Wallenstein erreichte am 17. Juli das rund zehn Kilometer nordwestlich von Nürnberg gelegene Fürth und ließ im Gebiet zwischen beiden Städten ein Feldlager aufbauen, das rund 60 000 Personen aufnahm. Neben 50 000 Soldaten, darunter auch bayerische unter Kurfürst Maximilian I., waren der etwa 10 000 Personen umfassende Tross sowie rund 15 000 Pferde unterzubringen.

Das Lager, das den Ort Zirndorf vollständig umschloss, wurde innerhalb von nur drei Tagen fertiggestellt. Es hatte einen von Gräben begleiteten und mit Palisaden befestigen Wall von 16 Kilometern Länge, dem zahlreiche, zum Teil heute noch sichtbare Schanzen integriert und vorgelagert waren. Es gilt als größtes Feldlager der Militärgeschichte.

Weil auch alle wichtigen Festungen im weiteren Umkreis besetzt und somit die Zufahrtswege nach Nürnberg blockiert waren, saß Gustav Adolf in der Falle. Da seine Truppen zunehmend unter Versorgungsproblemen und Krankheiten litten, entschloss er sich am 3. September zum Angriff auf Wallensteins Lager. Dabei konzentrierte er seine erfolglosen Attacken auf die vorgelagerte, auf einem Hügel errichtete Alte Veste. Auch die unter hohen Verlusten erzielten Geländegewinne konnten wegen in der Nacht einsetzenden Regens nicht ausgebaut werden, und so zog sich der König wieder in sein Lager um Nürnberg zurück.

Zu einer weiteren Schlacht kam es vor Nürnberg nicht. Gustav Adolf zog seine Armee zwei Wochen später Richtung Süden ab.

Aus dem digitalen Fundus

Ob mittelalterliche Handschriften, Grafiken, Gemälde, Karten, Archäologisches: Über 210 000 digitalisierte Objekte aus allen möglichen Sparten hat www.bavarikon.de in seinem Fundus. In der Bayerischen Staatszeitung stellen wir Ihnen exemplarisch Digitalisate vor.

Zwei Jahre nach diesen Geschehnissen fertigten die aus Nürnberg stammenden Brüder Hans und Paul Trexel äußerst präzise und auf selbst durchgeführten Vermessungen basierende Karten von den Heerlagern Wallensteins und Gustav Adolfs an – doch ist nur die hier abgebildete erhalten. Sie hat Maße von 124 mal 171,5 Zentimeter und ist „gewestet“.

Neben der detaillierten Darstellung des Lagers mit den Truppenzelten der verschiedenen Kontingente sowie dem Hauptquartier Wallensteins (ein transportables Holzhaus) – umgeben von seinem Generalstab, der Kanzlei und den Zelten des gar nicht anwesenden Kaisersohns Ferdinand – finden sich darauf auch zahlreiche Vermerke zum Verlauf des Gefechts, in denen die strategischen und taktischen Einzelheiten erläutert werden.
Obwohl die Schlacht bei Zirndorf eher unentschieden ausgegangen war: Der Nimbus der Unbesiegbarkeit Gustav Adolfs II. war verloren. Wallenstein, inzwischen selbst von Versorgungs- und Geldproblemen gebeutelt, ließ den König zunächst gewähren, zwang ihn dann aber nach Sachsen. Am 16. November fand in der Schlacht von Lützen das zweite Aufeinandertreffen der beiden Feldherren statt, bei dem Gustav Adolf fiel. (Johannes Staudenmaier)

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