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Bustellis Arbeiten waren schon im 18. Jahrhundert Luxusprodukte. Sie sind es bis heute geblieben und werden in immer neuen Auflagen gefertigt. Hier eine Schaufensterdekoration mit den Figuren „chinesischer Priester“, „bittendes Chinesenkind“ und „betende Chinesin“. (Foto: Meier)

28.06.2013

Vollendete Eleganz

Der vor 250 Jahren gestorbene Franz Anton Bustelli verhalf der Nymphenburger Porzellanmanufaktur zu Weltruhm


Franz Anton Bustelli gilt als bedeutendster Porzellanfigurist des Rokoko. Umso erstaunlicher ist, dass wir über das Leben dieses vor 250 Jahren gestorbenen bedeutenden Künstlers so gut wie nichts wissen, außer dass er am 3. November 1754 in der „Churfürstlichen Porcelain-Fabrique" in München als Figurist, also Modellmeister, engagiert wurde. Diese Funktion hatte er achteinhalb Jahre lang bis zu seinem Tod am 18. April 1763 inne.

Im 18. Jahrhundert war Porzellan ein Luxusgut. Zwar wurde es in China längst hergestellt – die Fertigung in Europa war aber noch nicht gelungen. Der Durchbruch kam 1710, als Kurfürst August der Starke von Sachsen in Meißen die erste europäische Porzellanmanufaktur ins Leben rief. Der Münchner Hof wollte nicht nachstehen. Zwei Jahre nach seinem Regierungsantritt gründete Kurfürst Max III. Joseph am 1. November 1747 in Schloss Neudeck am Auer Mühlbach vor den Toren Münchens eine entsprechende Manufaktur.

Die ersten Probleme bei der Fertigung wurden rasch überwunden, bald überzeugten die Ergebnisse. Als Glücksfall sollte sich die Verpflichtung von Franz Anton Bustelli herausstellen, während dessen achtjähriger Schaffenszeit der Betrieb zu einem der angesehensten in Europa wurde. 1761 zog die Manufaktur von Neudeck in das Schlossrondell nach Nymphenburg, wo sich auch heute noch der weltweit einzige Produktionsstandort der Manufaktur befindet.

Über Bustellis Lebensweg und Werdegang vor Anstellung in der Münchner Manufaktur kann nur spekuliert werden. Wahrscheinlich stammt er aus dem Tessin. Da er flüssig in deutscher Schrift schrieb, muss er schon vorher länger im deutschsprachigen Raum gelebt haben. Auch seine künstlerische Ausbildung liegt im Dunklen. Man kann aber davon ausgehen, dass er schon früher in einer Porzellanmanufaktur – etwa in Wien – gearbeitet hat. Die Qualität seiner Arbeiten ist künstlerisch so anspruchsvoll, die anatomischen Kenntnisse sind so detailreich, dass auch vermutet wird, er habe eine Ausbildung als Bildhauer erfahren. Vielleicht war Bustelli in der Künstlerwerkstatt des Münchner Rokoko-Bildhauers Johann Baptist Straub (1704 bis 1784) beschäftigt. Stilistische Ähnlichkeiten der Werke Bustellis mit denen des Straub-Schülers Ignaz Günther (1725 bis 1775) lassen diese Annahme plausibel erscheinen, wenngleich sie nicht bewiesen ist.

Das Œuvre Bustellis umfasst rund 150 verschiedene figürliche Modelle aus weißem oder bemaltem Porzellan. Neben sakralen Motiven hat er Darstellungen von Vertretern der höfischen Gesellschaft oder volkstümlicher Berufe, Liebespaare, Repräsentanten fremder Völker, Putten, Jagdszenen, Allegorien, Büsten oder die Figuren der italienischen Komödie geschaffen. Das Bayerische Nationalmuseum in München darf den wichtigsten Bestand an Figuren dieses Künstlers weltweit sein eigen nennen. Außer den Porzellanfiguren kennt man keine Arbeit in einem anderen Material, die man Bustelli zuschreiben könnte... (Eva Meier)

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