Unser Bayern

Wie muss das Räumschild aussehen, damit der Schnee optimal von der Fahrbahn geschoben werden kann? Das war nur eine von vielen Fragestellungen, mit denen sich die Schneeforschungsstelle befasste. (Foto: Staatsarchiv München)

20.02.2015

Weiße Pracht unter der Lupe

Eine Schneeforschungsstelle in Inzell beschäftigte sich einst damit, wie Schnee von Straßen optimal beseitigt werden kann

Mal macht Schneemangel Schlagzeilen, dann sind es Schneemassen, die Winterurlauber jubeln lassen – aber die Helfer vom Winterdienst auf Bundesautobahnen, Bundes- und Landstraßen gehörig ins Schwitzen bringen. Abgesehen von der Lebensgefahr durch Unfälle: Verschneite Straßen können schnell ein ganzes Land lahm legen. Im bayerischen Inzell gab es deshalb bis vor wenigen Jahren eine Einrichtung, die sich ausschließlich mit den Möglichkeiten der Beseitigung des Schnees von den Straßen befasste. Es handelt sich dabei um die Schneeforschungsstelle des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen, des späteren Bauhofs für den Winterdienst und der Bundesanstalt für Straßenwesen, Außenstelle Inzell.

Das Gründungsdatum der Schneeforschungsstelle am 1. September 1940 hat mehrere Wurzeln. Da war zum einen der Bau der Autobahn München-Salzburg, der 1934 begann und dem rasanten Anschwellen des Autoverkehrs in den Dreißigerjahren Rechnung trug: Bereits 1936 bewältigte der Autoverkehr 42 Prozent der in der Personenbeförderung zurückgelegten Kilometer.

Zum anderen war da das Problem der Schneeräumung, das bei dem immer intensiver ausgebauten Straßennetz immer dringlicher wurde. Die bis in die 1930er Jahre verwendeten Schneepflüge waren überwiegend von Lastwägen gezogene Geräte. Diese schoben den Schnee unter Zusammenpressung zur Seite, so dass sich die Fahrbahn mehr und mehr verengte. Die notwendigen Verbreiterungen wurden per Hand durchgeführt, was einen recht hohen Kostenaufwand bedeutete. Außerdem führte diese Art der Schneebeseitigung zu Randwällen an den Straßen, die durch Windeinwirkung abgetragen wurden und Verwehungen auf den geräumten Straßen zur Folge hatten. Die erneute Räumung verursachte demzufolge weitere bzw. noch höhere Randwälle – und das Spiel begann von vorne. Straßen waren oft tagelang nicht benutzbar und mussten gesperrt werden, bis sie durch Handarbeit wieder freigelegt waren.

Dem Problem wollte Fritz Todt (1891 bis 1942) ein Ende bereiten: Als Generalinspektor für das Deutsche Straßenwesen forderte er, dass „das deutsche Straßen -und Autobahnnetz dem Kraftverkehr dauernd und ohne jede Behinderung durch winterliche Einflüsse zur Verfügung stehen müsse". Die Bayerische Staatsbauverwaltung übernahm das Thema und beauftragte den Bayerischen Revisionsverein (später TÜV), Schneeräumgeräte zu entwickeln; im April 1938 sollte sogar ein Preisausschreiben die Industrie ermuntern, konzeptionell tätig zu werden und leistungsfähigere Schneeräumgeräte zu entwickeln.

Am 1. September 1940 wurde diese spezielle Aufgabe institutionalisiert und die „Schneeforschungsstelle des Generalinspektors für das deutsche Straßenwesen" in München unter Leitung des Ingenieurs Karl Croce gegründet. Fanden die Arbeiten zunächst im Staatsgerätepark in München statt, erfolgte im Frühjahr 1943 die Anmietung von Räumlichkeiten in Inzell.

Doch nicht nur die Freihaltung der Straßen von Schnee sollte das Portfolio der neuen Institution umfassen, auch die Erforschung des Verhaltens von Schneewehen, die Entwicklung neuer Schneeräumgeräte, die Prüfung der Vorschläge der Industrie auf deren Praktikabilität sowie die Verbreitung der gewonnenen Erkenntnisse sollten mit zum Aufgabenkomplex gehören. Um diesen überhaupt bearbeiten zu können, gründete die Schneeforschungsstelle 1940/1941 Erprobungsstellen am Großglockner und am Arlberg zur Schulung von Angehörigen der Organisation Todt an Schneeräumgeräten. Eine weitere Erprobungsstelle in Lindenberg im Allgäu diente zu Experimenten mit Schneezäunen.

Ein wichtiger Aufgabenbereich war ferner die Umsetzung des von Reichsminister Albert Speer (Rüstungsorganisator und seit 1942 zuständig für Bewaffnung und Munition) angeordneten Baus einer 1000 PS starken Schneeräummaschine. Daneben war die Schneeforschungsstelle aufgrund der Kriegsereignisse auch an der Entwicklung eines Schützengrabenfräsers beteiligt.

Bis zu diesem Zeitpunkt konnte das Amt auf etwa 120 Mitarbeiter zurückgreifen, im Februar 1944 nur noch auf 105 Bedienstete. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Schneeforschungsstelle nach Mauterndorf im Salzburger Land evakuiert, um für das „Jägerprogramm" Platz zu machen, denn die Hallen wurden nun für die Produktion von Flugzeugteilen benötigt. Die Aufgabe der Schneeforschungsstelle wurde im Wesentlichen als beendet erklärt, die Tätigkeit als kriegswichtig gelobt, denn das Amt hatte maßgeblich dazu beigetragen, hochleistungsfähige Schneeräumgeräte zu entwickeln, die für den Frontnachschub im Winter von Bedeutung waren. Die sich verschlechternde Kriegslage und die Verpflichtung zur Wehrmacht führte zu weiterer Personalreduzierung, bis im März 1945 der Betrieb praktisch eingestellt werden musste. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Baracken als Unterkünfte für Displaced Persons.

Als am 5. Dezember 1945 das Straßen- und Flussbauamt Traunstein das Gelände in Inzell übernahm, erfolgte die schrittweise Reorganisation der Schneeforschungsstelle durch die Konzentrierung der verstreuten Maschinen und Gerätschaften, so dass am 27. August 1947 das „Schneefräsenlager Inzell" wieder an seinen alten Leiter Karl Croce übergeben werden konnte. Die in „Bauhof für den Winterdienst" umbenannte Schneeforschungsstelle fungierte ab April 1948 als selbstständige Behörde. Neben dem Bauhof des Straßenbauamtes Traunstein errichtete der Bund im Jahr 1969 mit einem Teil der Mitarbeiter des Bauhofs eine eigene Dienststelle und ließ 1975 für den Bauhof ein eigenes Dienstgebäude errichten... (Christoph Bachmann)

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in der Februar-Ausgabe von Unser Bayern (BSZ Nr. 8 vom 20. Februar 2015)

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