Unser Bayern

Die stolze Feldherrnpose ließ sich Max Emanuel nicht nehmen – selbst als über ihn die Reichsacht verhängt wurde und er ins Exil musste. In dieser Zeit (1706) ent- stand das ganzfigurige Porträtbild von Joseph Vivien, das den Kurfürsten vor der befestigten Stadt Mons an der Grenze zwischen Belgien und Frankreich zeigt. (Foto: BSV)

29.06.2012

Zwischen Höhenflügen und Misserfolgen

Vor 350 Jahren wurde Max Emanuel geboren, der Kurfürst, dem Bayern nicht genug war


Endlich ist es soweit! Am 11. Juli 1662 kommt Max Emanuel, der heiß ersehnte Thronfolger, auf die Welt. Immerhin waren seine Eltern, Kurfürst Ferdinand Maria und Henriette Adelaide, schon seit zehn Jahren verheiratet. Umso prachtvoller wurde das glückliche Ereignis gefeiert. Mit Rücksicht auf die Mutter und um genug Zeit für die aufwendigen Vorbereitungen zu haben, wurde die Taufe, eingebettet in ein achttägiges „Churbayrisches Freudenfest", erst im September zelebriert. Höhepunkte waren eine von Johann Kaspar Kerll, dem Leiter der Hofkapelle, komponierte Oper, ein Turnierspiel und ein auf einer schwimmenden Insel in der Isar inszeniertes Feuerwerk. Es war ein feudales Barockfest von europäischem Rang. Das Herrscherhaus zeigte, dass man an eine große Zukunft Bayerns glaubte.

Befreundete Höfe und Staaten wurden von der Geburt des Kronprinzen durch Gesandtschaften in Kenntnis gesetzt. Henriette Adelaide löste ihr 1659 gelobtes Versprechen ein. Sie beauftragte Agostino Barelli – später übernahm dann Henrico Zuccalli – „die schönste und wertvollste Kirche aufzurichten wie keine andere in der Stadt." 1663 wurde an zentraler Stelle bei der Residenz der Grundstein für die Theatinerkirche gelegt – eine der bedeutendsten Barockkirchen Altbayerns und ein Wahrzeichen Münchens bis heute. Vorbild war die römische Mutterkirche der Theatiner, Sant‘ Andrea della Valle. Als Dank für die Geburt des Sohnes schenkte der Kurfürst seiner Gemahlin eine Schwaige im Westen Münchens. Dort ließ Henriette Adelaide einen Landsitz als Jagd- und Sommerresidenz errichten. Später erweiterte ihr Sohn diesen Bau zum glanzvollen Schloss Nymphenburg.

Max Emanuels Mutter, eine savoyische Prinzessin, Enkelin König Heinrichs IV. von Frankreich und der Maria Medici, war eine sehr gebildete und ehrgeizige Persönlichkeit. Sie hatte Bayern zu einem wichtigen Kulturzentrum gemacht. Italienische und französische Künstler etablierten die Barockkultur am bayerischen Hof. Ihre Ideale prägten die Erziehung des Kronprinzen. Selbstverständlich erhielt er eine umfassende Ausbildung. Er wurde in allen gelehrten Fächern unterrichtet. Im Rahmen der höfischen Erziehung lernte er mustergültig reiten, jagen, fechten und tanzen. Er nahm Gesangsstunden und lernte Flöte spielen. Zudem wirkte er bei Ballettaufführungen mit, wie der von Henriette Adelaide verehrte Ludwig XIV.

Max Emanuel wurde in der Epoche des höfischen Absolutismus geboren, wuchs auf in dem Bewusstsein von Gottesgnadentum und dem Selbstbewusstsein, auserwählt zu sein. Prunkvolles Hofleben und Selbstdarstellung waren für ihn zeitlebens selbstverständlich. Wohl kein anderer bayerischer Herrscher ließ sich so häufig porträtieren wie er.

Der Thronfolger war erst 17 Jahre alt, als sein Vater Ferdinand Maria starb; drei Jahre vorher hatte er schon seine Mutter verloren. Nach einer kurzen Interimsregierung seines Onkels trat Max Emanuel mit 18 Jahren am 11. Juli 1680 das Kurfürstenamt an. Von ähnlichem Ehrgeiz besessen wie seine Mutter, stand sein Ziel von Anfang an fest: die Machtvergrößerung Bayerns – und damit seine eigene. Sein großer Traum war die Erhebung zum König.

In Europa rangen Bourbonen und Habsburger um die Vorherrschaft. Längerfristig war Max Emanuel bestrebt, ein Bündnis mit der einen oder anderen Seite einzugehen. Anders als sein Vater wollte er im europäischen Kräftefeld offensiv agieren. Doch zunächst blieb er neutral und widmete sich der Verstärkung und Neuorganisation der bayerischen Armee. Damit wurde das Kurfürstentum zu einem interessanten Bündnispartner. Obwohl seine ältere Schwester mit dem französischen Thronfolger verheiratet war, entschied sich Max Emanuel 1683 aus politischen und dynastischen Gründen zu einem Pakt mit Österreich. Ein Krieg zwischen Türken und Habsburgern drohte; für Bayern als Nachbarn Österreichs war dies nicht ungefährlich. Außerdem spekulierte Max Emanuel auf eine Heirat mit Maria Antonia, der Kaisertochter.

1685 wurde diese „Traumhochzeit" Wirklichkeit – und damit stieg die Hoffnung auf das spanische Erbe für Bayern. Denn Maria Antonia war als Tochter der Infantin von Spanien die nächste Erbin des kinderlosen Königs Karl II., des letzten Habsburgers auf dem spanischen Königsthron. Zu diesem Weltreich gehörten neben dem Mutterland auch die spanischen Niederlande sowie große italienische und überseeische Besitzungen. Auch der Königstitel für den bayerischen Herrscher war im Erbfall denkbar.

Max Emanuels politische Laufbahn war zunächst dank seiner Unerschrockenheit von Erfolg gekrönt. Jahre lang kämpfte er als wichtigster Bündnispartner Kaiser Leopolds I. erfolgreich gegen die Türken. 1683 wurde vor allem auch wegen seines mutigen persönlichen Einsatzes Wien befreit. In einer tollkühnen Aktion erstürmte er 1688 mit einem kleinen Heer Belgrad. Als Feldherr trug er einen blauen Waffenrock, dem er den berühmten Beinamen „Blauer Kurfürst" verdankte. Von diesem Ruhm zehrte er zeitlebens.

Noch in den 20er Jahren des 18. Jahrhunderts, als Max Emanuel schon längst kein erfolgreicher Feldherr mehr war, ließ er mit der Dekoration von Schloss Schleißheim an seine einstigen großen Taten erinnern und sich in den imposanten Deckenbildern des Italieners Jacopo Amigoni als Türkensieger verherrlichen. „In den prunkvollen Raumfluchten erfährt der Besucher einen Abglanz des schier unersättlichen Repräsentationsbedürfnisses ihres fürstlichen Bauherrn." (Krückmann).

1691 wurde der 30jährige Max Emanuel wegen seiner militärischen Erfolge vom spanischen König zum Generalstatthalter der spanischen Niederlande ernannt. Dies bedeutete, dass er die Regierungsrechte ausübte. Seine Karriere hatte ihren Höhepunkt erreicht. In Brüssel, seiner neuen Residenzstadt, etablierte der Kurfürst mit Hilfe bayerischer Steuereinkünfte ein prächtiges Hofleben. Er kaufte Einrichtungsgegenstände und Kunstwerke für seine bayerischen Schlösser, darunter etwa 100 Gemälde von Rubens, van Dyck und anderen Meistern. Sie gehören heute zum Wertvollsten im Bestand der Alten Pinakothek. Geld aus der Heimat floss auch in die heruntergekommenen Städte der spanischen Niederlande. (Eva Meier)

Lesen Sier den vollständigen Beitrag in der Juni-Ausgabe von Unser Bayern.

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