Wirtschaft

Die GFE Group in Fürth steht im Fokus staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen. (Foto: Wraneschitz)

14.01.2011

Angestellt auf Sozialhilfe

Viele Mitarbeiter und Kunden hoffen, dass es weiter geht mit der GFE Blockheizkraftwerks-Produktion in Nürnberg

Betrugsverdacht gegen die GFE-Group, die „Gesellschaft zur Förderung Erneuerbarer Energien“ mit Sitzen in der Schweiz und Nürnberg. Seit 30. November 2010 bangen etwa 1000 GFE-Anleger um ihre Investitionen, insgesamt zirka 50 Millionen Euro. Angestellte der GFE Production GmbH, der Montagefirma der Gruppe, stehen gar vor dem Nichts.
Zwar ist Gerd Then (Name geändert) noch bis 15. Februar offiziell beim Produzenten der Pflanzenöl-Blockheizkraftwerke (BHKW) angestellt. Am 1. Dezember 2010 ging auf seinem Konto das Novembergehalt ein. Seither haben Then und weitere knapp 30 GFE-Produktioner „effektiv gar nichts. Zurzeit zahlt mir das Sozialamt den Hartz-IV-Satz. Deshalb habe ich Klage beim Arbeitsgericht gegen GFE Production eingereicht.“

Es gibt kein Insolvenzgeld


Denn wer offiziell noch Arbeit hat, kann kein Arbeitslosengeld beantragen. Auch Insolvenzgeld bekommen Then und Kollegen nicht: Zwar hat die GFE Gesellschaft zur Förderung Erneuerbarer Energien GmbH Ende 2010 Insolvenzantrag gestellt, nicht aber „seine“ GFE Production GmbH.
„Ich dachte, etwas mit aufgebaut zu haben, und jetzt stehe ich mit nichts da“, erinnert sich Gerd Then an einige Monate bei GFE. Selbst wenn dort die Arbeitsbedingungen nicht die besten waren: „Die Produktionshalle war ungeheizt. Ständig waren einige Kollegen krank.“
Auch am 30. November waren nicht alle Mitarbeiter da, als morgens um 7 Uhr die Polizei in Halle und Büros auftauchte und das Weiterarbeiten untersagte. Nach mehreren Tagen Unklarheit soll die Geschäftsführung etwa am 10. Dezember endgültig vorgegeben haben, dass in der Produktion nicht mehr gearbeitet werden sollte. Schließlich wurden die Kündigungen ausgesprochen.
Von etwa 1000 bei der GFE-Group bestellten BHKW sind bis heute erst „ungefähr 15 Container mit einem oder mehreren BHKW aufgestellt worden, einer davon in Fürth. Von denen sind aber nicht alle in Betrieb. Weitere 20 bis 30 Stück stehen fertig montiert auf dem Hof“, berichtet Gerd Then.
Wann ihr BHKW geliefert werden sollte, weiß die Niederbayerin Heidrun Frank (Name geändert) bis heute nicht. 59 500 Euro hat sie in die Schweiz überwiesen. Danach verpachtete sie „ihr“ BHKW per Vertrag an eine Nürnberger GFE-Firma.
Mit den Renditen – versprochen waren 20 Jahre lang je 30 Prozent – wollte sie ihren und den Lebensabend des Ehemanns finanzieren. Und etwas Gutes für die Umwelt täte sie auch noch, hieß es in Prospekten. „In einem Sorglospaket ist alles drin, von der Aufstellung des Kraftwerks-Containers über Inbetriebnahme, Wartung bis zum Betrieb. Auch um den Standort bräuchte ich mir keine Sorgen zu machen: Den sucht die GFE für mich, hat der Vermittler gesagt“, erzählt Frau Frank.

Betrug und Sabotage


Dennoch hat sie nach der Aktion der Staatsanwaltschaft ihren Kaufvertrag schriftlich widerrufen und den Anwalt Istvan Cocron engagiert. Von den zig Millionen, welche die GFE-Group kassiert haben soll, sind zurzeit „29 439 512 Euro von der Staatsanwaltschaft sichergestellt“, hofft Cocrons Münchner Kanzlei auf zumindest teilweise Rückzahlung.
Wie die Staatsanwaltschaft bestätigt, haben Production-Mitarbeiter am 8. Dezember ihrem Ärger über GFE-Verantwortliche in einer Strafanzeige „wegen Betrugs und Sabotage“ Luft gemacht, also wohl noch vor ihrer Kündigung. Denn viele Mitarbeiter sind sicher, das Kraftwerkskonzept der GFE funktioniere. Das wird zurzeit in Testlabors des TÜV Rheinland überprüft. Nächste Woche wird mit Ergebnissen gerechnet.
Aus einem Gutachten des TÜV Süd Czech vom 25. Oktober 2010, das unserer Redaktion vorliegt, sticht auf den ersten Blick ein Ergebnis heraus: „105,1 g Rapsöl pro kWh Stromerzeugung“ soll mit einer „Emulsion 3 Teile Wasser, 1 Teil Rapsöl“ vom TÜV gemessen worden sein. Bei einem Energieinhalt von 10,5 kWh pro kg würde das bedeuten: Das GFE-BHKW wandelt Rapsöl mit einem Wirkungsgrad von genau 91 Prozent direkt in Strom um. Selbst bei Spitzen-Stromerzeugern gehen mindestens 40 Prozent als Wärme verloren (siehe Kasten). Ein tschechischer TÜV-Gutachter stellt denn auch auf Nachfrage klar: Wie viel Strom das Kraftwerk lieferte, habe der TÜV nicht gemessen. Den Wert habe der Auftraggeber zugeliefert, also die GFE.
Beim Test anwesend war auch der fränkische Chefentwickler der in den BHKW verwendeten „Nano-Emulsionstechnik“ aus Wasser und Rapsöl. Ohne ihn seien die Kraftwerke nicht wirtschaftlich zu betreiben, fürchtet Maria Bräuer. In einem Brief vermutet die Weidener Anwältin – die erklärt, „die GFE“ zu vertreten – eine „Verantwortlichkeit bei dunklen Strukturen“ hinter dem Betrugsverdacht der Staatsanwaltschaft.

Unschuldsvermutung


Wulf Viola von WVP-Anwälte aus Eibelstadt ist grundsätzlich vom Funktionieren der BHKW überzeugt. Die Kanzlei vertritt nach eigener Aussage über 300 GFE-Anleger. Viola fährt schweres Geschütz gegen die Staatsanwaltschaft Nürnberg auf: „Mit den massiven Äußerungen in der Öffentlichkeit nach dem 30. November hat die Staatsanwaltschaft die Unschuldsvermutung meiner Meinung nach mit Füßen getreten.“
Das meint auch der Geschäftsführer der GFE Production GmbH und hat sich bei Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) über die Nürnberger Staatsanwaltschaft beschwert. Doch der Ministerpräsident hat das Schreiben „wegen der Zuständigkeit“ ans Justizministerium weitergeleitet.
(Heinz Wraneschitz)

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