Wirtschaft

Hat der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, seine Kollegen bei der Täuschung von Richtern unterstützt? (Foto: dpa)

16.06.2015

Auf den Zahn gefühlt

Stundenlang befragten die Richter am Münchner Landgericht Jürgen Fitschen, den Co-Chef der Deutschen Bank

Im Strafprozess gegen Top-Manager der Deutschen Bank wegen des Vorwurfs von Falschaussagen im Fall Kirch haben die Richter dem Co-Chef Jürgen Fitschen auf den Zahn gefühlt.
In einer stundenlangen Befragung vor dem Landgericht München ging es heute vor allem um die Frage, ob Fitschen seine Vorstandskollegen durch sein Handeln gedeckt haben könnte. Dies wirft die Staatsanwaltschaft dem Banker vor und hatte ihn zusammen mit vier Ex-Managern wegen versuchten Prozessbetrugs angeklagt. Fitschen hatte dies zurückgewiesen und erklärt, er habe nicht gelogen und betrogen. Auch seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie zwei weitere Ex-Banker wehrten sich gegen die Vorwürfe.

Andere Erinnerungen


Der Vorsitzende Richter Peter Noll wollte von Fitschen aber wissen, warum er nicht deutlich gemacht habe, dass er andere Erinnerungen an eine entscheidende Vorstandssitzung bei der Deutschen Bank gehabt habe, bei der es auch um Kirch ging, als seine Kollegen. Auch in die Schriftsätze, die die Deutsche Bank im Schadenersatzprozess um die Kirch-Pleite vor vier Jahren verfasst hatte, hätte Fitschen dies einfließen lassen können, so der Richter:"Schreibt zumindest mal rein, dass es auch anders sein könnte, weil ich mich nämlich anders erinnern kann."  
Fitschen stellte klar, dass er der Frage keine große Bedeutung beigemessen habe. "Die Abweichungen sind für mich marginal." Die Aussagen betrafen die Frage, ob sich die Deutsche Bank auf dem Höhepunkt der Krise 2002 aktiv um ein Beratungsmandat von der Medien-Gruppe bemühen wollte.
Der Medienunternehmer Leo Kirch hatte der Bank bis zu seinem Tod 2011 vorgeworfen, sie habe an der Zerschlagung seiner Firmengruppe verdienen wollen und ihn bewusst in die Pleite getrieben. Vor Gericht forderte er dafür Schadenersatz in Milliardenhöhe. Um die Aussagen der Deutsche-Bank-Manager in diesem Zivilverfahren 2011 geht es nun in dem Strafprozess in München.
Spätestens als die Münchner Staatsanwaltschaft im Laufe des Verfahrens Ende 2011 zu einer Razzia in der Deutschen Bank kam, hätte Fitschen sich nach Auffassung der Ankläger an der Aufklärung der Wahrheit beteiligen müssen. Auf Fragen des Richters sagte Fitschen, die Durchsuchung sei für ihn völlig überraschend gewesen. "Das war unangenehm und für mich unverständlich."  

Nicht hilfreiche Dokumente


Bei ihren Durchsuchungen in der Deutschen Bank fanden die Ermittler auch eine Datei mit Dokumenten, die als "not helpful" (nicht hilfreich) benannt worden war. Die Ermittler werten dies als Beleg dafür, dass innerhalb der Bank bekannt war, dass die Dokumente, in denen es um ein Beratungsmandat für Kirch ging, belastend sein könnten. Fitschen äußerte sich nicht dazu, wie der Titel für die Dokumente zustande gekommen war.
Der Manager hatte am Sonntag vergangener Woche zusammen mit Co-Chef Anshu Jain seinen Rücktritt von der Spitze der Deutschen Bank erklärt, bleibt aber noch bis zum Mai kommenden Jahres im Amt.
(Daniela Wiegmann, dpa)

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Kommentare (1)

  1. Roland am 17.06.2015
    Die haben alle die Kirch Gruppe bewußt zum Niedergang gezwungen,
    weil Herr Kirch zu viel von den Geschäftsgebaren der Deutschen
    Bank wußte und auch die notwendigen Unterlagen hatte,
    dies sieht man deutlich im !"Vergleich"" zwischen der Deutschen Bank
    und den Kirch Erben.
    Was im Ergebnis ein Schuldeingeständnis ist.

    Nur, jetzt wollen die Herrn nichts mehr davon Wissen,
    nach dem Motto "Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus".

    Am besten mit den erhobenen Fingern zum Sieg, vor Gericht erscheinen,
    dass ist das wahre Gesicht der Manager.

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