Wirtschaft

29.07.2011

Aufschwung verlangsamt sich

BayernLB: Keine Rezessionsgefahr

Deutschland wird bis ins kommende Jahr einen Aufschwung erleben, aber er wird sich verlangsamen. Das ist die Kernbotschaft von Jürgen Pfister, dem Chefvolkswirt und Leiter Research der BayernLB. Vor allem die teuren Rohstoffe drücken nicht nur hierzulande auf das Wachstumstempo, sondern bremsen die Konjunktur weltweit. Nach einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 3,6 Prozent in 2010 und geschätzten 3,4 Prozent im laufenden Jahr, wird Deutschland Pfister zufolge im kommenden Jahr auf ein normales Wachstumsniveau von 1,8 Prozent zurückkehren, wie es vor Ausbruch der Finanz- und Wirtschaftskrise üblich war. „Das ist nicht schlecht!“
Trotz leicht rückläufiger Industrieproduktion bestehe derzeit keine Rezessionsgefahr im Euroraum, so der Chefvolkswirt. Auch seitens der Geldpolitik sei momentan nichts zu befürchten. In den USA und Japan gelte immer noch der Nullzinssatz, in Großbritannien liege er bei 0,5 Prozent und im Euroraum bei 1,5 Prozent. „Das macht im Schnitt 0,8 Prozent bei einer Teuerungsrate von 2,75 Prozent. Also hat man einen Realzins von knapp 2 Prozent.“ Und die Notenbanken der Schwellenländer, allen voran der BRIC-Staaten, seien sehr daran interessiert, eine Aufwertung ihrer Währung zum Dollar zu verhindern.

Schlechte Noten für Politiker

Schlechte Noten verteilt Pfister an die Politiker in Europa, die mit ihrem Zaudern das Spekulieren auf eine Staatspleite Griechenlands angeheizt hätten. „Bei Ausbruch der Finanzkrise haben Merkel und Steinbrück 480 Milliarden Euro zu Sicherung in Aussicht gestellt. Da hat man gezeigt, wie groß der Löschwassertank ist. Das hat man auf europäischer Ebene versäumt“, so Pfister. De facto habe man aber jetzt mit dem beschlossenen Maßnahmenbündel auf dem jüngsten EU-Sondergipfel die Haftungsunion eingeführt. Allerdings tauge der nun vorgelegte Entwurf allenfalls als Blaupause für kleinere Länder wie zum Beispiel Irland oder Portugal, nicht aber für Spanien oder Italien. „Es ist daher zu fürchten, dass es in den kommenden Wochen nochmals zu einem Angriff auf Italien und damit zu einer erneuten Eskalation der Staatsschuldenkrise kommen wird“, meint Pfister.
Das „Powerhouse“ der Weltwirtschaft sieht der BayernLB-Chefvolkswirt immer noch in Asien: „Das wird wohl auch für die nächsten zehn Jahre so bleiben.“ Doch auch dort werde sich das Wachstum wegen hoher Ölpreise und teurer Rohstoffe verlangsamen. China könnte in diesem Jahr 9 Prozent Wachstum schaffen, 2012 wären aber nur noch 8,5 Prozent drin. Der Rest von Asien ohne Japan und China werde dagegen von heuer prognostizierten 5,8 Prozent auf 6,2 Prozent im nächsten Jahr zulegen. In Mittel- und Osteuropa bleibe das Wachstum mit rund 3,7 Prozent in 2011 und 2012 stabil. Aber in Lateinamerika werde man von derzeit 4,4 Prozent auf 3,8 Prozent in 2012 absacken. (Ralph Schweinfurth)

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