Wirtschaft

Die alten Betonplatten der Start- und Landebahn werden durch eine Asphaltdecke ersetzt. (Foto: Schweinfurth)

06.06.2014

Baufahrzeuge auf der Piste

In den Nächten der Sommerwochenenden wird am Nürnberger Flughafen die Start- und Landebahn saniert

Seit 2010 wird an sechs bis sieben Wochenenden der Sommernächte der mittlere Teil der aus Beton bestehenden Abschnitte der Start- und Landebahn des Nürnberger Flughafens generalsaniert. Die aus dem Jahr 1955 stammende Piste ist vor allem in den mittleren Bereichen stark beschädigt gewesen, auf denen die Flugzeuge landen. Darum werden im Zuge der Generalsanierungsmaßnahme die schadhaften Betonteile durch eine neue Asphaltschicht inklusive des dazu notwendigen Unterbaus ersetzt. Die Staatszeitung durfte sich bei so einer Nachtbaumaßnahme am Nürnberger Airport einmal umsehen.
„Wir haben in mehreren Gutachten untersuchen lassen, wie groß der Sanierungsbedarf der Flächen ist und welche Sanierungsmethode die geeignetste für Nürnberg ist“, erklärt René Hessenauer, Leiter Technik des Flughafens Nürnberg. Heraus kam die etappenweise Vorgehensweise. Denn eine komplette Sperrung des Airports im Knoblauchsland wäre aus wirtschaftlichen und flugbetrieblichen Gründen nicht infrage gekommen. „Dann hätten wir zwar in einem Stück bauen können, aber die Einnahmeausfälle durch den dann entfallenden Verkehr hätte der Flughafen nicht verkraftet“, so Hessenauer.
„Die größte Herausforderung dieser Nachtbaustellen ist die Logistik“, so der Technikchef des Flughafens. Denn für die Bauarbeiten bleibt immer nur in den Nächten von Freitag auf Samstag und von Samstag auf Sonntag ein Zeitfenster zwischen etwa 23 Uhr und 8 Uhr. Sobald der letzte Flieger gestartet bzw. gelandet ist, rollen alle Baufahrzeuge auf die 2,7 Kilometer lange Startbahn. Das hat ein bisschen etwas vom Ausrücken der Feuerwehr. Dann werden an unterschiedlichen Stellen der Bahn verschiedenste Arbeiten durchgeführt.
Die in den ersten beiden Nächten mit Betonsägen zerschnittenen Betonplatten werden mit Hilfe von Baggern herausgehoben. Anschließend wird der sandige Untergrund bis auf eine Tiefe von zirka 70 cm abgetragen. Im nächsten Schritt wird der Unterbau, ein Drainbeton eingebracht. Dann in drei unterschiedlichen Lagen, die neue 25 cm dicke Asphaltdecke. Wenn die Walzen die neue Oberfläche fertiggestellt haben, muss diese noch etwa zwei Stunden auf rund 60 Grad abkühlen um ausreichend standsicher für den Flugbetrieb zu sein. Denn ab 8 Uhr gehört die Bahn wieder den Flugzeugen.
Wenn die Abläufe „Hand in Hand“ gehen und die Lieferungen der bis zu drei unterschiedlichen Asphaltmischanlagen in den Sicherheitsbereich des Flughafens störungsfrei erfolgen, ist es möglich etwa 60 m eines 7,5 m breiten Betonstreifens in den neun zur Verfügung stehenden Stunden zu sanieren.

Die Piste verbreitern

Parallel dazu wird die komplette Runway, so heißt die Piste in der Pilotensprache, von 45 auf 60 Meter mit dem Anbau einer beidseitigen, asphaltierten Schulterzone verbreitert. Etwa 90 Meter schafft ein gut koordinierter Bautrupp in einer Nacht, von denen zwei gleichzeitig an den Seiten der Startbahn arbeiten.
Doch bevor diese Schulterzone eingebaut werden kann, müssen in den vorausgehenden Nächten bereits eine Drainageleitung sowie die schulterbegrenzende Entwässerungsrinne gesetzt worden sein. Nach Fertigstellung werden dann die Randbegrenzungsleuchten in zentimetergenau vermessene Kernbohrungen in der neuen Asphaltfläche installiert.
Vor der eigentlichen Generalsanierung der Start- und Landebahn wurden bereits 2009 die ebenfalls mehr als 50 Jahre alten Elektroversorgungstrassen und die Entwässerungskanäle vollständig erneuert.
Umfangreich sind auch die Maßnahmen bei den Leitlichtern für die Piloten. So wurden die gesamte Anflugbefeuerung und die Randfeuer der Piste modernisiert, sowie so genannte Guardlights an den Rollwegen etabliert.
Die gesamte Sanierungsmaßnahme kostet den Airport rund 20 Millionen Euro. Bauleitung und Bauplanung liegt bei Obermeyer Planen+Bauen München/Nürnberg. Dabei werden insgesamt etwa 10.000 Kubikmeter Beton, 80 Kilometer Kabelzugrohre, 130 Kilometer Kabel, 5,4 Kilometer Entwässerungsrinnen, 60.000 Tonnen Asphalt, 170 Kabelschächte, 500 Feuer und 6 Kilometer Entwässerungskanäle verbaut. Laut Hessenauer wurde die Gesamtmaßnahme in einer Ausschreibung vergeben, sodass über die gesamte Sanierungszeit hinweg mit einem Auftragnehmer zusammengearbeitet werden kann. „Das ist ein großer Vorteil, weil so gewährleistet ist, dass die komplizierten Ablaufketten der Baumaßnahmen im Sicherheitsbereich eines Flughafens funktionieren“, betont Hessenauer. Durchgeführt werden die Bauarbeiten dieser Generalsanierung von der Firma Markgraf aus Bayreuth. Markgraf ist in diesen Nächten mit bis zu 110 Personen tätig. Neben einer Vielzahl kleinerer Fahrzeuge und Maschinen sind 35 Großgeräte wie Bagger, Asphaltfertiger und Walzen, zirka 50 LKW und Sattelzüge für den Transport von Material und Gerät und etwa 40 Lichtgiraffen zur Beleuchtung der Baustelle im Einsatz.
Gleichzeitig werden in 2014 weitere notwendige Instandsetzungsarbeiten an Flugbetriebsflächen wie Rollbahnen und Vorfeldern durch die Firma Heilit + Woerner aus Nürnberg durchgeführt. Heilit + Woerner ist mit weiteren bis zu rund 60 Personen tätig, die elf Großgeräte und etwa 25 LKW und Sattelzüge im Einsatz haben.
Damit nach den Sperrnächten die Flugzeuge um 8 Uhr wieder sicher starten und landen können, kommt im Bereich der Mittelstreifensanierung Niedertemperaturasphalt zum Einsatz. Dieser hat die Eigenschaft nach einer verhältnismäßig kurzen Abkühlzeit die notwendige Standfestigkeit für den Flugbetrieb aufzuweisen. „Zusammen mit Experten von der Bautest Augsburg haben wir da im ersten Jahr im Zuge der Sanierung der beiden Enden der Runway an der Mischung experimentiert, um dann für die Instandsetzung des Mittelteils der Bahn eine optimale Lösung zu haben“, erklärt Hessenauer. Die beiden Enden der Runway konnten in Ruhe, und unter „normalen“ Bedingungen auch tagsüber gebaut werden, da flugbetrieblich mit einer um 400 Meter verkürzten Bahn gearbeitet werden konnte.

Ein Jahr früher fertig

Komplett beendet wird die Mittelstreifensanierung der Betonabschnitte der Start- und Landebahn voraussichtlich bereits in diesem Jahr und damit ein Jahr vor dem ursprünglichen Zeitplan. Aber die Instandsetzung der übrigen Asphaltbereiche bleibt, Hessenauer zufolge, ein Dauerthema. Denn die besondere Beanspruchung durch startende und landende Flugzeuge in der Mitte (bis zu 78 Tonnen drücken auf das Fahrwerk einer Boeing 737 beim Start) hat kontinuierliche Instandsetzungsmaßnahmen zur Folge. „Das ist wie bei der Autobahn. Da muss auch regelmäßig die oberste Schicht erneuert werden“, sagt Hessenauer. Eine erneute Generalsanierung der Runway steht hoffentlich erst in 15 bis 20 Jahren wieder an.
Insofern ist es gut, dass der Flughafen jetzt geübt ist mit der komplizierten Logistik für Nachtbaustellen. Denn die nächste „Nacht- und Nebelaktion“ kommt bestimmt. (Ralph Schweinfurth)

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