Wirtschaft

2010 erzeugte die N-Ergie erstmals mehr als 50 Prozent Strom aus erneuerbaren Energien. (Foto: N-Ergie)

06.05.2011

„Bayern muss massiv investieren“

Vorstandschef des Regionalversorgers N-Ergie fordert vom Freistaat verlässliche Rahmenbedingungen, um den Kernkraftausstieg realisieren zu können

Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat diese Woche bekräftigt, bis zum Jahr 2020 den Kernenergieausstieg in Bayern realisieren zu wollen. Herbert Dombrowsky, Vorstandsvorsitzender des mittelfränkischen Regionalversorgers N-Ergie aus Nürnberg, forderte daraufhin verlässliche politische Weichenstellungen.

„Der Freistaat müsste dafür sorgen, dass zwei bis drei Gaskraftwerke neu gebaut werden und die hierfür notwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren beschleunigt werden“, sagt Dombrowsky der Staatszeitung. Denn durch das Abschalten der bayerischen Kernkraftwerke würden 6000 Megawatt Strom fehlen. Ein Gaskraftwerk könnte aber nur 850 Megawatt liefern.
Außerdem müsste laut Dombrowsky massiv in den Ausbau von Biomasse und Windenergie investiert werden. Allein bei der Windenergie wären nach Einschätzung des N-Ergie-Chefs eine vierstellige Anzahl von neuen Windkraftanlagen notwendig. Die Staatsregierung müsste hierzu in einen intensiven Dialog mit der Bevölkerung treten, um die Akzeptanz einer derartigen Umgestaltung des Freistaats herzustellen. Denn bisher habe man ja mehr das schöne Landschaftsbild Bayerns im Auge gehabt.
Gleiches gelte für den ebenfalls nötigen Ausbau der Stromnetze. Allein im Versorgungsgebiet der N-Ergie rechnet Dombrowsky mit Investitionen von jährlich 20 Millionen Euro in den nächsten zehn Jahren. Auch das Problem der Speicherung von Strom müsste gelöst werden. „Wenn es abends dunkel wird, liefern zum Beispiel die Photovoltaikanlagen keinen Strom mehr. Wenn wir Technologien hätten, die nur 5 Prozent des tagsüber erzeugten Photovoltaik-Stroms speichern könnten, wäre schon viel gewonnen“, so der Vorstandschef. Dombrowsky schweben Lösungen rund um verschiedene Flüssigkeiten vor, wie man sie beim Projekt Desertec andenkt. Doch noch seien deren Speicherkapazitäten zu gering. Hier müsste man in der Entwicklung viel schneller vorankommen.
Um diesen technologischen Fortschritt zu erreichen, sollte Bayern mehr Gelder für die in der Metropolregion Nürnberg gebündelte Forschungskompetenz rund um den Energiecampus Nürnberg bereitstellen. „Wir bei der N-Ergie wären beispielsweise bereit, einige unserer Infrastruktureinrichtungen als Versuchsanlagen für derartige Forschungsvorhaben zur Verfügung zu stellen“, betont Dombrowsky.
Insgesamt ist er sehr unzufrieden mit dem Zickzack-Kurs der Bundesregierung in Sachen Energiepolitik: erst Atomausstieg unter Rot-Grün, dann Laufzeitverländerung unter Schwarz-Gelb, und jetzt so schnell wie möglich die Meiler abschalten angesichts der Katastrophe in Japan. „Unsere Branche braucht langfristige Planungssicherheit“, betont der Vorstandschef. Denn es gehe schließlich um hohe Investitionen. Die energietechnischen Anlagen würden schließlich für 30 bis 35 Jahre laufen. „Allein wir haben letztes Jahr 140 Millionen Euro investiert und sind damit der größte Investor in der Region Nürnberg“, betont Dombrowsky. Und weitere Investitionen in Höhe von 100 Millionen Euro in die Erzeugung erneuerbarer Energien habe man bei N-Ergie in der Pipeline. Diese könnten aber nur realisiert werden, wenn seitens der Bundespolitik für Nachhaltigkeit gesorgt wird.
Dennoch blickt die N-Ergie AG auf ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2010 zurück. Von der sich aufhellenden Konjunktur konnte auch sie profitieren und trotz leichten Rückgangs bei den Umsätzen stabile Ergebnisse erzielen. Mit einem Konzernumsatz von rund 2,4 Milliarden Euro (gleicher Wert im Vorjahr) und einem Jahresüberschuss von 20,3 Millionen Euro (Vorjahr: 21,6 Millionen Euro) hat sich die N-Ergie in einem wettbewerbsintensiven Umfeld gut behauptet. Dadurch konnten 72,6 Millionen Euro Dividende an die Städtische Werke Nürnberg GmbH (StWN) abgeführt werden. Die Thüga Aktiengesellschaft erhält als außenstehender Aktionär eine Ausgleichszahlung in Höhe von 27,6 Millionen Euro.
Zur Stärkung der Unabhängigkeit und Flexibilität des Unternehmens hält die N-Ergie an ihrer Planung fest, die eigene Stromerzeugung langfristig auf 1000 Megawatt (MW) auszudehnen. Im Mai 2010 ging das GuD-Kraftwerk Irsching 5 mit einer Gesamtleistung von zirka 860 MW (brutto) ans Netz. Der Regionalversorger ist daran zu 25,2 Prozent beteiligt. Die vorhandenen Erzeugungskapazitäten von rund 200 MW verdoppelten sich dadurch auf etwa 400 MW. Auch die Aktivitäten im Bereich der Erzeugung erneuerbarer Energien hat das Nürnberger Unternehmen weiter ausgebaut. Im Herbst 2010 wurde mit dem Bau eines Biomasse- Heizkraftwerks auf dem Betriebsgelände in Nürnberg-Sandreuth begonnen. Die Anlage soll mit unbehandeltem Restholz aus regionalen Wäldern betrieben werden und wird eine elektrische Leistung von etwa 6 MW sowie eine Fernwärmeleistung von rund 14 MW haben. Zudem hat die N-Ergie in die Erzeugung von Windstrom investiert: Zusammen mit der Stadtwerke Leipzig GmbH und der HSE Regenerativ beteiligte sich die N-Ergie mit jeweils einem Drittel an einem Windpark in Sachsen-Anhalt, der aus 16 modernen Windenergieanlagen besteht und über eine installierte Leistung von 40 MW verfügt. Auch den Ausbau der Erzeugung von Bioerdgas hat die N-Ergie im Jahr 2010 vorangetrieben. Im Juli erfolgte der Spatenstich zum Bau einer Bioerdgasanlage im Industrie- und Gewerbepark Gollhofen-Ippesheim. In Eggolsheim im Landkreis Forchheim wird zusammen mit Partnern eine weitere Bioerdgasanlage errichtet.
Das Energie- und Klimaschutzpaket der EU gibt vor, dass der Anteil erneuerbarer Energieträger bis zum Jahr 2020 auf 20 Prozent am Gesamtenergieverbrauch gesteigert werden soll. Im Netzgebiet der N-Ergie wurde dieses Ziel also bereits im Jahr 2010 erreicht.
Darüber hinaus wurde 2010 im Netz der N-Ergie erstmals mehr als 50 Prozent des dezentral erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energieträgern produziert. Damit ist das für das Jahr 2030 formulierte Klimaziel der Bundesregierung ebenfalls schon im Jahr 2010 erreicht.
Für das Geschäftsjahr 2011 erwartet der Nürnberger Energieversorger weiterhin ein positives Jahresergebnis. Das Unternehmen ist gut aufgestellt. Herbert Dombrowsky, Vorsitzender des Vorstands der N-Ergie, ist überzeugt, dass „längerfristig jedes Unternehmen in der Energiebranche, das auf Dauer Erfolg haben möchte, den Übergang von einem relativ klar fokussierten Mediengeschäft hin zu einem echten Energiedienstleister schaffen muss. Die N-Ergie wird konsequent die Kilowattstunde mit Dienstleistungen verbinden. Wir werden darüber hinaus weiterhin ein bundesweites Wachstum verfolgen, jedoch nicht um jeden Preis, sondern in wirtschaftlich sinnvollem Rahmen.“ (Ralph Schweinfurth)

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