Wirtschaft

Petersaurachs erster Bürgermeister Lutz Egerer (SPD) an einer Baustelle im Ortsteil Großhaslach. Bis November wird der zweite Bauabschnitt des Glasfasernetzes der Gemeinde fertiggestellt sein. Dann wird jeder Haushalt in Petersaurach mit Glasfaserkabel ans weltweite Datennetz angeschlossen sein. (Foto: Schweinfurth)

08.05.2015

Bayerns schnellstes Internet im ländlichen Raum

Petersaurach realisiert derzeit für seine Bürger Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Mbit und mehr

Schnelles Internet ist angesichts der zunehmenden Digitalisierung lebensnotwendig. Doch schnelles Internet ist eine Definitionssache. Während sich Bund und Freistaat mit 50 Megabit pro Sekunde (Mbit) zufriedengeben, ist man in Petersaurach (Landkreis Ansbach) wesentlich progressiver. 100 Mbit im Up- und Downloadbereich für jeden ist dort bereits Realität und damit bayernweit einmalig.

„Wir haben keine Flaschenhälse, sondern jeder Haushalt hat eine eigene Glasfaserleitung bis zum Rechenzentrum“, sagt Petersauchrachs erster Bürgermeister Lutz Egerer (SPD) zur Staatszeitung. Doch damit nicht genug: Auch die Verbindung des Rechenzentrums mit dem so genannten Backbone-Knoten ist sehr leistungsfähig. Dieser Knoten ist laut Egerer nur einen Kilometer entfernt vom Zentrum des Kernorts der zwölf Ortteile umfassenden Gemeinde mit insgesamt rund 4800 Einwohnern. Seit August 2014 haben alle im Kernort Petersaurach mindestens 100 Mbit zur Verfügung. „Für 9,95 im Monat mehr kann man sogar 200 Mbit haben“, erklärt Egerer. Hierfür sei noch nicht einmal das „künstliche Hochrüsten des Signals“ mittels Vectoring oder anderer Techniken nötig. Auf diese Weise hat die noch vor drei Jahren als weißer Fleck auf der Internetversorgungslandkarte verzeichnete Gemeinde das beste Angebot im ganzen ländlichen Raum des Freistaats.
Möglich macht diese Top-Versorgung die Deutsche Glasfaser. Dieses Tochterunternehmen der niederländischen, familiengeführten Investmentgesellschaft Reggeborgh Group geht an das Thema Breitbandversorgung ganz anders heran als die Deutsche Telekom. „Während die Telekom einen Amortisationshorizont von sieben bis acht Jahren hat, liegt er bei der Deutschen Glasfaser bei bis zu 15 Jahren“, erläutert Egerer.

Eine andere Unternehmensphilosophie

Die Deutsche Glasfaser verfolge aber auch eine andere Unternehmensphilosophie. „Das Unternehmen kommt aus dem Immobiliensektor und betrachtet Vermietung als Kerngeschäft“, so der Bürgermeister. Das spiegele sich auch im Tochterunternehmen Deutsche Glasfaser wieder. Denn das langfristige Interesse sei es, die Leitungen auch anderen zu vermieten. „In den Niederlanden ist zum Beispiel die dortige Telekom einer der Hauptmieter des Glasfasernetzes“, erläutert Egerer. Auf diese Weise sind bereits tausende Kilometer Glasfaserkabel in den Niederlanden verlegt worden und die Breitbandversorgung ist wesentlich weiter als hierzulande.
Doch das ist nur ein Baustein für die Glasfaser-Erfolgsgeschichte in Petersaurach, die inzwischen in die dritte Phase geht. Bis November dieses Jahres wird der zweite Bauabschnitt fertiggestellt sein. Dann haben auch die Bürger in den Ortteilen Großhaslach und Wicklesgreuth schnelles Internet.

Petersaurach erhält 90 Prozent Förderung

Im dritten Bauabschnitt sollen dann die restlichen, etwas abgelegeneren Gemeindeteile bis Ende 2016 versorgt werden. „Die Ausschreibung hierzu läuft bereits und wir erhalten 90 Prozent Förderung hierfür – 80 Prozent als Höchstfördersatz plus zehn Prozent, weil wir im Landkreis Ansbach liegen, einer Region mit besonderem Handlungsbedarf“, so der Bürgermeister.
Ein weiterer Erfolgsfaktor des Projekts ist die genaue Kalkulation durch den Investor. Dadurch kommt beim Verlegen der Leitungen größtenteils das so genannte Micro-Trenching-Verfahren zum Einsatz. Statt klassisch mittels Bagger 50 Zentimeter breit und 80 Zentimeter tief auszuheben, um ein Kabel zu verlegen, werden nur 20 Zentimeter breit und 40 Zentimeter tief mit einer speziellen Fräse ausgegraben. „Damit ist das Kabelverlegen wesentlich schneller zu realisieren“, erklärt Egerer.
Damit dieses erfolgreiche Projekt ins Laufen kam, war auch viel bürgerschaftliches Engagement nötig. „Vor drei Jahren kamen junge Bürger, die allesamt IT-Berufen in Nürnberg und Erlangen nachgehen, auf mich zu“, erinnert sich Egerer. Denn in Petersaurach gab es damals nur einen Internetanschluss mit einem Megabit Leistung. 70 Ehrenamtliche gingen sechs bis acht Wochen lang von Haustür zu Haustür und fragten, ob denn die jeweiligen Bewohner beim Glasfaserprojekt mitmachen. Durch diese Nachfragebündelung konnte für die Deutsche Glasfaser die nötige Investitionssicherheit bereitgestellt werden. Doch auf Ewig sind die Bürger nicht an dieses Unternehmen gebunden, das über die Tochtergesellschaft Unser Ortsnetz GmbH den Internetanschluss zur Verfügung stellt. Nach zwei Jahren können sie wechseln, denn ab diesem Zeitpunkt ist der Vertag monatlich kündbar. Ein Internetanschluss kostet in Petersaurach derzeit 34,90 Euro monatlich. Sollen es Internet und Telefon sein, sind 49,90 Euro im Monat zu bezahlen. Optional können noch diverse Digital-TV-Funktionen hinzugebucht werden. „Dann kann der Familienvater im Wohnzimmer Fußball schauen, die Mama ihre Serien auf dem PC, die Tochter ihr Wunschprogramm auf dem Tablet und der Sohn seine Sendung auf dem Smartphone – ohne das ich jetzt die sozialen Folgen dieses Verhaltens innerhalb der Familie bewerten will“, sagt Egerer. (Ralph Schweinfurth)

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